Riehen
Eine Frau will die Vormachtstellung der EVP in Riehen verteidigen

Die EVP präsentiert ihre Gemeinderatskandidatinnen Christine Kaufmann und Annemarie Pfeifer sowie ihren Wahlslogan «Guet für Rieche.» Die christliche Partei will den Gemeindepräsidentensitz, den sie seit 1970 innehat, auch nächstes Jahr verteidigen.

Elia Diehl
Merken
Drucken
Teilen
Christine Kaufmann will für die EVP das Gemeindepräsidium in Riehen verteidigen.

Christine Kaufmann will für die EVP das Gemeindepräsidium in Riehen verteidigen.

bz Basel

Die Vormachtstellung der EVP in Riehen ist längst nicht mehr so gewaltig, wie sie es während Jahrzehnten war. Der Wähleranteil liegt rund zehn Prozentpunkte tiefer als vor 30 Jahren; mit sechs Sitzen im Einwohnerrat ist die EVP noch drittstärkste Kraft. Der Einfluss und Druck der bürgerlichen Parteien ist gewachsen. Dennoch stellt die EVP seit 1970 ununterbrochen den Gemeindepräsidenten. Auch 2014?

Kaufmann wäre erste Präsidentin

Bei der Wahl vom 26. Januar steht Christine Kaufmann, die für Präsidium und Gemeinderat kandidiert, gleich zwei bürgerlichen Konkurrenten gegenüber: Thomas Strahm (LDP) und Hansjörg Wilde (parteilos). Gestern, bei der Vorstellung der zwei Kandidatinnen und der Kampagne, gab man sich zuversichtlich: «Wir freuen uns auf den Wahlkampf», sagte Annemarie Pfeifer, die ihren Sitz im Gemeinderat verteidigen möchte.

Das Motto der EVP-Kampagne lautet «Guet für Rieche». Was sich in Vergangenheit bewährt habe, sei auch in Zukunft gut. Ein Novum gäbe es aber ohnehin: Die 45-jährige Tierärztin Christine Kaufmann wäre die erste Frau an der Spitze Riehens.

Für Co-Parteipräsident Philipp Ponacz bedeutet «gut für Riehen», dass die EVP eine Liste mit 40 Kandidierenden für den Einwohnerrat habe, dies sei «ein Zeichen für eine gesunde Basis». Ebenso sei Christine Kaufmann gut für Riehen. «Sie bringt Unabhängigkeit und wirkt als Ausgleich zwischen den politischen Polen.» Denn die EVP setze sich in allen Bereichen und für alle Menschen ein. «Wir sind keine Einthemenpartei.» Kaufmann politisiert seit 20 Jahren – zuletzt im Riehener Einwohnerrat, zuvor bereits im Grossen Rat. Ihr Wahlprogramm wirkte gestern indes wie ein Einheitsbrei von SP, Grüne bis Bürgerliche – und nicht neu.

Mehr Eigenständigkeit vom Kanton

Kaufmann möchte für Riehen mehr Eigenständigkeit vom Kanton und sieht weiteren Handlungsbedarf: «Riehen ist eine privilegierte Gemeinde. Daraus ergeben sich Verpflichtungen.» Die 45-Jährige möchte im Energiebereich Riehens Pionierrolle weiter stärken. Wichtiger noch sei es, Solidarität zu leben und sozialen Ausgleich zu schaffen. «Nicht jeder Riehener ist reich», sagte Kaufmann, es müsse also zahlbarer Wohnraum geschaffen werden, am besten mit Genossenschaften. Gleichzeitig macht sich Kaufmann auch stark für das Gewerbe.

Die Situation müsse mit dem Zonenplan verbessert und Arbeitszonen geschaffen werden. «Der Witz ist: In Riehen müssen wir das Gewerbe vor den Wohnungen schützen.» Üblicherweise sei das umgekehrt. Der Charakter des grünen Dorfes müsse auch mit jeder notwendigen Entwicklung und Erneuerung erhalten bleiben, findet Kaufmann. Also handeln, aber mit Bedacht – passend zum Slogan für die Einwohnerratswahl «Loose, dängge, handle».