«Uiuiui. Das wäre eine herausfordernde Aufgabe», sei ihr durch den Kopf geschossen, als sie im August bei Google «Basler Verkehrs-Betriebe» eingegeben habe, erinnert sich Yvonne Hunkeler. Soeben hatte sich ein Headhunter bei der Luzerner Finanzpolitikerin gemeldet. Er sei im Auftrag der Basler Regierung auf der Suche nach Kandidaten für das Verwaltungsratspräsidium der BVB und würde sie gerne vorschlagen.

Tatsächlich spuckt die Internetsuchmaschine wenig Erfreuliches aus. Von schlechtem Betriebsklima ist zu lesen, von übermässig vielen Krankheitsfällen, dem Knatsch um die umstrittene Millionenzahlung nach Frankreich und ein bisschen weiter zurück von SexFotos und rechtlich fragwürdigen Dienstwagen. «Eine Prise Risikobereitschaft steckt sicher in meinem Engagement», sagte Hunkeler gestern, nachdem sie vom zuständigen Regierungsrat Hans-Peter Wessels als neue Verwaltungsratspräsidentin vorgestellt worden war. Die anschliessenden Lacher blieben die Ausnahme. Hunkeler ist keine Showfrau, das wurde schnell klar. Unaufgeregt und fokussiert schilderte sie ihren Werdegang.

Konkrete Aussagen zu den BVB will Hunkeler, die ihr Amt am 1. Januar antritt, keine machen. Sie habe sich noch kein abschliessendes Bild machen können, sondern ihre Informationen nur aus Gesprächen und den Medien.

Chauffeure am Esstisch

Sie sei mehr oder weniger im Büro ihrer Mutter aufgewachsen, erzählt sie. Die Eltern betrieben zuhause in Oberkirch am Sempachersee ein Geschäft für Viehtransport – ein typisch ländlich-schweizerisches KMU. «Als ich klein war, hatten wir immer unsere Chauffeure mit am Tisch beim Essen», sagt sie. Das habe sie stark geprägt im Umgang mit Angestellten. Auch das Rurale ist ihr geblieben. Am Telefon meldet sich die 50-Jährige, die mit ihrem Partner wenige Kilometer vom Elternhaus wohnt, mit «Hunkeler, Yvonne».

Nach einer Ausbildung als Betriebsökonomin machte Hunkeler die Weiterbildung zur Wirtschaftsprüferin. Und sie beginnt sich für Politik zu interessieren. «Für mich war klar, dass ich in der CVP als lösungsorientiertere Mittepartei richtig bin», sagt sie. Als eines ihrer Hauptanliegen nennt sie «anständiges Wirtschaften»: «Im Vordergrund steht die Marktwirtschaft, aber der Anstand gegenüber den Partnern dürfen nicht vergessen gehen.»

2011 schafft sie praktisch zeitgleich den Sprung ins Luzerner Kantonsparlament und wird Verwaltungsrätin der Luzerner Verkehrs-Betriebe. Kurz darauf steigt sie zu deren Präsidentin auf. Ihr Vorgänger, der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, erinnert sich gut: «Bei ihrer Vorstellung im Verwaltungsrat erklärte sie, dass sie wohl das einzige Gremiumsmitglied sei, das einen Anhänger rückwärts einparkieren könne», erzählt er schmunzelnd.

Daneben macht sich Hunkeler als Unternehmensberaterin selbstständig. Auch im Kantonsrat erarbeitet sie sich einen Namen, als ausgewiesene Finanz- und Sparpolitikerin, politisch am rechten Rand der CVP anzusiedeln. Zwischenzeitlich musste sie aufgrund von gesundheitlichen Problemen kürzertreten. Mittlerweile ist sie Vize-Präsidentin der Kantonalpartei und steht der parlamentarischen Aufsichts- und Kontrollkommission vor, dem Pendant zur Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rats. Ironie der Sache: Gerade deren kritischer Bericht zur BVB hatte im Sommer zum Doppelrücktritt an der Spitze des Unternehmens geführt.

Die Kombination aus branchenspezifischem Know-how und politischer Erfahrung war auch für den Basler Bau- und Verkehrsdirektor Wessels ein wichtiger Faktor beim Entscheid für Hunkeler. Schon nach der ersten Vorstellungsrunde sei sie seine Favoritin für das Amt gewesen. Einen «beeindruckenden Leistungsausweis» bringe sie mit, schwärmte Wessels. «Es ist ein grosser Vorteil, Leute zu haben mit politischer Sensibilität.» Tatsächlich finden sich kaum negative Stimmen, wenn man in Luzern zu Hunkelers Wirken in Politik und öV herumfragt.

Nicht vorbelastet

Gleichzeitig ist sie in Basel ein völlig unbeschriebenes Blatt. Einen besonderen Bezug zur Region hat sie keinen. Weder Wessels noch andere Mitglieder der Basler Regierung kannten die Luzerner Politikerin. Auch mit den weiteren Mitgliedern des Verwaltungsrats und der Geschäftsführung der BVB hatte sie bisher nicht zu tun. Nach dem ersten Vorstellungsgespräch setzte sich Hunkeler ins Tram und fuhr eine Runde Probe. «Nach der Vorgeschichte der BVB ist es wohl kein Nachteil, wenn jemand nicht vorbelastet ist», kommentiert Parteikollege Konrad Graber.

Sie teilt diese Einschätzung: «Ich bin niemandem politisch Rechenschaft schuldig in Basel», betont sie. Auch in ihrer Doppelfunktion als Verwaltungsratspräsidentin der Luzerner und der Basler Verkehrs-Betriebe sieht sie kein Problem: Interessenskonflikte gebe es keine, «ich erhoffe mir eher Synergien, wenn ich in zwei vergleichbare Verkehrsunternehmen hineinsehe.»