Baselworld
Eine kleine Firma aus Basel verkauft Uhren mit Riesenziffernblatt

Der Basler Uhrenfirma Zeno-Watch macht XL-Armbanduhren, die auch im Ausland gut ankommen – vor allem im krisengebeutelten Spanien. Warum das so ist, erklärt der 73-jährige Seniorchef der Firma.

Stefan Schuppli
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Patrik-Philipp Huber mit einer Serie imposanter Zeno-Uhren.

Patrik-Philipp Huber mit einer Serie imposanter Zeno-Uhren.

Kenneth Nars

Felix W. Huber (73), Seniorchef der Basler Uhrenfirma Zeno-Watch Basel, ist skeptisch. Uhren und Schmuck verzeichnen zwar einen Boom, aber wie lang dieser anhalte, sei fraglich. «Global passiert da etwas», ist er überzeugt. Aber derzeit hat der Nischenanbieter Zeno nichts zu klagen. Die Stückzahlen steigen in vielen Regionen. Nur der Umsatz ging im vergangenen Jahr um zehn Prozent zurück, dies aufgrund tieferer Lieferpreise, am Rande auch wegen des Wechselkurses. Wirklich tragisch sei das nicht, denn die Firma sei schuldenfrei, sagt Felix Huber.

Wechsel zu günstigeren Uhren

Zeno hat Jahre kräftigen Wachstums hinter sich. Swiss Made verkaufe sich gut. Erstaunlich sei Spanien, sagt Hubers Sohn Patrik-Philipp (42, Bild) im Gespräch mit der bz. Trotz Krise legt dort Zeno zu. Der Grund: Spanier steigen von teuren Modellen auf günstigere um. Das sei besonders bei den grossen Fliegeruhren mit einem Durchmesser von 55 mm zu sehen. Diese kostet mit einem Ronda-Quarzwerk aus Lausen 390 Franken, mit einem mechanischen Werk über 800 Franken. Die meisten mechanischen Werke für Zeno-Uhren werden von ETA in Grenchen hergestellt.

Ein gut funktionierendes Distributorennetz ist für Zeno eminent wichtig. In Spanien beispielsweise kann sich Zeno auf ein Vertriebsnetz mit sehr tüchtigen Händlern verlassen. In Deutschland gingen die Verkäufe um 25 Prozent zurück, weil ein Vertriebspartner ausfiel. Die XL-Fliegeruhr ist überdies auch in der Schweiz recht populär. So tragen sie beispielsweise einige FCBler und der Sänger Endo Anaconda von der Band Stiller Has.

Die Modellpalette von Zeno ist sehr reich, um nicht zu sagen: überbordend. 800 Uhren sind im Sortiment, meist nur in Kleinserien. Wie kann sich so etwas rechnen? Patrik-Philipp Huber: «Das geht nur dank der Modulbauweise. Es gibt ein Werk für etwa 20 Modelle. Auch andere Komponenten sind baugleich.»

Faible für exotische Spezialitäten

Fast könnte man meinen, Hubers machten sich einen Spass, exotisch anmutende Spezialitäten anzubieten. So erwarben sie aus einem alten Lagerbestand gut 300 Taschenuhrwerke aus den 20er-Jahren. Die von der längst verschwundenen Firma Nidor (Revue) in Niederdorf hergestellten Werke wurden in Armbanduhr-Gehäuse eingebaut.

Zeno hat, wie die meisten Uhrenfirmen, eine bewegte Vergangenheit. Die Ursprünge liegen in La Chaux-de-Fonds im Jahr 1868; die Marke wurde 1922 gegründet. Der Markenname bezieht sich auf den griechischen Philosophen Zenon von Kition. Seine Kernaussage: Der Mensch sei tugendhaft und stoisch.

1965 übernahm Felix W. Huber die Zeno, die Produktion mit rund fünf Angestellten wurde nach Basel an die Feldbergstrasse verlagert. 1966 entwickelte er die erste mechanische Zeno-Uhr, die in der Folge das Bild aller Zeno-Uhren prägte. Bis Ende der 80er-Jahre produzierte Zeno einen Grossteil für diverse Marken sogenannter Private-Label-Uhren. Heute ist die Firma mit ihren 30 Mitarbeitern an der Elsässerstrasse (Lysbüchel) in Basel beheimatet. Hier werden die Uhren zusammengebaut und die älteren Modelle revidiert.

Zeno macht praktisch keine Werbung. Sie nehmen wie bisher an der Baselworld teil; aber sie sei «unverschämt teuer» geworden, sagt Felix Huber. Es würde ihn nicht wundern, wenn demnächst eine Konkurrenzmesse, beispielsweise in Freiburg im Breisgau, gegründet würde.