Es war eine wirre Geschichte um Rangeleien, verlorene Mobiltelefone, saftige Drohungen und fliegende Aschenbecher: Einzelrichterin Kathrin Giovannone verurteilte gestern einen 31-jährigen Mann wegen Raubes zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten. Die Rangeleien hatte er zugegeben, den Raub jedoch deutlich bestritten.

Offenbar begegnete der 31-jährige Angeklagte im April 2013 kurz nach Mitternacht auf der Mittleren Brücke drei deutlich jüngeren Männern um die 20. Völlig nüchtern war dabei niemand, und aus irgendeinem Grund schaukelten sich Sprüche zu Pöbeleien hoch, dabei soll der Beschuldigte mit seinem aggressiven Hund sowie mit einem angeblichen Messer gedroht haben, woraufhin die Drei davonrannten – auf der Flucht ging ein Mobiltelefon verloren.

Widersprüchliche Aussagen

Gestern vor dem Basler Strafgericht bestätigte der Angeklagte den Wortwechsel und einige Rangeleien. Mit einem Messer habe er aber nie gedroht. Doch die drei anderen haben gesehen, dass er das verlorene Telefon mitgenommen hat, sie folgten ihm zum Tram, und im Gundeli-Quartier nahm die Geschichte ihre Fortsetzung: Zusammen mit einem alarmierten vierten Kumpel forderten sie das Telefon zurück. Doch der 31-Jährige soll daraufhin erneut mit dem Messer gedroht haben, woraufhin er ein weiteres Mobiltelefon erbeutete. Die gerufene Polizei stellte es in seiner Wohnung sicher und gab es seinem Besitzer zurück, doch vom ersten Telefon fehlt bis heute jede Spur.

Der Angeklagte sagte gestern dazu, er habe nicht verstanden, was die vier von ihm wollten, er habe Angst gehabt, und selbst sein Hund sei vor Angst ganz still gewesen. Ein Messer habe er gar nicht dabeigehabt und sicher auch nicht damit gedroht.

Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone nahm ihm die Geschichte nicht ab, die anderen Beteiligten hätten im Gegensatz zu ihm von Anfang an konsistente und glaubwürdige Aussagen gemacht. Als die Vier vor seinem Haus auf die Polizei warteten, habe er auch noch einen Plastikaschenbecher aus dem Fenster geworfen – das sorgte für einen zusätzlichen Schuldspruch wegen groben Unfugs. Als die Polizei bei ihm läutete, behauptete er zuerst, er sei schon seit vier Stunden zu Hause. «Ich war dort mit meinen Aussagen nicht ganz ehrlich», räumte er dazu gestern ein.

Strafe nur bedingt

Dazu kamen Verurteilungen wegen Konsum und Handels mit Kokain, der Mann hat eine lange Drogenkarriere hinter sich. Allerdings hat er inzwischen offenbar das Methadonprogramm erfolgreich beendet, er betonte, er sei heute sauber, seit knapp zwei Monaten arbeitet er wieder. Weil er sich auch um zwei Kinder kümmern muss, sprach Giovannone die Freiheitsstrafe bedingt aus. Die Staatsanwaltschaft hatte schriftlich eine unbedingte Strafe von neun Monaten gefordert. Der Mann kann das Urteil noch weiterziehen.