Ein(e) Art Tagebuch
Das Schweigen der Lämmer

Die wichtigste Kunstmesse der Welt ist zurück in Basel. Wir werfen jeden Tag ein kleines Schlaglicht darauf, was sich dort abspielt und was das mit der Stadt Basel macht.

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Sakral und kathedralenhaft: Die Bar des Volkshauses

Sakral und kathedralenhaft: Die Bar des Volkshauses

Patrick Marcolli

Die Kunstschaulustigen mit Erstzugriff durften gestern die Art-Hallen stürmen. Mich hat es in Gedanken nochmals zum Montag zurückgezogen. Ich sass nach der Vernissage der Photobasel in der aufgefrischten Bar des Volkshauses. Der Künstler Imi Knoebel hat Buntglasfenster entworfen, welche dem Raum neu etwas Sakrales, Kathedra­len­haftes verleihen. Bekanntlich schweigt man an solchen Orten vorzugsweise. Dies tat auch ein junges Paar, das am Tisch neben mir sass. Vor den beiden lagen diverse Kunstkataloge, vor allem aber gefühlt fünf Handys. Mit Inbrunst füllten sie diese mit Nachrichten oder Insta-Stories. Der einzige mündliche Kurzdialog in dieser Stunde war: «Gehen wir?» – «Ja».

Nun könnte man das grosse Lamento über das Kommunikationsverhalten von jungen Menschen beginnen. Aber eigentlich, so dachte ich, ist es vielleicht besser, wenn einige Leute nicht sprechen, zumindest nicht über Kunst. Ich selbst hätte nämlich am Montagmorgen auch besser geschwiegen. In den Hallen der Design Miami war ich auf ein mir bekanntes, sehr designaffines Pärchen getroffen. Natürlich musste ich mich etwas lustig ­machen über einige der ausgestellten Möbel, die mir vorkamen, als seien sie aus dem Sechzigerjahre-Appartement von Brigitte Bardot an der Côte d’Azur entwendet worden. Der Bekannte sagte darauf zu seiner Frau: «Gehen wir?». Sie: «Ja.»

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