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Eine Klasse geht auf Distanz: Die Basler 3d im Ausnahmezustand

Das Klassenzimmer der 3d ist verwaist.

Das Klassenzimmer der 3d ist verwaist.

Die «Schweiz am Wochenende» begleitet eine Basler Sek-Klasse durchs letzte Schuljahr. Heute: Improvisation und Sorgen.

Eigentlich sollte die Klasse 3d jetzt Prüfungen absolvieren. Eigentlich sollten sich die Schülerinnen und Schüler um Bewerbungen kümmern, in Betriebe reinschnuppern und in den kommenden Wochen ihre Zukunft aufgleisen. Doch das alles ist seit spätestens einer Woche weit weg. Der Klassenraum, der sonst nur so brummt von Zwischenrufen und emsigen Schülern, bleibt bis nach Ostern leer.

Lehrer Samuel Stirnimann versucht seit Montag einen Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, so gut es eben geht. «Ich ging am Montag wie gewohnt um zirka sieben Uhr zur Arbeit. Wir sassen für eine Sitzung in der Aula, etwa zwanzig Leute, alle weit voneinander entfernt», beschreibt er seinen Wochenstart. Von seinen Schülern ist niemand aufgetaucht, im ganzen Schulhaus war es nur ein Schüler, der am Montagmorgen zur Schule ging.

Seither bereitet Stirnimann Lernvideos vor, für sich aber auch andere Lehrkräfte, er ruft die Eltern der Schüler an und installiert eine Lernplattform. Der administrative Aufwand ist gross. «Nicht alle Schüler haben zu Hause einen Computer stehen», sagt Stirnimann. In solchen Fällen bietet die Schule Hand und verleiht Laptops. Die Teenager müssen dafür einen Vertrag unterzeichnen.

So kann Stirnimann seiner Klasse Aufträge erteilen. Auf der Plattform verfolgt er den Fortschritt der Lernenden. Bei Bedarf ruft er sie einzeln an oder schreibt ihnen per Whatsapp. «In manchen Fällen stehe ich im Kontakt mit den Eltern», sagt Stirnimann. Ob es mehr Aufwand sei? Für ihn schon, meint Stirnimann, für die Schülerinnen und Schüler sei es schwer abzuschätzen.

«Ich empfinde es als mehr Arbeit, da man zum Teil auch am Wochenende arbeiten muss», meint Arian (Arian heisst eigentlich nicht so, aber er möchte anonym bleiben und sein Vorschlag war Son-Goku), den wir per Mail erreichen. Am Anfang hatte sich Arian auf verlängerte Ferien eingestellt, doch das hat sich schnell geändert. Jetzt lernt auch er von zu Hause weiter. Er sei «kein Fan» davon, doch man gewöhne sich daran. Grundsätzlich sei die Situation schwierig, da auch für die Firmen und die weiterführenden Schulen diese Situation neu sei. «Ausserdem gibt es zurzeit keine Bewerbungsgespräche und Schnuppertage. Das ist an sich nicht schlimm wenn diese verschoben werden, das Problem dabei ist dass wir 9.-Klässler Zeit verlieren», schreibt Arian. Akasya, die in der vergangenen Folge dieser Serie noch um eine Schnupperlehre kämpfte, macht derzeit genau diese Erfahrung: Sie hatte sich tatsächlich eine Probewoche in einer Apotheke erkämpft, doch schon nach wenigen Tagen wurde sie nach Hause geschickt, erzählt Stirnimann. «Nicht weil sie nicht gut gewesen wäre, sondern weil die Apotheken derzeit zu sehr ausgelastet sind, um eine Schnupperpraktikantin zu betreuen.»

Etwas anders sieht die Sache bei Priya aus (auch ihr Name ist geändert). Sie befindet sich auf gutem Weg, im Sommer an die Fachmaturitätsschule zu wechseln. Ihr aktueller Notenschnitt würde das zulassen. Doch mit weniger Noten steigt der Druck, es nicht noch auf der Zielgeraden zu vermasseln. «Ich bin etwas aufgeregt», gesteht sie in einem Mail. Aber stressen lassen möchte sie sich eigentlich nicht, denn «wenn ich mich stressen lasse, funktioniert oft vieles nicht». Wenn sie alles gut nachhole und weiter mitmache, dann klappt das schon mit dem Aufholen, ist sie sich sicher. Lehrer Stirnimann bestätigt: Priya gehört aktuell zu jenen Schülerinnen, die besondere Selbstdisziplin zeigen und ihre Aufgaben gewissenhaft einreichen.

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