Strafgericht

Eine Prügelei vor den Augen der Staatsanwaltschaft

Der 33-jährige Besitzer des ehemaligen Deep Sky Club an der Heuwaage und sein gleichaltriger Türsteher hatten gemeinsam einen ehemaligen Angestellten verdroschen. (Symbolbild)

Der 33-jährige Besitzer des ehemaligen Deep Sky Club an der Heuwaage und sein gleichaltriger Türsteher hatten gemeinsam einen ehemaligen Angestellten verdroschen. (Symbolbild)

Es ist eine Geschichte um Ehre, Frauen und Autos. Als ein Discobesitzer einen Mann vor seinem Club verprügelt, wird er dabei von den Kameras der Basler Staatsanwaltschaft gefilmt. Dies wird dem 33-Jährigen zum Verhängnis im Gerichtsprozess.

Der 33-jährige Besitzer des ehemaligen Deep Sky Club an der Heuwaage und sein gleichaltriger Türsteher hatten gemeinsam einen ehemaligen Angestellten verdroschen. Im September 2012 fuhr der Discobesitzer an der Heuwaage vorbei und sah den Mann auf dem Trottoir stehen: Drei Monate zuvor soll dieser mit der Frau des Discobesitzers ein Verhältnis gehabt haben.

Vor Gericht sagte er am Donnerstag, er habe bloss den Mann zur Rede stellen wollen. Geprügelt wurde aber direkt vor den Überwachungskameras der Staatsanwaltschaft, und die zeigten ein anderes Bild: Erst geht der Discobesitzer ohne Wortwechsel auf den Mann los, zusammen mit seinem Türsteher schlägt er schliesslich auf ihn ein, irgendwann liegt das Opfer mitten auf der Kreuzung vor der damaligen Kontakt- und Anlaufstelle, es setzt Schläge und Tritte.

«Man sieht, wie sie beide zuschlagen, und sie haben ihn auch am Kopf getroffen», sagte gestern Strafgerichtspräsidentin Susanne Nese. Es sei einfach um verletzten Stolz und Rache gegangen. Das Dreiergericht verhängte gegen den Discobesitzer eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung: 18 Monate sind bedingt, 12 Monate muss er absitzen. Da der Verurteilte im nächsten Monat eine Arbeitsstelle antritt, wird er den unbedingten Teil wohl in Halbgefangenschaft oder mit der Fussfessel absitzen können. Er wird in den nächsten Monaten Vater.

Allerdings hat er einen italienischen Pass, seine Aufenthaltsbewilligung dürfte nach dem Urteil wackeln. Der Türsteher kam mit 21 Monaten bedingt davon. Er war vom Discobesitzer per Mobiltelefon zur Heuwaage bestellt worden, um den Nebenbuhler zu verprügeln. Bis dahin hatte er ein blankes Vorstrafenregister, er musste sich diese Woche allerdings auch wegen eines versuchten Betruges und Urkundenfälschung verantworten.

Beide bereits vorbestraft

Auch der Discobesitzer hatte noch anderes auf dem Kerbholz: Im April 2013 packte er einen angetrunkenen Kunden im Deep Sky Club am Kragen, beförderte ihn aus dem Club und schlug ihm dabei mit der Faust mehrmals ins Gesicht. Das deutlich kleiner und schmaler gebaute Opfer identifizierte seinen Schläger vor Gericht, dieser hingegen widersprach der Darstellung. Seine DNA wurde allerdings am Kragen des Opfers gefunden, und die Ärzte bescheinigten Verletzungen, die klar durch mehrere Schläge entstanden sein müssen. Das Gericht verdonnerte ihn in diesem Punkt wegen Körperverletzung.

Sein deutlich höheres Strafmass von 30 Monaten erklärte Nese damit, dass er nicht nur während des laufenden Verfahrens erneut Gewalt angewendet habe, sondern dass er in Bezug auf Strassenverkehrsdelikte praktisch unbelehrbar sei: Seine Vorstrafenliste ist lang. Dazu kamen noch Verstösse gegen das Waffengesetz, auch wenn es in mehreren Punkten Freisprüche gab.

Seinen Fahrausweis ist er schon länger los, und als er das letzte Mal statusgemäss mit einem Lamborghini 140 Gallardo beim Tellplatz in eine Kontrolle geriet, gab er statt des eigenen einfach den Namen eines Kumpels an. Wenige Wochen später in der Engelgasse mit einem Audi R8 funktionierte das nicht mehr, weil er inzwischen unter Polizisten bekannt ist wie ein bunter Hund. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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