Chrischona
Ein Windrad auf der Chrischona als Denkmal für Basel

Die Industriellen Werke Basel (IWB) starten einen neuen Anlauf für ein Windkraftwerk. Die Symbolik spielt dabei eine Rolle. Und: An das wirtschaftliche Windpotenzial der Chrischona glauben derzeit vor allem die IWB.

Andreas Maurer
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Der von weitherum sichtbare Fernsehturm auf der Chrischona ist auch ein Denkmal der Technik: Er ist das höchste freistehende Bauwerk der Schweiz. Das Symbol könnte Gesellschaft erhalten: Die Industriellen Werke Basel (IWB) starten einen neuen Versuch für ein Windkraftwerk, wie IWB-Chef David Thiel im «Regionaljournal» ankündet.

IWB-Sprecher Erik Rummer räumt gegenüber der bz ein: «Die Symbolik spielt eine Rolle. Als Kantonsversorger möchten wir möglichst nah an unserem Kanton produzieren.»
Zeichen setzen auf dem Hausberg
Dank ausländischer Beteiligungen und Schweizer Wasserkraftwerken ausserhalb Basels wäre das eigentlich nicht nötig: Im letzten Jahr haben die IWB erstmals mehr erneuerbare Energie produziert, als der Stadtkanton konsumiert hat. Auf dem Hausberg des rot-grünen Basels geht es nicht nur darum, möglichst viel Strom zu produzieren: Hier soll auch ein von weitem sichtbares Zeichen gesetzt werden. Sogleich schiebt Rummer nach: «Entscheidend ist aber immer die Wirtschaftlichkeit.»
An das wirtschaftliche Windpotenzial der Chrischona glauben derzeit vor allem die IWB. Das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) hat 2009 als Reaktion auf einen Vorstoss des damaligen SP-Grossrats Guido Vogel eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, welche Ende 2011 nochmals überprüft wurde. In den letzten zwei Jahren seien die Kosten für eine Windkraftanlage eher gestiegen. Deshalb sei es «ziemlich unwahrscheinlich», dass sich im Moment ein Investor für die Chrischona interessiere. Das schrieb die Basler Regierung vor fünf Monaten. Und jetzt outet sich das kantonseigene Energieunternehmen als interessierter Investor.
AUE-Chef Jürg Hofer unterstreicht zwei Punkte, die zuerst geklärt werden müssten: Für Windräder auf der Chrischona müsste Wald gerodet werden. Die AUE-Experten gehen davon aus, dass ein Gesuch für eine Rodungsbewilligung wegen zu tiefer Windgeschwindigkeiten aussichtslos wäre - auf der Chrischona betragen sie weniger als 5,5 Meter pro Sekunde auf Nabenhöhe.
Die Deutschen sind skeptisch
Der zweite Punkt: Es bräuchte das Einverständnis der deutschen Nachbarn, die von der Windanlage stärker betroffen wären. Jörg Lutz, Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen, weist auf den Windatlas von Baden-Württemberg hin, der seiner Gemeinde eine ausserordentlich geringe «Windhöffigkeit» nachweist: «Das wird wenige Meter jenseits der Grenze wohl nicht anders sein. Nach unserer Einschätzung ist ein wirtschaftlicher Betrieb unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schwer vorstellbar.» Rotoren auf der Chrischona hätten aus seiner Sicht daher eher symbolische Bedeutung.
Zu den ökonomischen Bedenken sagt IWB-Sprecher Rummer: «Mittlerweile gibt es Turbinen, die sich auch bei weniger Wind lohnen.» Die Windstärke sei nicht das einzige Kriterium: Auch der Windfluss spielt eine Rolle, etwa ob er fadengerade oder wirblig ist. Als Anhaltspunkt verwenden die IWB die Windmessungen des Fernsehturms: «Die Werte der vergangenen Monate bewegen sich in einem Bereich, in dem ein wirtschaftlicher Betrieb mit modernen Turbinen möglich sein sollte.»
Die IWB stehen aber erst am Anfang: «Auf der Chrischona befinden wir uns dort, wo wir auf dem Challpass vor anderthalb Jahren waren.» Die erste Auswertung der Windmessungen auf dem Chall werden für den Spätsommer erwartet. Bei der Chrischona stehen jetzt die Anwohner im Vordergrund: Gespräche mit den betroffenen Gemeinden und Landbesitzern sollen noch dieses Jahr geführt werden. Die IWB sind optimistisch: In sechs bis acht Jahren könnte über der Chrischona ein Surren in der Luft liegen.