Wo in der Regel knisternde Spannung herrscht, geht es für einmal locker und entspannt zu. Die angekündigte riesige Festhütte ist der St. Jakob-Park zwar nicht geworden. Dazu ist der Andrang ins grösste Fussball-Stadion der Schweiz schlicht zu gering. Doch diejenigen, die den Weg in den Tempel des FC Basel gefunden haben, geniessen die Atmosphäre, die feine Live-Musik und das gute Essen.

Dort, auf dem heiligen Rasen des St. Jakob-Park, wo am 15. März 2001 sich der FC Basel im ersten Spiel 0:0 von Lausanne-Sport trennte, kämpfen heute Amateurteams um den BKB Stadion-Cup. Eine unvergessliche Sache für jeden Hobby-Kicker. Im Bauch des St. Jakob-Parks dürfen die Besucher den FC Basel und auch gleich sich selbst feiern.

Rege genutzt wird die Gelegenheit, sich vor einer Leinwand, von der das Meisterteam 2011 jubelt, mit dem Meisterpokal in Szene setzen zu lassen. Manche der Instant-Meister sind noch so klein, dass sie den Pokal nur mit fremder Hilfe stemmen können. Gleich danach geht es auf die (St.) Schnitzteljagd, wie es der Veranstalter nennt. Es gilt, Fragen zu den Stars in Rotblau zu beantworten. Wo begannen Alex Frei und Yann Sommer ihre Fussballkarrieren? Wie viele Meistertitel brachte das FCB-Urgestein Scott Chipperfield mit dem FCB ins Trockene? Vielleicht ein bisschen gar hilfreich ist der Umstand, dass die Lösung jeweils am Ort der Frage nachgelesen werden kann.

Autogramm-Debakel

«Ein Fest für alle» versprach der Organisator im Vorfeld. Das Jubiläum hätte eines werden können, wäre nicht die Autogrammstunde der FCB-Stars für viele Besucher zum Desaster mutiert. Versammelt im Sektor C des St. Jakob-Parks sitzen die FCB-Stars mit gezückten Permanentmarkern um 14 Uhr bereit. Gut vorbereitet auf ihre Aufgabe. Offenbar waren sie für viele – nicht nur für die Kinder – die Hauptattraktion an diesem Jubiläums-Anlass. Denn kaum war die Autogrammstunde über die Bildschirme im Stadion ausgerufen, bildete sich eine lange Schlange durch die Gänge des St. Jakob-Parks. Eine zu lange Schlange.

Kurz vor 14.30 Uhr ein erstes Erstaunen. Ein Gitter wird herunter gelassen, das die Schlange teilt. Keiner weiss, was nun geschieht. Keiner der anwesenden Stewards hält eine Antwort bereit. Kurz darauf die Durchsage über die Bildschirme im Stadion: Die Spieler müssten das Stadion um 16 Uhr verlassen, es mache nun keinen Sinn mehr, sich in die Schlange zu stellen. Wer das Gitter vor sich sieht, glaubt zu diesem Zeitpunkt, nicht er sei gemeint, sondern jene, die jetzt noch anstehen wollen.

22 Minuten später entlädt sich der grosse Frust. Ein Sicherheitsverantwortlicher im dunklen Anzug erscheint, um den Wartenden die Aussichtslosigkeit ihres Bestrebens zu erklären. Tränen fliessen. «Abzocke» kommentiert eine Frau, die sich zuvor noch ein Shirt kaufte, um es signieren zu lassen.

Nach 16 Uhr stürmen alle, die sich nicht wegreden liessen, den Autogramm-Sektor, in dem es nun aber keine FCB-Spieler mehr hat. Die Leute greifen nach verwaisten Autogrammkarten. Sichern sich die letzten rotblauen Krümel. Aber sonst ist das Jubiläum ein schönes Fest.