Basel
Eine mittelmässige Wahlbeteiligung zeichnet sich ab

Wenig Interesse Erst jeder fünfte Basler Stimmberechtigte hat sein Wahlcouvert verschickt. Das lässt auf eine durchschnittlich tiefe Wahlbeteiligung schliessen.

Andreas Maurer
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Erst jeder fünfte Basler Stimmberechtigte hat sein Wahlcouvert verschickt. (Symbolbild)

Erst jeder fünfte Basler Stimmberechtigte hat sein Wahlcouvert verschickt. (Symbolbild)

Oliver Menge

Noch drei Tage bleiben den Brieflichstimmenden. Bis Dienstag müssen sie ihr Couvert spätestens in einen Briefkasten werfen, damit der Wahlzettel auf jeden Fall rechtzeitig ankommt. Bis jetzt sind 20900 Wahlcouverts im Rathaus eingetroffen. Das sind 22,4 Prozent der Basler Stimmberechtigten.

Für die nächsten Tage erwartet Daniel Orsini, Leiter der Basler Abteilung Wahlen und Abstimmungen, einen massiven Anstieg. Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass die meisten Wahlcouverts in der letzten Woche vor dem Wahltermin eintreffen. Sie entscheiden das Resultat.

Denn die grosse Mehrheit der Stimmenden wählt den Briefweg: Fast 97 Prozent waren es bei den Basler Wahlen vor vier Jahren. «Gefühlsmässig rechne ich dieses Jahr mit einer Stimmbeteiligung von 40 Prozent», prognostiziert Orsini. Somit würde die Wahlbeteiligung im Vergleich zu den letzten Wahlen stabil bleiben – auf tiefem Niveau. Die Mehrheit der Stimmberechtigten wird wie gewohnt schweigen.

Im Baselbiet sind es noch weniger

Trotzdem muss sich Basel im Fall einer 40-Prozent-Beteiligung nicht schämen. Im Baselbiet war das politische Interesse zuletzt noch tiefer. Bei den Regierungswahlen vor einem Jahr verantworteten gerade mal 35,1 Prozent der Stimmberechtigten einen historischen Entscheid: Sie haben mit Isaac Reber den ersten Grünen gewählt und die Karriere von SVP-Regierungsrat Jörg Krähenbühl überraschend beendet. Eine sich abzeichnende mässige Wahlbeteiligung bedeutet folglich nicht, dass der
28. Oktober langweilig werden muss.

Höher ist das Interesse in beiden Basel für die Nationalratswahlen. Im letzten Herbst betrug die Wahlbeteiligung in Basel-Stadt 50,3 und in Baselland 48,2 Prozent. Damit bewegen sich beide Basel um den Schweizer Durchschnitt von 48,5 Prozent. Dieses Niveau werden die Basler Grossrats- und Regierungswahlen in einer Woche voraussichtlich weit verfehlen. Selbst die im letzten Jahrzehnt höchste Beteiligung bei Basler Wahlen im Jahr 2004 liegt fünf Prozentpunkte tiefer als jene der vergangenen nationalen Wahlen in Basel. Offenbar sind die Köpfe der Bundespolitik für viele Wähler interessanter.

Das Rennen bleibt aber offen. Wie die Zahlen aus dem Jahr 2000 zeigen, sind auch in der Wahlbeteiligung noch Überraschungen möglich. Damals schnellte die Beteiligung innerhalb der letzten Woche von 14 auf
42 Prozent an. Schon damals lag der Anteil der Brieflichstimmenden bei 90 Prozent. Für die Verdreifachung des Wähleranteils war im Jahr 2000 aber nicht etwa ein besonders spannender Endspurt im Wahlkampf verantwortlich, sondern diverse Pannen bei der Zustellung der Wahlcouverts.