3er-Tramverlängerung

Ein weiteres Einkaufsträmli ist in Planung

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Elsässer wollen das 3er-Tram vom Bahnhof Saint-Louis zu einem neuen Einkaufszentrum und zum Euro-Airport verlängern.

Die Südelsässer geben Gas. Nachdem es lange Zeit nur zögerlich mit dem Projekt, das 3er-Tram von Basel über die Grenze nach Saint-Louis zu verlängern, voranging, liegen jetzt schon die Pläne für einen weiteren Ausbau vor. So soll das Tram vom Bahnhof Saint-Louis, wo es Ende 2017 ankommt (siehe Box), in einem ersten Schritt zu einem neuen Einkaufs- und Freizeitzentrum und später bis zum Euro-Airport (EAP) verlängert werden.

Erste Arbeiten Anfang 2019

Bis zum 30. September können sich die betroffenen Bürger in einer Vernehmlassung dazu äussern. Bis Ende Jahr dürfte dann im Parlament des Zweckverbands «Communauté d'agglomération des Trois frontières (CA3F) die politische Entscheidung dazu fallen. Nach dem grünen Licht der Behörden könnten die ersten Arbeiten Anfang 2019 beginnen.

Vorgesehen sind zwei Bauabschnitte. Bis Ende 2020 soll das Einkaufs- und Freizeitzentrum angebunden werden – das Tram würde anfangs in einem Bogen zum Bahnhof von Saint-Louis zurückfahren. In einem voraussichtlich erheblich späteren Schritt soll das Tram ab 2021 weiter bis zum Flughafen fahren. Beides würde zusammen knapp 30 Millionen Euro kosten.

Bei einer billigeren Version würde das Tram vor dem Flughafen stoppen. Die letzten 300 Meter müssten die Fussgänger auf einem überdeckten Förderband zurücklegen. So liessen sich immerhin 7 Millionen Euro einsparen.

Für das Einkaufs- und Freizeitzentrum, in dem es auch Kinos und Sportangebote geben soll, hat der CA3F im Frühjahr 2015 einen Vorvertrag mit dem Investor Unibail-Rodamco unterzeichnet. Das Projekt war lange Jahre stark umstritten. Insbesondere die Detailhändler von Saint-Louis machen sich Sorgen um ihre Umsätze. Mittlerweile wurde es von 90 000 Quadratmetern auf 40 000 Quadratmeter reduziert. Daneben sollen Parks und ein
9-Loch-Golfplatz entstehen. Nähere Informationen wie auch den Namen der Anlage kündigt Alain Girny, Präsident des Zweckverbands, für Oktober an.

Der Technopol umfasst 75 Hektaren. Im Entwicklungsgebiet zwischen Flughafen und Saint-Louis sollen Dienstleistungsunternehmen angesiedelt werden. «Wir denken an Betriebe, die im Bereich Forschung und Entwicklung tätig sind. Schwerindustrie wird es dort nicht geben», präzisiert Girny. Die Tramlinie würde den Technoport erschliessen.

Früher für Muba 2 im Gespräch

Anfang der 90er-Jahre war das Gelände beim Flughafen für eine Muba 2 im Gespräch. Letztlich hat sich die Messe aber entschieden, in der Stadt zu bleiben.

Das Tram-Trassee soll zwischen der Park-&-Ride-Anlage beim Bahnhof Saint-Louis und der Bahnstrecke verlaufen. Der EAP-Bahnanschluss bleibt aktuell: Das Tram soll ihn unterqueren. Eine Brücke über die Autobahn könnte mit dem Anschluss für Fussgänger gespart werden.

Derzeit gibt es zwischen dem Bahnhof Saint-Louis und dem EAP einen Shuttle-bus, der 52 mal am Tag verkehrt und im Jahr von 130 000 Fahrgästen benutzt wird. Für das Tram zum Flughafen rechnen die Südelsässer mit 300 000 Passagieren. Für die Finanzierung, die allerdings noch nicht Thema sei, will Girny auf die gleichen Partner wie beim ersten Verlängerungsprojekt zugehen – also im Rahmen des Agglomerationsprogramms auch auf den Bund und Basel.

Der Basler Gewerbeverband sieht das kritisch: «Es ist unserer Meinung nach nicht Sache des Bundes und des Kantons Basel-Stadt, rein innerfranzösische Infrastrukturprojekte mitzufinanzieren. Diesbezügliche Begehrlichkeiten erscheinen uns unangebracht, da ja noch nicht mal die erste Etappe gebaut ist», schreibt Mediensprecher David Weber. «Einen Nutzen für Basel-Stadt ergibt sich durch den Anschluss des Euro-Airports an den 3er nicht. Hier braucht es einen leistungsfähigen Bahnanschluss. Das Thema Einkaufstourismus spielt aufgrund des geringeren Preisgefälles eine untergeordnete Rolle.»

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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