Freestyle
Eine Portion Wahnsinn gehört bei den Freestylern dazu

Die weltbesten Freestyle-Motorradfahrer heizten bei der Night of the Jumps in der Basler St. Jakobshalle dem Publikum ein. Sie zeigten waghalsige Sprünge, bei denen sie nur knapp unter der Hallendecke druchfliegen.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen

«Darf ich ein Foto machen?», fragte Romeo von Rothenfluh. «Wenn es unbedingt sein muss», antwortete Julia leicht entnervt. Denn seine Freundin spürte: Weder der Fahrer Gabriel Villegas noch dessen Motorrad interessierten ihren jungen Romeo an der Pit-Party der Night of the Jumps wirklich.

Er wollte das «Miss Grid Girl» – in der Formel 1 würde man sie wohl Boxenluder nennen – aus der Nähe begutachten. Julia machte sogar das Foto für ihren Lieben, und mit den Worten, «ich könnte ja auch einmal so ein glänzendes Kleidchen anziehen», zauberte sie ein Lächeln auf die Lippen ihres Romeos.

Mit 14 Jahren schon dabei

«Aber warum muss die ältere Schwester Olga auf Luc Ackermann aufpassen?» Das hätte man sich bei der nächsten Pit-Box fragen können. Denn die «Miss Grid Girls» waren einen Kopf grösser als die Fahrer – alles kleine Leichtgewichte, die an Jockeys erinnern. Und das fiel vor allem bei Luc Ackermann auf.

Der Franzose José Miralles kopfüber.
6 Bilder
Spektakulärer Stunt des Australiers Rob Adelberg.
Das sind die Highlights der Night of Jump in Basel.
...beeindruckt mit seinen waghalsigen Sprüngen die Zuschauer.
Ein «Multi-Flash»-Bild: Der Franzose Jose Miralles.
Der Tscheche Libor Podmol.

Der Franzose José Miralles kopfüber.

Keystone

Er ist mit 14 Jahren der Jüngste, der je im Zirkus der offiziellen FIM-Freestyle-MX-WM mitmachen durfte. Der Deutsche hatte dann aber nur zwei kurze Auftritte beim «Best Whip», wenn es darum geht, das Motorrad in der Luft möglichst extrem querzustellen und dann doch wieder sicher zu landen, und beim «Highest Air», einer Art Stabhochsprung mit Motorrad statt Stab.

Schrecksekunde mit Ivan Zuchoni

Beim Einfahren zum «Highest Air» kam es zur einzigen Schrecksekunde der Night of the Jumps, als Ivan Zuchoni hart auf dem Hintern landete und einen Moment benommen liegen blieb. Aber nach einem raschen Check durch den Notarzt stand auch er wieder auf und kassierte in Form eines tosenden Applauses sein Schmerzensgeld.

«Um an den richtigen WM-Wettbewerben mitzumachen, muss man 16 Jahre alt sein», erklärte Luc Ackermann seinen Kurzauftritt. Und wer ist der bessere, wer der verrücktere der beiden? «Das bin immer noch ich», sagte der 22-jährige Hannes, im Wissen, dass ihn der kleine Bruder schon bald überflügeln könnte. «Aber wir sind alle ziemlich crazy.» Das muss man wohl wirklich sein, wenn man im Flug knapp unter der Decke der St.Jakobshalle, wo vor einer Woche noch die Curler ihre Steine spielten, Füsse und Hände vom Motorrad nimmt und die unglaublichsten Verrenkungen zeigt, als gäbe es keine Gravitation und nie mehr eine Landung.

Die Halle tobt

Sie heissen Cliffhanger Flip , Kiss of Death, Heartattack – oder einfach Deadbody, wenn der Fahrer steif wie ein Brett, den Blick an die Decke und vom Motorrad weg gerichtet, durch die Luft fliegt.

Die St. Jakobshalle tobte, während der jeweils führende Fahrer auf einem Thron sitzend und umringt von den «Miss Grid Girls» darauf wartete, ob es dem nächsten Konkurrenten gelingt, noch spektakulärere Stunts zu zeigen. Und wie sagte es am Schluss der Sieger in Basel und WM-Dominator, der Franzose Remi Bizouard, ebenso treffend wie lakonisch: «Ich hatte mächtig Spass.»