FC Basel

Eine Ohrfeige für den Präsidenten - oder in Burgeners Worten: «Bad news first, good ones second»

Als Bernhard Burgener den Fans vor drei Jahren sein Konzept "Für immer Rot-Blau" präsentierte, war die rotblaue Welt noch in Ordnung.

Als Bernhard Burgener den Fans vor drei Jahren sein Konzept "Für immer Rot-Blau" präsentierte, war die rotblaue Welt noch in Ordnung.

Aus dem Gremium, das vor drei Jahren Burgeners Konzept prüfte und für gut befand, gibt es heute nur noch wenig zuversichtliche Töne und vor allem massive Kritik.

Am 16. März 2017 stellte Bernhard Burgener im Joggeli einem siebenköpfigen Gremium sein Konzept «Für immer Rot-Blau» vor. In diesem Gremium sassen Vertreter aus dem Verein, aus der Wirtschaft und der Stadt Basel. Alle haben sie einen Bezug zum FCB. Burgeners Konzept wurde von der Arbeitsgruppe damals einstimmig für gut befunden. Im Gremiumsbericht heisst es abschliessend: «Wir sind der Ansicht, dass das Konzept der Vereinsversammlung des FC Basel vorgelegt werden kann.» So kam es und die Vereinsversammlung wählte Burgener am 7. April 2017 zum neuen Präsidenten.

Etwas mehr als drei Jahre sind seither vergangen und rund um den FCB sind dunkle Wolken aufgezogen. Ein Tiefpunkt folgt dem nächsten. Ein damaliges Gremiumsmitglied, das nicht namentlich genannt werden will, sagt im Gespräch mit der bz: «Ich befürchte, dass Burgener unfähig ist, den Klub zu führen. Er soll einsehen, dass er mit dem FCB kein Geld mehr machen kann. Als Unternehmer ist er in guten wie in schlechten Zeiten verantwortlich und sollte die Konsequenzen tragen.»

Fixeinnahmen fallen weg, sportliche Ziele werden verfehlt

Dass der FCB unter Burgener von einer Krise in die nächste schlittert, war vor drei Jahren nicht abzusehen. Die Aufgabe des Gremiums war es damals, zu prüfen, ob das Konzept Probleme mit sich bringen könnte. «Dem war nicht so. Burgeners Absichten waren gut. Aber wenn er nicht fähig ist, ist er nicht fähig. Er ist inkompetent und intransparent. Mein FCB-Herz blutet. Ich hoffe, dass der Klub wieder in gute Hände kommt», sagt das Gremiumsmitglied. Das sind Aussagen, die sich für Burgener wie eine schallende Ohrfeige anfühlen müssen.

Natürlich hat der erfahrene Unternehmer Burgener in den vergangenen drei Jahren nicht alles falsch gemacht. Wie in seinem Konzept festgehalten hat er im IT-Bereich und bei der Kooperation mit Partnerklubs in Indien und Argentinien «Investitionen mit Weitblick» getätigt und er hat sich der Aufgabe angenommen, den FCB für die Zukunft wirtschaftlich zu rüsten. Eine Aufgabe, welche die alte Führung unter Bernhard Heusler, nicht mit letzter Konsequenz verfolgt hatte.

Da die Fixeinnahmen aus der Champions League für Schweizer Vereine keine Selbstverständlichkeit mehr sind, hilft um das Ziel «rentabel wirtschaften» zu erreichen, nur ein drastischer Sparkurs. Nur blieben bemerkenswerterweise die sportlichen Ziele unverändert ambitioniert. Sie wurden verfehlt und der FCB befindet sich seit zweieinhalb Jahren in einer sportlichen und finanziellen Abwärtsspirale.

Gebrochene Versprechen und versöhnliche Worte

Gewisse Teile der Konzept-Präsentation von 2017 lesen sich heute wie ein schlechter Witz: Unter «Prinzipien» listete Burgener unter anderem auf: «Versprechen werden nicht gebrochen»; «schlechte Nachrichten sofort, gute können warten» und «alles ist möglich». Die letzten beiden Punkte sind – zwar anders als erwartet aber immerhin – eingetroffen. Das Versprechen gegenüber dem Gremium, jederzeit mehr einnehmen zu wollen, als auszugeben, hat Burgener jedoch gebrochen. In den beiden Geschäftsjahren 2017 und 2018 musste der FCB seine Reserven anzapfen. Von 60 Millionen sind nur noch rund zwei Drittel übrig. Und auch für das noch ausstehende Geschäftsjahr müssen die Reserven wohl weiter angezapft werden.

Auch mit vielen Fans hat Burgener es sich verscherzt. Dabei steht im Konzept unter «Ziele» geschrieben: Regelmässiger und offener Dialog mit den Fans. Daniel Schreier sass 2017 als Fan-Vertreter ebenfalls im besagten Gremium. Heute sagt er stellvertretend für viele FCB-Fans: «Wir sehen jetzt deutlich, wie anspruchsvoll die Aufgabe war, die AG in neue Hände zu legen und den FCB gleichzeitig in ruhigem Fahrwasser zu halten.» Umso wichtiger sei es jetzt, nicht alles schlecht zu reden, schliesslich habe Burgener sich Ziele wie das Einbringen vieler eigener Spieler stark zu Herzen genommen. «Was die Zukunft angeht, so ist die lokale Verwurzelung das Kapital des FCB. In der Treue der Fans liegt grosse Kraft. Erfolg ist nicht alles im Leben, aber es ist wichtig, wie man seinen Weg geht.»

Schreier fordert, dass sich die Fans jetzt aktiv einbringen, kritisch aber loyal. Wie in den Statuten definiert, müsse der Verein seine Anhänger aber auch in wichtige Prozesse einbinden. «Es ist nicht alles schlecht beim FCB», sagt Schreier. Auch die alte Führung habe Kritik einstecken müssen und ein Verein hänge nicht nur von seinem Präsidenten ab. Wichtig sei die Nähe zu den Fans und den Sponsoren und das Bewusstsein dafür, eine ganze Region zu repräsentieren. «In erster Linie muss definiert werden, wie es weitergehen soll», sagt Schreier. «Man sollte sich Gedanken über die Zusammensetzung von Verwaltungsrat und Vorstand machen. Und dann braucht es vor allem eines: Kontinuität.» Ob Burgener diese Kontinuität aber überhaupt erzeugen kann, ist heute fraglicher denn je.

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