Wahl-Theater

Eine «Affäre» im Wahl-Theater, die keiner nutzen will

Ernste Miene: Die Attacken setzen Christoph Eymann persönlich wohl mehr zu als politisch.

Ernste Miene: Die Attacken setzen Christoph Eymann persönlich wohl mehr zu als politisch.

«Cui bono?», also «zu wessen Nutzen», hinterfragen Politologen, Kriminalisten und Staatsanwälte jeden Fall. Und das seit Cicero den Ausdruck vor bald 2100 Jahren zum ersten Mal gebrauchte.

Denn der, der den grössten Nutzen von einem Verbrechen oder einer Indiskretion hat, ist meist auch der Hauptverdächtige. Im Fall des angeschuldigten Basler Regierungsrates Christoph Eymann aber ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten.

Gegner nutzt die Lage nicht

Der politische Gegner, also die Linke, bedient sich der angeblichen Vergehen Eymanns nicht. Im Gegenteil: Der Präsident der SP, Martin Lüchinger, gibt zu Protokoll:

«Ganz grundsätzlich finde ich die Geschichte und die Art und Weise, wie sie medial ausgewalzt wird unerträglich heftig.» Und auf den Nutzniesser der Hetzkampagne angesprochen meint er:

«Es ist nicht absehbar, was das für Auswirkungen auf die Wahlen hat und wer davon einen Nutzen haben soll.» Die SP und ihre grünen Verbündeten treten bei den Wahlen mit ihren vier bisherigen an, Sie kämpfen nicht um den Sitz von Christoph Eymann.

Das tut auch die CVP nicht. Deren Grossrat Oswald Inglin sieht keine Gewinner hinter der Aufregung um den Erziehungsdirektor: «Diese Geschichte bringt niemandem etwas, es schadet nur. Es schadet dem Amt, es schadet Christoph Eymann persönlich. Das Ganze ist zu bedauern und zu verurteilen.».

Dieser Ansicht schliesst sich auch der freisinnige Parteipräsident Daniel Stolz an, er sehe nicht, wer davon profitieren könne.

Liberale vor allem entsetzt

Christine Wirz von Planta, die Fraktionspräsidentin von Eymanns Liberalen, macht sich keine Sorgen um den Regierungsratssitz. Und auch sie kann keine Gewinner erkennen:

«Nein, das bringt niemandem etwas, es schadet nur und ist unflätig. Es ist unhaltbar, was hier gemacht wird.» Es sei nur möglich, dass jemand hier sein Mütchen kühlen möchte und Befriedigung auf «ganz persönlicher und niederer Ebene» fände.

Was wenn es doch schadet?

Der Einzige, der es wagt, das Tabu zu brechen und sich überhaupt zu fragen, was denn nun wäre, wenn an den Vorwürfen gegen Eymann doch etwas dran sein sollte, ist der SVP-Präsident.

Sebastian Frehner spekuliert, dass «wenn etwas dran sein sollte, dann würden die anderen antretenden Parteien, namentlich FDP, GLP oder die SVP profitieren.» Aber und das fügt er sofort an, «bis jetzt muss man davon ausgehen, dass nichts daran ist.»

Wenig Gefahr für Eymann

Mit ihrem Namen wollen sie nicht dazu stehen, aber Überlegungen, was die Negativpresse für Eymanns Wahlchancen bedeuten könnte, machen sich einige in Basel. Klar scheint:

Wenn keiner der Vorwürfe gegen Eymann bewiesen wird, wird der Liberale wiedergewählt. Selbst seine Gegner schenken den Anschuldigungen keinerlei Glauben.

So bleibt wohl als einziger «Gewinner» Daniel Model, der sich in seiner Zelle über die Aufregung freuen kann, die er mit seinen Beschuldigungen ausgelöst hat.

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