Basler Fasnacht

Ein Verein kommt der UNESCO-Pflicht nach: Cliquen sollen ihre Archive öffnen

Die Basler Mittwoch-Gesellschaft an der Kriegsfasnacht 1942 im inneren des Restaurants Löwenzorn (BMG-Stammbeiz).

Die Basler Mittwoch-Gesellschaft an der Kriegsfasnacht 1942 im inneren des Restaurants Löwenzorn (BMG-Stammbeiz).

2017 wurde die Basler Fasnacht zum Weltkulturerbe ernannt. Ein Verein kommt jetzt der UNESCO-Pflicht nach, diese zu dokumentieren.

Anfang Dezember 2017 wurde der Basler Fasnacht eine grosse Ehre zuteil: Sie wurde von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Diese Ernennung erfolgt jeweils mit einer Verpflichtung, denn das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beinhaltet vier Ziele: Es muss für die Erhaltung des Erbes auf nationaler Ebene gesorgt werden, indem regionale und/oder nationale Verzeichnisse erstellt werden.

Auch auf internationaler Ebene gilt es, zur Erhaltung beizutragen, indem Listen und Register gepflegt werden, auf die zurückgegriffen werden kann. Grundlegend im Fokus stehen dabei auch die «Förderung des Bewusstseins für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes» und die «Förderung der internationalen Zusammenarbeit», wie dem schriftlichen Übereinkommen der UNESCO zu entnehmen ist.

Unterstützung aus Politik und Kultur

Doch was heisst das genau? Und wie lässt sich etwas Immaterielles überhaupt sichern und bewahren? Dieser Frage hat sich Alain Grimm, langjähriges Präsidiumsmitglied der ältesten Männer-Fasnachtsclique Basler Mittwoch-Gesellschaft, angenommen. «Ich fragte mich eines Tages, was wir eigentlich mit unseren alten Laternen machen könnten», sagt Grimm. Daraufhin kam ihm die Idee, sich einem ganz spezifischen privaten Projekt zu widmen: Der Dokumentation der Basler Fasnacht.

Was als privates Projekt begann, könnte schon bald ziemlich gross werden, denn der Kreis der Unterstützenden liest sich gut: Obfrauen und Obmänner verschiedener Cliquen, das Fasnachts-Comité selber und verschiedenste Basler Politpersönlichkeiten wie beispielsweise Esther Keller (Grünliberale), René Häfliger (LDP) oder Joel Thüring (SVP). Getragen wird das Projekt von einem Verein, der durch einen Fachbeirat unterstützt wird. Auch dieser tritt breit gefächert auf, hat Grimm doch das Staatsarchiv Basel-Stadt, das Museum der Kulturen Basel und die Abteilung Kultur des Kantons ins Boot geholt.

Systematisches Sichern und Bewahren

Das Projekt «Dokumentation Basler Fasnacht» wird die Aufgabe übernehmen, die Fasnacht als immaterielles Weltkulturerbe systematisch zu erfassen und zu dokumentieren. «Das Sichern und Bewahren steht für manche vielleicht im Widerspruch zur Immaterialität», sagt Grimm. Das muss aber nicht so sein, denn gerade Bilder und Texte geben wunderbare Zeitdokumente her.

Es gebe auch gewissen Widerstand unter FasnächtlerInnen, es bestehe die Angst, dass sich die Fasnacht nicht mehr verändern dürfe, sobald sie engmaschig dokumentiert werde. Diese Angst sei aber unbegründet: «Wir sind nicht eine Instanz, die bestimmen will, wie die Fasnacht aussehen muss», beruhigt Grimm. Auch die UNESCO beschreibt immaterielles Kulturgut als etwas «Dynamisches, das gesellschaftlichen Transformationsprozessen unterliegt und sich so auch laufend verändern kann».

Im Herbst soll gestartet werden

Die Finanzierungsanträge an Stiftungen, Kulturförderprogramme, Private und Unternehmen mit starkem lokalem Bezug werden in naher Zukunft verschickt. Die Projektleitung möchte ihre Tätigkeit im Herbst aufnehmen. Eine Tätigkeit, die nur dann funktionieren kann, wenn auch die Cliquen mitmachen, wie Grimm sagt: «Wenn die Cliquen uns ihre Archive nicht zugänglich machen, kommen wir nicht vorwärts.» Die Idee sei deshalb, die Archive mit den Cliquen zusammen aufzubauen.

In einer ersten Projektphase gehe es deshalb um die Erarbeitung eines detaillierten Konzepts. «Wir möchten, dass jemand, der Forschungsfragen zur Basler Fasnacht hat, weiss, wo er sich die Antworten holen kann», beschreibt Alain Grimm das Ziel der Dokumentation der Basler Fasnacht. Bisher hat eine solche Anlaufstelle gefehlt.

Strategie wird erarbeitet und in die Tat umgesetzt

Die Projektphase eins soll etwa ein Jahr dauern und einen Überblick über bestehende Archive, Objekte und Infrastrukturen ermöglichen. Der Verein befasse sich in dieser Zeit ausserdem mit der Frage der Herangehensweise an ein immaterielles Kulturgut. Um systematisch Daten erheben zu können, bedarf es auch einer Sammlungsstrategie, welche in einer zweiten Phase von etwa zwei Jahren umgesetzt werden könne.

In diesem zweiten Schritt sollen die Archive dann auch der Forschung und Vermittlung zugänglich gemacht werden. «Wir betreiben in der Schweiz Pionierarbeit mit dem Archivieren eines immateriellen Kulturgutes, das gab es in dieser Form noch nie», sagt Projektleiter Grimm.

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