Stimmen Festival
Ein Weltbürger macht auf der kleinen Stimmen-Festival-Bühne halt

Nicht viele wollten Rufus Wainwright im Riehener Wenkenpark sehen. Aber wer kam, bereute es nicht. Der Weltbürger schien sich nicht daran zu stören und genoss die kleinen Dimensionen sichtlich. Sein Konzert war ein Best-of seiner sieben Alben.

Leif Simonsen
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Ein gut aufgelegter Rufus Wainwright im Wenkenpark: «Vielen Dank, ihr wart ein wundervolles Publikum.»

Ein gut aufgelegter Rufus Wainwright im Wenkenpark: «Vielen Dank, ihr wart ein wundervolles Publikum.»

Juri Junkov

Als Rufus Wainwright die Bühne betrat, musste man ein ungutes Gefühl bekommen. Hier der schwule Weltbürger, der zuletzt im englischen Glastonbury an einem der grössten Festivals der Welt vor Tausenden Jugendlichen aufgetreten war. Und da der beschauliche Wenkenpark in Riehen, an dem die meisten (älteren) Zuschauer den Anschein machten, als hätten sie keinen blassen Schimmer, wer da auf der Bühne steht.

Wainwright aber schien es gelassen zu nehmen. Mehr noch: Der Kanadier genoss bei seinem Auftritt am Samstagabend offensichtlich die Intimität. «Wenn ich nur könnte, ich würde diesen Ort kaufen», schwärmte er im Wissen darum, dass die paar hundert Zuschauer ihm das nötige Kleingeld für den Wenkenpark nicht bringen würden.

Eine Art Best-of seines Schaffens

Wainwright blieb nichts schuldig, die Setlist war eine Art Best-of seiner sieben Studioalben, die in den grossen Musikzeitschriften wie dem «Rolling Stone» regelmässig Bestnoten bekommen haben. Von seinem bislang grössten Hit «Cigarettes and Chocolate Milk» über den Klassiker «Grey Gardens» bis hin zu den Songs auf der neuen Platte, «Out of the Game», das in Grossbritannien auf Rang fünf der Albumcharts kletterte. Eingängige Ohrwürmer («Out of the Game») und eher nachdenkliche Klänge («Jericho») gaben Einblick in die breite Palette des genialen Liedermachers.

Da sahen ihm die Zuschauer gerne nach, dass er im Dreiländereck etwas den Überblick darüber verlor, in welchem Land er sich gerade befand und welche Sprache man spricht – Grenzen bedeuten Wainwright aber ohnehin nichts, seit er sich in jungen Jahren aus Montreal aufmachte, die Welt zu erobern.

Sein erster Anlauf in New York, erzählte er dem Riehener Publikum, sei gross gescheitert. Zu Nirvana-Zeiten hätten sich alle über ihn lustig gemacht, den schwulen Paradiesvogel. Doch auch sein Abstecher an die Westküste sei nicht von Erfolg gekrönt gewesen. «Da wollten sie, dass ich klinge wie die Beach Boys.» Als er dann wieder nach New York zurückkehrte, sei eines Tages Jeff Buckley an einem seiner Konzerte im Publikum gestanden.

Hallelujah durfte nicht fehlen

Zwar mochte Wainwright Buckleys Musik bis dahin überhaupt nicht («ich war zu neidisch auf seinen Erfolg»), doch an diesem Abend änderte sich alles. Buckley kam auf die Bühne, winselte in typischer Buckley-Manier und machte aus «einem schrecklichen Konzert» einen unvergesslichen Abend für Wainwright.

Als Jeff Buckley dann ein paar Wochen später starb, entschied sich Wainwright, diese Erinnerungen in ein Lied («Memphis Skyline») zu verpacken. Und natürlich durfte auch im Wenkenpark der tausendfach gecoverte Leonard-Cohen-Welthit «Hallelujah» nicht fehlen – zumal ja auch Jeff Buckley diesen Song interpretiert hatte.

Nach gut eineinhalb Stunden und einer langen Zugabe hatte Rufus Wainwright die Frage beantwortet: Den Abstieg von den grossen Bühnen hatte er problemlos gemeistert. Und er log gewiss nicht, als er sich bei seinem Abschied bei einem «wundervollen» Publikum bedankte.

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