Da war kein Optimist am Werk bei der Lälli-Clique. Aber es war auch schwierig mit Trump, Putin und Erdogan. «Egal, in welche Richtung wir überlegten, am Schluss landeten wir immer bei Krieg und Katastrophe», sagt Sujetobmann und Tambourmajor Lukas Thiele. Die Lälli sind nicht die Einzigen – schwere Themen und dunkle Farben ziehen sich durch den Cortège.

Hinter Lukas Thiele formieren sich die Lälli zu einem imposanten Zug. Schwarze Larven, lumpige Kleider. Viele tragen eine Gasmaske. Leicht und unbeschwert sieht das nicht aus. Zu viert tragen sie die Laterne herbei. Auch bei Tag wirkt das Bild. Jeder kennt es. Es ging um die Welt, ist eine Ikone. Ein Mädchen rennt nach einem Napalm-Angriff auf das vietnamesische Dorf Trang Bang um ihr Leben. Das Foto von Nick Ut wurde zum Symbol für die Schrecken des Vietnamkriegs. Es rüttelte die Menschen wach, führte zu einem Umdenken auf der Welt. «Muesch das wirgligg noonemol gseh?», wollen die Lälli wissen.

Das Sujet der Clique ist eines der düstersten dieses Jahr. Eigentlich sollte es noch düsterer werden, sagt Thiele. Der Künstler war der Meinung, dass es vielleicht wieder einmal einen Weltkrieg brauche, damit die Menschen aufwachen. «Als Sujet war uns diese Aussage aber zu stark», sagt Thiele. Deshalb einigten sich die Lälli auf: «Mensch, was machsch?!» Und fragen in der Unterzeile: «Muesch z eerscht s Entsetze kenneleere, zem Friide kenne schetze z leere?» Die Clique will die Konsequenzen aufzeigen, die menschliches Handeln haben kann.

Wagenparty und düstere Sujets: Der Cortège am Mittwoch

Wagenparty und düstere Sujets: Der Cortège am Mittwoch

Mit Farbe und Schrott ans Werk

Der Zug der Lälli wirkt als Ganzes, obwohl die Mitglieder der Clique noch nie so frei waren, wie dieses Jahr. Es gab nicht etwa ein fertiges Kostüm, sondern eine Aufgabe. «Wir sagten ihnen: ‹Ihr kriegt eine schwarze Larve, macht draus, was ihr wollt›», sagt Lukas Thiele. Verboten waren einzig knallige Farben, düster sollte es schon sein. Das Resultat überraschte den Sujetobmann: «Ich bin begeistert, wie die Idee aufgenommen und umgesetzt wurde.»

Die Fasnächtler suchten das Material für die Requisiten auf dem Schrottplatz zusammen, bemalten ihre Larven und verzierten sie mit Details. Auch die Kostüme beschmierten sie mit Farbe, zerrissen sie und trampelten auf ihnen herum. «Das Gute ist, dass niemand das Gefühl hatte, er könne das künstlerisch nicht», sagt Lukas Thiele. «Es musste ja nicht besonders schön oder symmetrisch sein.»

Am Schluss auf jeden Fall sieht kein Lälli aus wie sein Kollege – als Einheit funktionieren sie trotzdem. Zuerst sticht die Laterne ins Auge. Sobald der Zug näher kommt, können die Zuschauer am Strassenrand auch die Schilder lesen, die der Vortrab hält: «S isch Grieg gsi und Kaine isch haim ko.» Der Vortrab zeigt auf, worauf wir zusteuern. Das Requisit dahinter, ein Vehikel, fährt die Welt gleich ganz an die Wand. Der einzige Lichtblick im düsteren Zug ist der Tambourmajor. Ein prächtiger weisser Vogelkopf: «Wie Pheenix us dr Äsche, erhebt sich dr letscht Friide us de Wältruine.»

Eine Räppli-Dusche zum Schluss

Natürlich fehlt auch der Wagen mit den Waggissen nicht. «Us em Wäg», ist seine Botschaft. Die ersten Räppli sind noch gelb, wirbeln durch die Luft. «Waggis, gib mir öppis. Waggis!», die Kinder bahnen sich ihren Weg durch den Räppli-Regen, stehen auf die Zehenspitzen und versorgen die Süssigkeiten in der Jackentasche. Trump, Erdogan und Putin treten für den Moment in den Hintergrund.

Die Erinnerungsfotos sind geschossen, die Kollegen auf der Redaktion mit Videos versorgt und auf der Wettsteinbrücke folgt schon die nächste Clique. Dann passiert es. Eine volle – so richtig volle – Ladung Räppli. Ein ganzes Sieb. Nicht mehr gelb, sondern schwarz wie die Lälli. Die Pechmarie bin ich. Der Vortrab hat mich gewarnt, dass da etwas auf uns zukommt. Der Fotograf hat lieber auf den Auslöser gedrückt.