Fasnacht

Eine Momentaufnahme der Basler Ladäärne-Kunst: Warum «Moolemoll» nicht nur für die Kleinen ist

Urs Zeiser schafft mit «Moolemoll» ein Kompendium der Fasnachtskünstler, das nicht nur für Kinder ist: Er versammelt 25 Maler und Grafikerinnen der Szene für ein ziemlich durchdachtes Werk.

Es sollte ein fröhliches Malbuch für Kinder werden, doch das Resultat bildet weit mehr ab als einen bunten Zeitvertreib in der Vorfasnachtszeit. Die Publikation «Moolemoll», herausgegeben von Urs Zeiser, versammelt in Form von Schwarzweiss-Vorlagen ein kleines Kompendium der aktiven Basler Laternenmaler und damit der Fasnachtskunst 2020. Da ist zum einen Domo Löw vertreten, dessen skizzenartiger Stil seit Jahrzehnten Laternen und Bühnenbilder an Vorfasnachtsveranstaltungen prägt. Da erhält man einen Lorenz Grieder zum Ausmalen, dessen faszinierend kleinräumiges Werk Jahr für Jahr die Schnooggekerzli-Laterne schmückt. Da sind Rose-Marie Joray und ihr Sohn Pascal vertreten, aber auch jüngere Semester wie Stevie Fiedler.

Zeiser, ein aktiver Schnitzelbänkler, Tambour und im Zivilleben Kommunikationscoach, fasste das Konzept des Malbuchs noch weiter: Ergänzt wird das gedruckte Werk durch digital abrufbare Müsterchen fasnächtlicher Klangwelten. Darunter sind ein quirliger Pfeifermarsch namens «Dr Summervogel», aber auch eine mehr als nur von der Eisenbahn inspirierte «Radac-Daagwach», die in der Szene sinnigerweise als «Yysebähnli» bekannt ist.

Ergänzung im Genre der Basler Fasnachtsliteratur

Mit seiner Doppelfunktion als Malbuch und einer etwas andere Interpretation von Fasnachtsdokumentationen reiht sich «Moolemoll» durchaus in das spezifische Genre der Basler Fasnachtsliteratur ein; auch wenn der Text eine sekundäre Rolle spielt und vor allem durch die launigen Schnitzelbangg-Zweizeiler zum Tragen kommt: «Wenn d kurz vor Ändschtraich truurig bisch hilft s nur wenn d nomoll Alles gisch», heissts da etwa in Ergänzung zum Helgen von Noemi Businger. Oder: «E Räppli schimpft – jä gobbeletty, nääbe mir fliegt e Konfetty» zum Ausmalwerk von Clelia Zoller.

Die angefragten Laternenkünstler seien allesamt dabei gewesen, als es zuerst um eine Zusage ging, sagt Zeiser. Und so entstand aus der ursprünglichen Idee, den Kindern die Zeit bis zum Morgestraich zu verkürzen, deutlich mehr. Das Buch soll an der Ersten Lektion nach der Fasnacht die Nachwuchsfasnächtler unterhalten, bis sie alt genug sind, die ersten Trommel- oder Pfeiferschulen zu besuchen. 400 Exemplare erhält das Fasnachts-Comité eigens dafür vom Sponsoringpartner, der Bank Baumann & Cie.

Die Künstler hinter der Gesamtinszenierung

Für die Fasnachtskunst selbst ist «Moolemoll» damit eher unabsichtlich, aber verdankenswerterweise zur kleinen Momentaufnahme der verschiedenen Künstlerstile geworden, die zurzeit das Unesco-Weltkulturerbe prägen – allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Prägten früher unter anderem Jean Tinguely oder Max Sulzbachner die künstlerische Ausdrucksweise der fasnächtlichen Gesamtinszenierung, sind es heute immer noch eine Vielzahl von Grafikern und Illustratoren, die nicht nur die Laternen, sondern auch die Züge gestalten. Es ist eine vergängliche Kunst, die da geschaffen wird, eine mit grossem Aufwand, die selten einträglich ist. Umso wertvoller, dass sie zwischendurch auch mit kleinen Gesten der Nachwelt erhalten bleibt.

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Erhätlich ist «Moolemoll» bei den Basler Trommelbauern Schlebach und Büchler, bei Musik Oesch, der Buchhandlung Schlipf in Riehen, bei Moccaraba am Claraplatz, beim Spalebegg am Spalenberg sowie unter www.moolemoll.ch. Preis: 30 Franken.

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