Nationalitäten
Eine Abteilung für Pflegebedürftige aus dem Balkan braucht es nicht

Die Migration sei ein wichtiges Thema in der Langzeitpflege. Basel kennt wie auch Zürich oder Bern Mediterrane Pflegeabteilungen für Italiener und Spanier. Weitere Abteilungen für spezifische Migrantengruppen sind nicht geplant.

Pascale Hofmeier
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Viele Pflegende haben ihre Wurzeln auf dem Balkan (Symbolbild)

Viele Pflegende haben ihre Wurzeln auf dem Balkan (Symbolbild)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Die Zahl der Senioren aus Serbien, Kroatien, Bosnien und aus dem Kosovo wird in der Schweiz in den nächsten Jahren massiv ansteigen. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, bereiten sich darum in der Stadt Zürich Hilfsorganisationen und Behörden auf die Senioren aus dem Balkan vor. Sie erwarten, dass es in den Alters- und Pflegeheimen zu Konflikten zwischen den im Krieg verfeindeten Nationalitäten kommen könnte. Und sie erwarten, dass diese Migrantengruppe nach vielen Jahren körperlicher Berufsarbeit im Alter eher stark pflegebedürftig sein wird.

Moderater Anstieg

Auch in Basel steigt die Zahl der Pflegebedürftigen aus dem Balkan. «Es sind deutlich weniger als in Zürich», sagt Felix Bader, Leiter der Abteilung für Langzeitpflege des Kantons-Basel Stadt. Die demografische Entwicklung wird in Basel in den nächsten Jahren moderater verlaufen, als in den anderen Schweizer Kantonen. Der Anteil über 65-Jähriger wird hier in den nächsten 20 Jahren um 10 bis 20 Prozent ansteigen, während er sich zum Beispiel im Kanton Baselland mehr als verdoppelt. Im gesamtschweizerischen Schnitt steigt er um fast 60 Prozent. «Insgesamt wird die Zahl der schwer Pflegebedürftigen ansteigen, auch bei den Schweizern», sagt Bader. «Das kann mit der bestehenden Infrastruktur bewältigt werden.» Die Migration sei ein wichtiges Thema in der Langzeitpflege. Basel kennt wie auch Zürich oder Bern Mediterrane Pflegeabteilungen für Italiener und Spanier.

«Dieses Modell lässt sich nicht eins zu eins auf andere Migrantengruppen umlegen. Eine isolierte Gruppe von Pflegebedürftigen aus dem Balkan macht derzeit keinen Sinn.» Dies hat mehrere Gründe. Zum Einen wäre laut Bader die Anzahl der Interessenten zu klein. Zum Anderen hat dies mit dem Pflegepersonal zu tun. Viele Pflegende haben ihre Wurzeln auf dem Balkan. So findet sich in den Teams häufig eine Mitarbeitende, die zum Beispiel Serbisch, Kroatisch oder Albanisch spricht und entsprechend über die kulturellen Eigenheiten informiert ist. «Auch Pflegepersonal mit türkischen Wurzeln ist oft vertreten», sagt Bader.

Die Türken sind in Basel neben Deutschen und Italienern die grösste Ausländergruppe. «Hier ist die Altersverteilung nochmal anders, es ist eine eher junge Bevölkerungsgruppe.» Nicht nur deswegen ist eine Pflegegruppe für Türken kein Thema: «Die Familien versuchen traditionellerweise, ihre Leute möglichst lange zu Hause zu pflegen.» Es sind besonders viele türkische Familie, die die kantonalen Beiträge an die Pflege zu Hause beanspruchen.