Sound

Eine bluesige Kleinbasler Tropennacht

Beim «Summerblues» im Kleinbasel sorgten die Bands für Stimmung – auf und auch neben den sieben Bühnen. Zum Ärgernis wurde lediglich ein Automobilist, der mitten durchs Festival preschen musste. Er wurde ausgepfiffen.

Die Rheingasse, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat: Live-Musik, so weit das Auge reicht. Mitten auf der Strasse reihen sich Mini-Konzerte, vor den Bars lauschen die Leute mit einem Glas in der Hand den Klängen.

Am heissen Sommerabend sind mehrere kleinere Formationen unplugged zu hören – den Anfang macht das Duo T. Bo Gawer gleich vor dem neuen Grenzwert. Dies ist eine Neuheit beim siebten Kleinbasler «Summerblues» vom Freitagabend: Beim «Blues uff der Gass» spielt die Musik auch ganz ohne Strom. Somit sind nebst
22 Bühnenbands auch acht Formationen auf der Strasse zu hören. Weiter vorne, gleich beim Reverenzgässlein, vermag der 17-jährige Flo Bauer zu überzeugen: Der junge Sänger und Gitarrist zieht im Alleingang die Umstehenden in den Bann, so etwa mit einem leidenschaftlichen «Hey Joe».

Die Idee, den Blues auf die Strasse zu bringen, erweist sich – nicht nur wegen des Prachtwetters – als gute Idee: Die mit der Verkehrsberuhigung versprochene mediterrane Boulevard-Stimmung an der Rheingasse scheint sich zumindest an diesem Festival zu bewahrweiten.

Zum Ärgernis wird lediglich ein Automobilist, der mitten durchs Festival preschen muss. Der Mercedes-Fahrer, der seinen Wagen partout mitten in der Menschenmasse vorführen will, wird dementsprechend von umstehenden Blues-Fans zur Rede gestellt und ausgepfiffen.

Kleinbasler Innenhöfe entdecken

Beim «Summerblues», einem Festival mit freiem Eintritt, geht auf sieben verschiedenen Bühnen im Laufe des Abends stets etwas: Beim Waisenhaus sorgt Charlie Morris mit Blues der fröhlichen Sorte für gute Laune – auf dem Claraplatz brilliert der italienische Harmonikaspieler Riccardo Grosso mit einem hitzigen Solo. Auch normalerweise wenig besuchte Innenhöfe wie der Silberberg verwandeln sich in ein Konzertgelände: Die polnische Sängerin und Mundharmonikaspielerin Beata Kossowska belebt zusammen mit «United Blues Experience» den kleinen Platz mit herbem, traditionellem Louisiana-Sound.

Hommage an B. B. King

Ein weiteres Novum bei der siebten Ausgabe des Festivals ist das Finale des «Swiss Blues Challenge»: Im Innenhof des Volkshauses treten vier Bands gegeneinander an – es winkt eine Teilnahme am europäischen Blues-Wettbewerb sowie am «International Blues Challenge» in Memphis. Von den vier Finalisten können schliesslich «Johnny Fontane & The Rivals» die Jury am meisten überzeugen. Das Quartett aus dem Kanton Solothurn setzt auf druckvollen Bluesrock, wobei auch eine Hommage an die kürzlich verstorbene Legende B. B. King nicht fehlen darf. «Wir sind nach Basel gekommen, um im Rhein zu schwimmen – und nun auch noch das», meint der Sänger und Gitarrist Tom Marcozzi erfreut über den Sieg.

Am späteren Abend stehen Highlights an, so etwa Mike Sponza aus Italien und Lilly Martin aus New York. Zu den Bands, die aber beim Publikum am besten ankommen, gehören zweifelsohne die «Travellin’ Brothers» aus Bilbao. Im Volkshaus-Innenhof können die Spanier richtiggehend mitreissen: Mit Keyboard und Saxofon-Soli sowie verspielten Nummern mit Melodica und Waschbrett heizen sie ein, während sich manche der Zuschauer im Brunnen des Innenhofs abkühlen. Ihren Blues reichern sie in ein paar Stücken auch mit Mambo und Funk an. Ein relaxtes « Leave My Lil’ Girl Alone» von Buddy Guy bietet eine Verschnaufpause.

Klassiker darf nicht fehlen

Kurz vor Mitternacht denken die Spanier noch nicht ans Aufhören: Als Marching Band ziehen sich einem «When the Saints Go Marching in» durchs applaudierende und mitsingende Publikum. Dabei schliesst sich ihnen noch kurzerhand Fabio Bianchi mit seiner Tuba an. Der musikalische Leiter des «Summerblues», der selbst mit «Marco Marchi & The Mojo Workers» auf der Bühne steht, begleitet die Band spontan mit dem tiefen Horn für den fulminanten Abschluss.

So muss ein lockeres sommerliches Stadtfestival sein.

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