Hau drauf. Mit dem Zweihänder prügelte das BLT-Führungsduo André Dosé und Andreas Büttiker am Freitag auf die BVB ein. Die BVB operierten bewusst mit falschen Zahlen. Die Vorwürfe waren nicht neu, die Gelegenheit jedoch günstig – die BVB liegen ohnehin geschlagen am Boden.

Dabei hätte es für die Basler Verkehrsbetriebe die Woche des Befreiungsschlages werden sollen. Mit Demut wollte die BVB-Spitze mit Präsident Martin Gudenrath und Direktor Jürg Baumgartner auf die geballte Kritik reagieren. Zunächst vor den Medien, dann an zwei Veranstaltungen vor insgesamt 250 Mitarbeitern gestand Baumgartner Fehler ein. Es folgte eine wortreiche Entschuldigung. Ja, er habe in den vergangenen Monaten zu wenig den Austausch und die Kommunikation mit den Mitarbeitenden gesucht. Und es folgte das Versprechen, künftig alles besser machen zu wollen.

Die Reaktionen der Belegschaft fielen nicht einhellig aus. Obschon eine Mehrheit positiv registrierte, dass sich die Geschäftsleitung überhaupt um Kommunikation bemüht, blieb die Skepsis, ob die Büsserhaltung Ausdruck von Einsicht sei oder doch eher opportunistisch dem Augenblick geschuldet war. Baumgartner sagt gegenüber der «Schweiz am Sonntag»: «Nebst aller berechtigter Kritik durften wir an diesen Anlässen auch viel Rückhalt bei den Mitarbeitenden spüren.»

VPOD-Regionalsekretär Matthias Scheurer meint, er halte den BVB-Direktor durchaus für lernfähig. Scheurer sagt allerdings auch: Seit Monaten warne die Gewerkschaft, die BVB-Führung treibe ihre Projekte voran, ohne die Mitarbeiter mitzunehmen. Gehört wurden sie nicht, zu sehr war die Crew vom «Innovationsschub» beseelt, den sie in einem Zehnjahresplan niedergeschrieben hat. Der Schwerpunkt des laufenden Jahres lautet neben «Wandel im Betrieb» ironischerweise auch «Kommunikation».

Zur kommunikativen Aufrüstung gehört etwa die Aufstockung der Kommunikationsabteilung von 2,5 auf 4,25 Stellen. Eifrig wurden auch Betriebsfilme gedreht. Neben der eigentlichen Homepage www.bvb.ch. gibt es zudem in eigenem Design und völlig unabhängig die Sites www.2011.bvb.ch sowie www.2012.bvb.ch auf denen die Geschäftsleitungsmitglieder in unbeholfenen Videostatements zu sehen sind. Als die erste Pressesprecherin krankheitshalber ausfiel, schien die Medienstelle verwaist, dabei war laut Recherchen im Hintergrund mit dem Zürcher Andreas Durisch ein externer Medienprofi engagiert. Dieses Engagement, das der ehemalige Chefredaktor der «SonntagsZeitung» auf Anfrage einräumt, zeigte jedoch nicht nur keine sichtbaren Resultate, es war zudem problematisch, weil Durisch gleichzeitig als PR-Lobbyist für den BVB-Tramlieferanten Bombardier unterwegs ist.

An den Kommunikationsmitteln mangelte es den BVB bisher nicht – und doch sollte nun vor allem das Allerheilmittel «Kommunikation» über die Probleme hinweghelfen. Je nachdem, was die Untersuchung der Finanzkontrolle zu den Vorwürfen der Vetternwirtschaft ergibt, wird die Luft dennoch dünn, nicht nur für den Verwaltungsratspräsidenten Gudenrath, sondern auch für den Direktor Baumgartner. Auf Vorwürfe reagiert dieser dem Vernehmen nach dünnhäutig.

Als der Geschäftsleitung auf diskreten Wegen zugetragen wurde, die gut bezahlten Praktika der Chefsöhne würden zu reden geben, soll er sich weniger um Aufklärung bemüht haben, sondern darum, wer solches sage. Auf den Vorwurf, er habe am Spesenreglement vorbei einen Dienstwagen genutzt, folgte der Reflex: Wenn sein Fahrverhalten untersucht werde, so solle bei jedem Mitarbeiter geprüft werden, ob er nicht schon einmal ausserhalb der Betriebszeit einen BVB-Dienstwagen genutzt habe.

Baumgartner sieht die Kritik an seiner Person als Reaktion auf den eingeschlagenen Kurs: «Wer verändert, muss auch mit Kritik rechnen – und macht auch Fehler». Als Direktor verantworte er diesen Prozess, als Person sehe er sich jedoch weiterhin nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung. Seinem Vorgesetzten Gudenrath setzen die Turbulenzen gemäss nahen Beobachtern persönlich stärker zu. Er lässt sich seine Zukunft offen.

Wie stark der Wind trotz der Informationsoffensive gegen die BVB-Führung gedreht hat, zeigte sich diese Woche im Grossen Rat. Gleich zwei von drei Verwaltungsräten, die das Parlament zu delegieren hat, wurden als Misstrauensvotum gegen die BVB-Führung neu gewählt, allerdings unter dem Vorwand des Frauen- und Parteienproporzes. Kalt erwischt wurde dabei SVP-Grossrat Patrik Hafner, dessen Sitz die FDP mit Nadine Gautschi, einer gänzlich unbekannten Neo-Politikerin, eroberte. Joel Thüring, Sekretär der SVP Basel-Stadt, fordert, nun soll die Regierung Hafner in den BVB-Verwaltungsrat hieven und damit einen anderen Bisherigen ersetzen.

Die Basler Regierung äussert sich derzeit nicht weiter zum Geschäft BVB. Hans-Peter Wessels (SP), der zuständige Regierungsrat, hat sich gegenüber der «Tageswoche» allerdings starkgemacht für Gudenrath, der bei den BVB einen guten Job mache. Seine eigene Partei sieht dies offenkundig nicht gleich: Anders ist nicht zu erklären, dass die SP Basel-Stadt in der Vorwoche zusammen mit den Baselbieter Genossen die Forderung in den Raum stellten, BVB und BLT müssten einen Zusammenschluss prüfen. Der politische Frust über die BVB staut sich auch bei den Bürgerlichen. FDP-Grossrat Christophe Haller sagt: «Die BVB machen mir Sorgen. Die BLT ist die effizientere Gesellschaft. Aufgrund der heutigen Situation wäre eine Übernahme der BVB durch die BLT die vernünftigste Lösung.»