Rotblaue Vorstandszukunft

Ein Vorstand mit Blick durch die rotblaue Fan-Brille

Daniel Schreier will den FCB vor einer Fan-Entfremdung bewahren.

Daniel Schreier will den FCB vor einer Fan-Entfremdung bewahren.

Unter den Protest-Kandidaten für den Vorstand ist Daniel Schreier – ein Fan mit spezieller FCB-Sozialisierung.

Jetzt ist bekannt, wer sich aus der Protestbewegung um ein Amt im FCB-Vorstand bewirbt. Die Anti-Burgener-Fraktion «Yystoo» hat am Donnerstag fünf Personen vorgestellt, die künftig in die Geschicke des Vereins eingreifen möchten – sofern sie an der Generalversammlung im November gewählt werden.

Die meisten Namen aus diesem Fünferticket sind bereits in den vergangenen Tagen herumgegeistert: Tobias Adler und Patrick Fassbind gehören zum engsten Kreis von «Yystoo» und repräsentieren unterschiedliche Fansektoren. Zu ihnen gesellen sich Alt Nationalrätin Silvia Schenker und Grossrätin Jo Vergeat. Letztere hatte ihre Ambitionen bereits unlängst in dieser Zeitung bekräftigt.

Das Fünferticket von Yystoo.

Das Fünferticket von Yystoo.

Der letzte im Bunde ist Daniel Schreier. Daniel wer? Schreier ist eingefleischten FCB-Fans durchaus ein Begriff. Doch Aussenstehende dürften sich kaum einen Reim darauf machen, wie ein Zürcher Anglistikprofessor die Anliegen der Fans im FCB-Vorstand vertreten soll. Dabei ist Schreiers FCB-Sozialisation die vielleicht unterhaltsamste und sein Bezug zur Ära Burgener mit Sicherheit der Speziellste im Quintett.

Der Mann mit dem Sinneswandel

Schreier, 49, war es, der 2017 als Fanvertreter das Konzept der neuen FCB-Führung zu beurteilen hatte. Und damit Bernhard Burgener das Placet gab.

«Dem Konzept traue ich auch heute noch», sagt Schreier. Auf junge, eigene Spieler zu setzen, statt auf etwaige Champions-League-Millionen zu hoffen – das habe ihn damals wie heute überzeugt. «Von der personellen Umsetzung und den personellen Entscheidungen wussten wir aber nichts. Von Bernhard Burgener erhielten wir diesbezüglich keine Information», sagt Schreier. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, in dem er das Vertrauen in die aktuelle Führung verloren habe.

«Einiges hat die aktuelle FCB-Führung ja auch gut umgesetzt.» Aber irgendwann gab es nur noch schlechte Nachrichten. Schreier weiss selbst nicht genau, wie er in jenen illustren Zirkel vorgestossen war, der die Heusler-Nachfolge begutachten musste. Wahrscheinlich waren es sein Protest gegen Ticketpreis-Erhöhungen sowie sein Kampf für den Erhalt einer FCB-Freimitgliedschaft. Schreier geriet über solche Auseinandersetzungen auf den Radar von Heusler und seiner Führungstruppe.

Der Mann mit dem speziellen Lebenswandel

Schreier, geboren in Basel und mittlerweile Linguistikprofessor in Zürich, ist kein typischer Fanvertreter. Eigentlich ist er auch kein typischer Fan, sagt er zumindest von sich selber. Mehr oder weniger aus dem Bauch heraus hat er mit einem Primarfreund entschieden, einmal an ein FCB-Spiel zu gehen. Zu Hause interessierte sich niemand für Fussball. Lange Zeit sass Schreier mit seinen Freunden später beim Bahndamm. In die Kurve, in den Neunzigern eine mehr als raue Umgebung, liessen ihn seine Eltern nicht.

Heute besitzt Schreier drei Jahreskarten: zwei im Sektor C, eine in der Muttenzerkurve. Den Weg zu deutlich jüngeren Fans unter anderem aus der Kurve hat er über die Fankultur gefunden, über Anlässe im Saal 12 etwa, dem Lokal der Muttenzerkurve.

Seine vielleicht härteste Zeit als Fan hatte Schreier indes wohl während seiner Zeit als Doktorierender durchzustehen. Als Linguist untersuchte er die Dialekte auf Tristan da Cunha, einer Insel mitten im Atlantik. Rund 260 Menschen leben in der einstigen britischen Kolonie. Ein Schiff verkehrt nur einmal im Monat dort – zumindest zur Hauptsaison der Fischerei. «Ich war aber in der Nebensaison dort. Ich konnte für vier Monate die Insel nicht verlassen.»

Um sich über FCB-Resultate zu informieren, gab es nur eine Möglichkeit: Alle zwei Wochen reservierte Schreier das Funktelefon auf der Insel und liess sich einen Matchbericht vorlesen. Kosten pro Anruf: Etwa 50 Franken.

Kern des Clubs als Hauptinteresse

Schreier und Konsorten wollen genau diese mitfiebernde Fan-Optik in den Verein tragen. Sie wollen eine «Kontrollfunktion wahrnehmen», heisst es im Web-Auftritt von «Yystoo».

Damit ist auch klar, worum es dem Kandidaten-Quintett und der Bewegung dahinter geht. Nicht die Junioren- oder die Frauenmannschaft stehen im Fokus. Obwohl beides im Unterschied zur ersten Mannschaft der Herren im Verein und nicht der Holding FC Basel angesiedelt ist. Sondern das Entgegenwirken gegen eine empfundene Entfremdung von den Fans durch die aktuelle Führungsriege.

Denn das ist eben auch im Verein enthalten: Alles, was die Marke FCB betrifft. Dieser Kern des Clubs ist es auch, was Fans wie Daniel Schreier interessiert – selbst wenn sie sich selber ein bisschen als atypische Fans sehen.

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