19 von 20 Glasflaschen werden in der Schweiz rezykliert. Damit sind die Schweizer zwar nicht ganz Weltmeister, aber das schlechte Gefühl, das einen beim In-den-Abfall-Werfen einer Glasflasche überkommt, scheint tief verankert in der helvetischen DNA.

Nur nicht bei den Entscheidungsträgern in den Basler Behörden, könnte man meinen. Denn diese haben nach zwei Testjahren am Kleinbasler Rheinufer entschieden, künftig alles im öffentlichen Raum anfallende Glas, PET und Aluminium wieder der Verbrennung zuzuführen.

Dominik Egli, Leiter Stadtreinigung, sagt: «Zwei Pilotversuche in den beiden letzten Sommern haben gezeigt, dass der Anteil gesammelter Wertstoffe zu gering und die Kosten unverhältnismässig hoch sind.» Die Kosten pro Tonne eingesammelter Wertstoffe hätten 2000 bis 5000 Franken betragen, weil sowohl das getrennte Einsammeln als auch das spätere, manuelle Trennen sehr personalintensiv sei.

Glas sammeln auch die SBB nicht extra

«Fürs Glas konnten wir wegen des Gewichts maximal 60-Liter-Säcke verwenden. Diese mussten mit einem kleinen Fahrzeug zum Zwischenlager transportiert und von dort von Lastwagen abgeholt werden, was sehr hohe Personalkosten verursacht», sagt Egli. Darauf angesprochen, dass die SBB an den Bahnhöfen seit Jahren Recycling-Stationen betrieben, sagt Egli: «Ich kenne die Kostenrechnung der SBB nicht, aber vermute, dass diese auch sehr teuer sind.»

Oli Dischoe, SBB-Mediensprecher, sagt auf Anfrage zwar auch nichts zu den Kosten, betont aber, dass die Recycling-Stationen an den Bahnhöfen eine «Erfolgsstory» seien. «Mittlerweile ist die konsequente Abfalltrennung an 35 Bahnhöfen möglich. Im Bahnhof SBB haben sich die Recycling-Stationen in den vergangenen vier Jahren etabliert und sind mittlerweile kaum mehr wegzudenken.»

Was allerdings auffällt: Glas-Sammelbehälter, die am Rheinbord wegen kleinerer Säcke Probleme machten, sind an den Bahnhöfen vergebens zu suchen – dafür solche für Papier. Die entsorgten Mengen sind hingegen beeindruckend. Sie würden jährlich 2700 Güterwagen füllen, was einem Zug von 30 Kilometern Länge entspricht. Mit den Recycling-Stationen können jährlich 750 Tonnen wiedervewertbare Stoffe gesammelt werden, die zuvor in der Kehrichtverbrennung gelandet sind.

Eigentlich möchte die Regierung recyceln

Dass Recycling am Bahnhof eine Erfolgsgeschichte ist, am Rhein aber ein Reinfall, erstaunt Raphael Fuhrer vom Grünen Bündnis nicht. Als Mitglied der Umwelt, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) sagt er: «Ich habe Zweifel, ob das Kleinbasler Rheinbord der richtige Ort für einen Pilotversuch war. Mir scheint es sinnvoller, zum Beispiel an Tramhaltestellen, stark frequentierten Plätzen und in allen öffentlichen Gebäuden zu beginnen und erst in einer zweiten Welle die ‹Problem-Orte› zu integrieren, wenn sich der Ansatz Abfalltrennung auch unterwegs bereits in der Bevölkerung etabliert hat.»

LDP-Grossrat und Uvek-Mitglied André Auderset sagt, dass er ebenfalls fürs Trennen von Abfall sei. Allerdings nur, wenn dieses mit vernünftigem Aufwand erreicht werden könne. «Hier scheint dies offensichtlich nicht der Fall zu sein. Insofern kann ich das Vorgehen der Verwaltung nachvollziehen und heisse dieses gut.»

Dass die Behörden den Recycling-Versuch ersatzlos streichen, widerspricht dem aktuellen Legislaturplan der Regierung. Dieser gibt in zwölf Zielen die gewünschte Entwicklung des Kantons vor und gilt für die Jahre 2017 bis 2021, es ist als Halbzeit.

Bei Ziel sieben heisst es: «Der Kanton Basel-Stadt löst seine Umweltaufgaben. Er nutzt seine Möglichkeiten zum sparsamen Umgang mit Ressourcen und beschreitet neue Wege in der Abfallentsorgung. In der neuen Gesamtstrategie Abfallentsorgung werden die Weichen gestellt von der Abfallwirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft.»