Claudia Danuser scheint nicht zu jenen Zeitgenossen zu gehören, die berufliche Veränderungen an die grosse Glocke hängen. So blieb in der Stadt unbemerkt, dass Danuser, die Powerfrau mit Bündner Wurzeln, bereits seit Sommer nicht mehr im Restaurant Atlantis wirtet. Ganz im Stillen ging Danusers Abgang über die Bühne. Nun hat sie sich einen noch prestigeträchtigeren Job geangelt – wochenlang wurde über die Besetzung dieser Vakanz spekuliert: Ab 16. Oktober 2017 tritt Danuser die Funktion als Geschäftsführerin des Restaurants Kunsthalle an. Dies bestätigt Tina Candrian von der Pächterfamilie auf Anfrage der bz; Candrian Catering ist seit 2008 Pächterin des Traditionslokals.

Danuser, 42 Jahre alt, folgt auf Isabelle Vionnet, der ersten Frau an der Spitze des Restaurants. Diese reichte im Juli die Kündigung ein – nach lediglich einem Jahr als Geschäftsführerin. Vionnets zurückhaltende, teils blasse Art war unter den Gästen des Hauses umstritten. So sagte einer im vergangenen Dezember gegenüber der «Schweiz am Sonntag», er wünsche sich einen richtigen Patron, eine Persönlichkeit. So wie Peter Wyss, der legendäre Wirt, der die Kunsthalle, die «Hööli», zum Kultlokal und zur ersten Adresse der feinen Gesellschaft gemacht hatte.

Bekannt und respektiert

Nun, rein optisch fehlen Danuser die Züge eines Patrons. Aber sie bringt die fachlichen Voraussetzungen dafür mit, kann sie doch ein schönes Palmarès vorweisen und ist daher in der Stadt als erfahrene und bestens vernetzte Gastronomin bekannt und wird respektiert. In den Nullerjahren leitete sie etwa das von ihr mitgegründete «Il caffè», das schnell zum Kultlokal und Treffpunkt nicht nur unter Espressoliebhabern wurde. Das «Atlantis» leitete sie die vergangenen drei Jahre, als Nachfolgerin des Ex-Besitzers Jürg Wartmann. Die Bündnerin ist eine Freundin der neuen Besitzerfamilie Rey/Andreetti und übernahm das Zepter im 2014.

Und zwischen «Il caffè» und dem «-tis» wirkte Danuser als stellvertretende Betriebsleiterin der Kunsthalle. Damit kehrt sie zu einer alten Stätte zurück. Wo sie offensichtlich einen guten Eindruck hinterlassen hat. Tina Candrian sagt dazu: «Wir freuen uns, dass wir mit Frau Danuser eine vertraute Persönlichkeit als Gastgeberin engagieren konnten.»

So sehr sich Claudie Danuser über die Ernennung zur Gastgeberin des Restaurants freuen dürfte: Der Druck, der auf ihr lasten wird, ist nicht von der Hand zu weisen. In der «Hööli» stimmen die Zahlen bereits länger nicht mehr. In der Basler Gastroszene ist es ein offenes Geheimnis, dass der Restaurantbetrieb seit 2008, dem Jahr, als die Candrians übernahmen, keine schwarzen Zahlen mehr schreibt und der Umsatz stagniert. Viele bleiben der «Kunsthalle» seit dem Abgang von Peter Wyss fern. 2012 liessen die Pächter das Lokal für rund acht Millionen Franken renovieren. Ausbezahlt zu haben scheint sich dieser Aufwand bis dato nicht.

Der Basler Kunstverein ist Besitzer des Gebäudekomplexes am Steinenberg 7, wo sich die Kunsthalle befindet. Dass die Umsätze verbessert werden, daran hat der Verein ein konkretes Interesse: Candrian Catering liefert jedes Jahr einen umsatzabhängigen Pachtzins ab, der sich jeweils um die 500 000 Franken bewegt. Damit wird der Kunstbetrieb massgeblich finanziert. Präsident Martin Hatebur drückt sein Bedauern über den Abgang von Isabelle Vionnet aus. Und stellt klar, dass der Umsatz unter ihr «zufriedenstellend» gewesen sei. «Selbstverständlich würden wir ein Wachstum begrüssen». Derzeit seien Gespräche zwischen dem Verein und den Candrians im Gange, mit Fokus darauf, wie es mit der Kunsthalle- und der Campari-Bar weitergehen solle. Erstere ist seit einem Jahr geschlossen und steht nur für private Anlässe zur Verfügung. Hatebur sagt, Ziel sei es, eine Lösung zu finden, um die Bar wieder zu öffnen.

Ruhige Zeiten stehen Claudia Danuser bestimmt nicht bevor. Aber spannende.