Eigentlich weiss vom breit abgestützten Ja-Komitee um SP-Einwohnerrat Roland Engeler-Ohnemus niemand so genau, wieso Riehen am 13. April über den neuen Dorfkern abstimmen muss. Denn das Projekt des Büros «Stauffenegger und Stutz» berücksichtigt auch die Argumente der Gegner früherer Dorfkernplanungen, die wie das Projekt «Julia» an der Urne scheiterten.

«Bestehendes wird wertgeschätzt und weiterentwickelt», formuliert Gemeinderat Daniel Albietz (CVP) quasi das Leitmotto der Dorfkernplanung. Trotzdem ergriff die SVP das Referendum gegen den klaren Entscheid des Einwohnerrates für das 3,3 Millionen teure Aufwertungsprojekt. Gemeinderat Albietz wirft der SVP deswegen Widersprüchlichkeit vor: «Bei «Julia» wurde dem Gemeinderat vorgeworfen, zu viel verändern zu wollen, jetzt wirft man uns Salamitaktik vor, weil dies erst der Anfang sein soll.»

Dorfgeschäfte für die Aufwertung

Im Ja-Komitee sind ausser der SVP alle Einwohnerratsparteien vertreten. Das wohl wichtigste Ja zur Dorfkernplanung kommt von den Dorfgeschäften, die schlussendlich von der Aufwertung am meisten profitieren sollen. «Schon vor 35 Jahren hatten wir das Ziel, den Dorfkern aufzuwerten», stellt Rosmarie Mayer-Hirt klar, FDP-Mitglied und bis vor einem Jahr Präsidentin der Vereinigung Riehener Dorfgeschäfte. Sie vertrat die abwesenden aktuellen Co-Präsidenten. Es sei für die Dorfgeschäfte enorm wichtig, dass die Umgebung attraktiv und schön ist. «Dies ist jetzt zu wenig der Fall.»

Dass die Dorfgeschäfte wie von der SVP behauptet gegen das Projekt seien, stimme nicht. «Ich habe einen Grossteil davon persönlich angefragt. Ich habe keinen Widerstand dagegen erfahren», so Mayer-Hirt. Dass auch der Handels- und Gewerbeverein Riehen (HGR) im Ja-Komitee vertreten ist, unterstreicht den Willen der Riehener Firmen, im Dorfkern endlich etwas zu unternehmen. «61 Prozent unserer Mitglieder sind mittlerweile Dienstleistungsbetriebe. Für die ist der Dorfkern quasi das Sitzungszimmer, eine Art Visitenkarte», unterstreicht auch Mario Biondi, LDP- und Vorstandsmitglied des HGR.

Vor allem Rosmarie Mayer-Hirt wies darauf hin, dass die Dorfläden momentan grosse Schwierigkeiten haben. Umso nötiger sei deshalb diese Aufwertung. Ein grosses Ziel sei demnach auch die Integration der Besucher der Fondation Beyeler ins Dorfzentrum.

Parkplätze bleiben erhalten

Den wohl wichtigsten Faktor für die Unterstützung der lokalen Betriebe spielt die Anzahl Parkplätze, die von der Dorfkernplanung nicht tangiert würde. Nur haben die Fussgänger im unteren Bereich der Schmiedgasse Vortritt, und die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs würde sich von aktuell dreissig auf neu zwanzig Kilometer pro Stunde beschränken.

Die Aufenthaltsqualität soll mit sensiblen Eingriffen erhöht werden. Das Komitee weist ebenso daraufhin, dass in den Strassen im Dorfkern sowieso Sanierungsarbeiten in der Höhe von 1,8 Millionen Franken anstünden. Diese könne man mit dem vorliegenden Projekt optimal verbinden und so viel Geld sparen.