Die gewalttätigen Ausschreitungen nach dem FCB-Match gegen den FC Zürich von Mitte April sollten ein Nachspiel haben. Das hatten der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) und sein Baselbieter Kollege Isaac Reber (Grüne) mit deutlichen Worten klargemacht. «Es ist nicht sichergestellt, dass die Polizei im und um das Stadion St. Jakob-Park ihre Arbeit machen kann», hatte Reber damals vor den Medien eingeräumt.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Offensichtlich seien die Behörden auf der Eventplattform vor der Muttenzerkurve zu tolerant gewesen. Nur so habe sich dort in den vergangenen Jahren ein «rechtsfreier Raum» entwickeln können. Reber und Dürr kündigten Massnahmen an: «Das müssen wir ändern, und das werden wir ändern.»

Lücken bei der Überwachung

Nun ist es soweit: Am Dienstag hat das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) erste Massnahmen präsentiert, die noch vor dem ersten FCB-Heimspiel vom 24. Juli für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Massnahme 1: «Wir überholen auf Saisonstart hin unser Überwachungssystem. Alle 60 bisherigen Kameras werden ersetzt und es kommen noch rund 20 dazu. Zudem werden die Brennpunkte, wo sie eingesetzt werden, anders gelegt», sagt Beat Meier, Sicherheitschef beim FCB. Nach den letzten Randalen seien Lücken und Mängel ausgemacht worden, erklärt JSD-Sprecher Andreas Knuchel. «Es gibt heute Standorte, die nicht oder nicht ideal abgedeckt sind.» Die Bilder werden jeweils laufend im Stadion-Kontrollraum von FCB-Sicherheitsleuten und Polizei ausgewertet.

Massnahme 2: Notorische Hitzköpfe sollen künftig präventiv angesprochen werden. Wer ein Stadion- oder Rayonverbot hat, wird von FCB und Polizei zu einem Gespräch eingeladen, das Konsequenzen von künftigem Fehlverhalten klarstellt. Dies ist in Basel-Stadt bereits Praxis bei häuslicher Gewalt, bisher aber nicht im Rahmen von Fussballspielen.

Massnahme 3: Auf der Plattform sollen Fans ab Februar 2017 eine Bar betreiben – in Absprache mit der Fanarbeit und dem FCB. «Je heterogener das Publikum dort ist, desto weniger rottet es sich spontan zusammen», sagt Meier. Knuchel verweist auf die positiven Auswirkungen der Buvette vor der Kaserne. Dort sei mit der besseren Sozialkontrolle aus einem früheren Unort ein beliebter Treffpunkt geworden. «Wir wollen die Fans mit in die Verantwortung nehmen – ganz nach dem ‹Basler Modell›.» Die Idee ist nicht neu: Fans aus der Muttenzerkurve kämpfen dafür schon seit Jahren und wagten vergangene Saison bereits einen illegalen Probeversuch. «Es ist nachvollziehbar, dass dies nach den Ausschreitungen sogar noch als Belohnung empfunden werden kann», kommentiert Knuchel. «Das soll es natürlich nicht sein.» Verworfen worden ist dagegen die Verlegung des Gästesektors. Der bauliche Aufwand wäre enorm, die Sicherheit aber kaum zu verbessern.

Die Erkenntnisse aus diesen Massnahmen sollen nun in den nächsten Monaten ausgewertet werden. Vorbehalten bleiben zusätzliche bauliche Anpassungen wie Sicht- und Überstiegsschutze beim Aufgang zum Bahnperron sowie weitere Bewilligungsauflagen an den FCB. «Sollte es weitere Massnahmen brauchen, werden wir weitere Massnahmen umsetzen», betont Knuchel.