3D-Drucker

Eine einleuchtende Idee: Wie zwei Baselbieter den Lampenmarkt umkrempeln wollen

Adrian Hess (l.) und Sebastian Godenzi mit einer gedruckten Leuchte.

Adrian Hess (l.) und Sebastian Godenzi mit einer gedruckten Leuchte.

Zwei Baselbieter Brüder wollen mit individuell designten Lampen aus dem 3D-Drucker durchstarten. Jetzt suchen sie Kapital per Crowdfunding.

Die beiden Basler Brüder Sebastian Godenzi und Adrian Hess haben lange unterschiedliche Wege eingeschlagen. Hess lernte Automechaniker, hat sich sein IT-Know-how selbst angeeignet und arbeitet jetzt im Gartenbau. Sein jüngerer Bruder Sebastian Godenzi entwickelte sich vom Elektriker zum Lichtplaner, war als Berater tätig, unterrichtet an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und betreibt nun ein Shared Office am Barfüsserplatz.

Beide sind heute im Baselbiet wohnhaft. Nun vereinen sie ihre Kräfte im Start-up «PrintYourLight», das mit der 3D-Druck-Technologie im Markt für Lampen einsteigen will. Das Konzept: Ein universelles Kit, bei dem Elektronik, Kabel und LED-Leuchtmittel integriert sind. Das Material lässt sich mit eigens designten Leuchtenfamilien verbinden, von der Steh- bis zur Deckenleuchte. Die Leuchtkörper können dann über ein 3D-Printernetzwerk gedruckt oder das Design der Kundschaft digital zugesendet werden. Die kann die Lampen zu Hause oder in der eigenen Firma ausdrucken.

Individualisierung im Mittelpunkt

Für Sebastian Godenzi kommt das Konzept dem Personalisierungswunsch zahlreicher Kunden entgegen: «Ich war in der Bürobranche tätig und oft damit konfrontiert, dass das Bedürfnis nach Individualisierung grösser wird.» Genau das würden 3D-Drucker ermöglichen, weil mit ihnen die Werkzeugkosten grösstenteils entfielen. Damit könne man günstig eine beliebige Anzahl eines Leuchtendesigns drucken und sich an den Bedürfnissen des Kunden ausrichten.

Das erfülle auch Anliegen von Designern: «Von meiner Zeit in der Lichtbranche weiss ich, dass viele gute Ideen haben, diese aber nicht massentauglich sind. Bei der Entwicklung einer Leuchtenfamilie liegen die Werkzeugskosten bei 60 bis 75 Prozent der Gesamtkosten. Mit dem 3D-Drucker ist es ein Bruchteil davon.»

Hess bestätigt diese Einschätzung: «Unsere Maschinen kosten gerade mal 500 Franken.» Daher sei «PrintYourLight» nicht an eine Mindestproduktionszahl gebunden, um die Entwicklungskosten zu amortisieren. «Wir können auch bloss zehn Exemplare eines Designs drucken», sagt Hess. Die Brüder haben bereits eine kleine Printer-Farm im Keller des ehemaligen Elternhauses im Kleinbasel eingerichtet.

Träume einer neuen Gesellschaft

Die beiden Brüder wollen damit auch ökologischen Ansprüchen gerecht werden. «Unsere Leuchten bestehen aus Polymilchsäuren – das Material lässt sich recyceln, also einschmelzen und wiederverwenden», erklärt Adrian Hess. Auch erfolge die Produktion näher am Kunden: «Wir können unsere Modelle digital auf der ganzen Welt verschicken und brauchen keine riesige Containerschiffe und Lastwagen.»

Sie sehen sich am Beginn einer neuen Ära, in der die grosse Fabrikhalle obsolet ist und Konsumgüter grösstenteils in der Schweiz und sogar von den Konsumenten selbst hergestellt werden. Hess: «In den 80er-Jahren hätte sich niemand vorgestellt, dass wir mal alle einen PC zu Hause oder einen kleinen Computer in der Tasche haben würden.»

Aber vorerst müssen die beiden Brüder auf den Boden bleiben: Die erste Priorität ist die CE-Zertifizierung für ihr Produkt. Danach wollen sie von einem Designer erste Leuchtkörperfamilien kreieren lassen. Nicht zuletzt braucht ihre Webseite noch einen E-Shop.

Crowdfunding für die Markteinführung

Dafür haben sie eine Crowdfunding-Kampagne auf «We Make It» lanciert. Insgesamt benötigen sie 25 000 Franken für den Markteintritt. Godenzi fasst zusammen: «Wir haben Geduld, viel Durchhaltewillen und eine gesunde Dosis an Lockerheit.»

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