Skulpturhalle
Eine grausame Sonderausstellung

Die Skulpturhalle zeigt in ihrer neusten und vorerst letzten Sonderausstellung die Wichtigkeit der Gewalt in der Antike.

Céline Feller
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Skulpturhalle: Grenzenlos grausam? Bilder der Gewalt in der antiken Welt
10 Bilder
Zeichnungen zum Thema Gewalt von Patrick Chappatte
Das Grabmal zweier Krieger: heroischer Tod auf dem Schlachtfeld, Grabstele von der Insel Salamis (Griech) um 420/410 v. Chr.
Gefallene Amazone, um 150 v. CHr.
Theseus entführt die Amazonenkönigin Antiope, Giebelgruppe vom Tempel des Apollon Daphnephoros in Eritrea, 510/500 v. CHr., teilweise farbig ergänzet von U. Brinkmann-Koch
Zu spät hat Achilleus seine Liebe zu Penthesilea erkannt. Achill-Penthesilea-Gruppe, 2. Jhd vor Christus
Gefässe mit kriegerischen Motiven
Gefässe um 450 v. Chr. mit dem Motiv Mord, subtil angedeutet
Blick in den Themenbereich „Strafe, Rache und Vergeltung“.
Die Lanzen hoch erhoben stürmen Achilleus (rechts) und Memnon aufeinander los. Platten kurz vor 525/24 v. Chr.

Skulpturhalle: Grenzenlos grausam? Bilder der Gewalt in der antiken Welt

Kenneth Nars

Er ist der Mittelpunkt und das Wahrzeichen der Akropolis, der Stadt Athen und irgendwie auch von ganz Griechenland: der Parthenon. Der wohl berühmteste Tempel aus Zeiten der griechischen Antike, welcher der Stadtgöttin Pallas Athena gewidmet ist, ist aber nicht nur ein Beispiel der grossen Baukunst der Griechen, sondern auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Denn wer seine Giebel etwas genauer betrachtet, erkennt die dort festgehaltene Gewalt. Mit Ausnahem des Frieses zeigt der Bauschmuck ausschliesslich Gewalt.

Egal, ob Kämpfe gegen Zentauren, Perser oder jene zwischen Göttern – sie alle finden ihren Platz. Und genau diese Bilder, welche die wohl berühmtesten Tempel-Giebel zieren, bilden das Herz der neuen Sonderausstellung «Grenzenlos grausam?» in der Skulpturhalle. Die Sonderausstellung soll für einmal Werke aus der Dauerausstellung in den Fokus rücken: So sind die Abgüsse des gesamten Parthenon-Bauschmuckes seit je her ein Highlight, aber die ganz grosse Aufmerksamkeit wird ihnen selten zuteil.

Skulpturhalle

Trotz Sparrunde: Zukunft gesichert

Der Skulpturhalle steht nach der Sonderausstellung «Grenzenlos grausam?» eine Reorganisation bevor. «Wir stehen vor einer Sparrunde des Präsidialdepartements. Das Gute ist: Wir müssen die Skulpturhalle nicht schliessen», sagte Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseum Basel. «Aber wir müssen die Öffnungszeiten reduzieren.» So wird die Skulpturhalle nach Ende der Ausstellung nur noch 15 Stunden in der Woche geöffnet sein. Noch nicht sicher ist, ob es trotz den Sparmassnahmen noch weiter Sonderausstellungen in der Skulpturhalle geben wird. «Vielleicht ist das in zwei Jahren wieder möglich. Das kann ich derzeit aber noch nicht definitiv sagen», erklärte Bignasca gestern vor den Medien.

Bei «Grenzenlos grausam?» führt aber kein Weg daran vorbei. Wer den ersten Raum verlässt, der zeitgenössische Kunst zeigt, die sich mit Gewalt auseinandersetzt, der kommt an einem 1:20-Modell des Parthenon vorbei. Danach führt die Sonderausstellung in das Untergeschoss der Skulpturhalle. Dort erwartet den Besucher eine Ausstellung, die in vier Themenblöcke aufgeteilt ist. Sie alle sollen eine unterschiedliche Art der Gewalt darstellen: jene gegen Giganten, jene gegen Zentauren, jene gegen Feinde wie die Amazonen oder die Perser oder aber die Gewalt im Kampf um Troja.

«Die Gewalt war damals allgegenwärtig – in all ihren Facetten», sagt Ella van der Meijden, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Skulpturhalle an der gestrigen Medienkonferenz. So waren es nicht nur Skulpturen oder Bauschmuck, die verschiedenste Arten von Gewalt zeigen, sondern auch Vasen oder Duftgefässe wurden mit direkten oder impliziten Gewaltbildern verziert. Um dies zu zeigen, hat die Skulpturhalle ergänzend zu den Gipsabgüssen von Statuen und Reliefs aus ihrem eigenen Bestand Originale aus dem Antikenmuseum in die Ausstellung integriert. «Grenzenlos grausam?» zeigt aber nicht nur die Bilder, sondern erklärt dem Besucher auch, warum sie so präsent war und wozu die Bilder dienten.

«Grenzenlos grausam?»: Vom 2. 9. 2016 bis 29. 1 2017.