Hirzbrunnen-Quartier

Ein weiteres Kirchenkapitel geht zu Ende: Die Glocken der St.-Markus-Kirche sind weg

Die Glocken und der Turmhahn der St. Markus-Kirche wurden gestern abmontiert.

Die Glocken und der Turmhahn der St. Markus-Kirche wurden gestern abmontiert.

Die St.-Markus-Kirche im Hirzbrunnen muss einem Wohnbau weichen. Nun hat der Rückbau der Kirche begonnen. Gestern wurden die Glocken entfernt.

Sie steht seit 1932 da wie eine Mischung aus Gemeindezentrum und Gotteshaus, die St.-Markus-Kirche im beschaulichen Hirzbrunnen-Quartier. Jetzt sind ihre Tage gezählt: Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hatte vor einigen Jahren beschlossen, die Kirche durch einen Wohnungsneubau zu ersetzen und die Gemeinde mit der katholischen St.-Michaels-Kirche an der Allmendstrasse zu einem kirchlichen Zentrum zusammenzuführen.

Der «Basler Kirchenschwund» als Folge der sinkenden Mitgliederzahlen ist damit um ein weiteres Kapitel reicher. So wurde in jüngster Zeit die Don-Bosco-Kirche in der Breite zu einem Musik- und Kulturzentrum umfunktioniert, und die Christophorus-Kirche in Kleinhüningen ereilte dasselbe Schicksal wie nun die St.-Markus-Kirche: Sie musste 2018 einem Wohnbau weichen. Weitere Gotteshäuser werden nicht mehr als solche genutzt, beispielsweise die Paulus-Kirche.

Eine «Corporate Identity» für die Kirchgemeinde

Gestern nun wurde im Hirzbrunnen mit dem Rückbau begonnen. Arbeiter entfernten in einer aufwendigen Aktion die Glocken im offenen Kirchturm. Auf dessen Spitze befand sich eine kunsthistorische Besonderheit, die nun ebenfalls entfernt wurde. Die Markus-Gemeinde verpflichtete in den Fünfzigerjahren bei der Erweiterung ihres Gotteshauses durch den Architekten Peter Sarasin den Basler Grafiker Celestino Piatti (1922–2007) damit, die Turmfigur zu kreieren. Er schuf einen Hahn, der den Kirchturm fortan zierte und nun, nach seiner Entfernung, erst einmal gründlich restauriert wird.

Aber Piattis Engagement ging noch weiter. Wie von seinen Erben zu erfahren ist, schuf er für die Markusgemeinde eine Art «Corporate Identity», wie man heute sagen würde. Sein geflügelter Löwe, ein Symbol für den Kirchenpatron und Evangelisten Markus, wurde für offizielle Urkunden verwendet. Piatti, einer der gefragtesten Grafiker jener Zeit, war auch darüber hinaus für die Kirche tätig. In seinem Nachlass findet sich ein Plakat für den «Deutschschweizer evangelischen Kirchentag» in Basel im Jahr 1963.

Die abmontierten Glocken der Markus-Kirche, hergestellt 1932 und 1952, werden nun in der Giesserei Aarau zur Weiterverwendung in Bettingen gereinigt und geprüft. Neue, den Glocken entsprechende Klöppel, so lässt die Evangelisch-reformierte Kirche weiter verlauten, würden nach historischer Formgebung und zur Optimierung der Akustik hergestellt.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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