1 Welche Spitäler werden zusammengeschlossen?

Das Universitätsspital Basel inklusive Frauenspital, aber ohne das (bereits bikantonale) Kinderspital sowie die drei Spitalstandorte des Kantonsspitals Baselland, also das Bruderholz, Liestal und Laufen.

2 Was heisst «Zusammenschluss»?

Die Rede ist von einer gemeinsamen Spitalgruppe. Das lässt offen, ob die Spitäler zusammengelegt und fusioniert oder lediglich organisatorisch unter einem Dach zusammengeführt werden, wie das etwa in einer Holdingstruktur der Fall ist. Zentral ist aber eine gemeinsame Führung und Finanzierung der Spitäler. Die beiden Regierungen betonen, dass die Gruppe «offen ist für eine spätere Beteiligung weiterer Partner in der Region», etwa aus dem Schwarzbubenland oder Fricktal.

3 Werden Betten abgebaut?

Ja. Das Bettenhaus auf dem Bruderholz wird abgerissen. An seiner Stelle soll eine «Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe» (TOP) gebaut werden. Patienten werden dort also ambulant behandelt. Gedacht ist die Klinik für kleine Eingriffe. Spitalbetten im eigentlichen Sinn wird es auf dem Bruderholz nicht mehr geben. Das stationäre Angebot soll in Liestal und Basel konzentriert werden. In Laufen soll ein «bedarfsorientiertes Gesundheitsnetzwerk» entstehen.

4 Was kosten der Abbruch und der Neubau auf dem Bruderholz den Steuerzahler?

Im besten Fall nichts, wenigstens unter dem Strich nicht. Mit dem Abbau des Kantonsspitals Bruderholz wird Land in bester Wohnlage frei. Dieses Land kann der Kanton verkaufen oder im Baurecht abgeben. «Eine Chance, die es zu packen gilt», erklärte der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber.

5 Kann sich das KSBL einen Neubau überhaupt leisten?

«Wir könnten einen Bruderholz-Neubau selber finanzieren», sagt KSBLDirektor Jürg Aebi zur bz. Dies, weil die angedachte Tagesklinik günstiger würde als ein voll ausgestattetes Spital. Zahlen nennt Aebi noch keine. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass das KSBL einen Neubau nicht alleine zahlen müsste, sondern dass sich das Universitätsspital Basel daran beteiligen würde.

6 Werden Arbeitsplätze abgebaut?

Die Verantwortlichen betonen, dass es im Zuge der Neuorganisation nicht zu Entlassungen kommen wird. «Wir garantieren allen Mitarbeitern, die heute an Bord sind, einen Arbeitsplatz», sagt etwa KSBL-Präsident Werner Widmer. Und Aebi verspricht, dass den Mitarbeitern – abgesehen von natürlichen Fluktuationen – «in den nächsten drei bis fünf Jahren sicher nichts passiert». Dass es nicht zu Entlassungen kommt, muss aber nicht bedeuten, dass keine Arbeitsplätze abgebaut werden. Zum einen kostet die Umwandlung des Bruderholzspitals in eine Tagesklinik und der Umbau des Kantonsspitals Laufen in einen Gesundheitsstützpunkt sicher Arbeitsplätze. Ambulante Behandlungen in einer Tagesklinik sind viel weniger personalintensiv als die Betreuung stationärer Patienten, weil die Patienten einer Tagesklinik am Abend nach Hause gehen. Zum anderen wollen die beiden Gesundheitsdirektoren «Doppelspurigkeiten vermeiden». Das bedeutet in der Praxis meistens, dass Funktionen zusammengefasst und Stellen abgebaut werden. Dass Stellen gestrichen werden, muss aber nicht heissen, dass es zu Entlassungen kommt. Im Pflegebereich ist es im Gegenteil oft schwierig, offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Und der Personalbedarf im Spitalwesen an sich sinkt durch die Umstrukturierung nicht.

7 Was muss man sich unter dem «bedarfsorientierten Gesundheitsnetzwerk» vorstellen, das für den Standort Laufen vorgesehen ist?

Da das Laufental in der Gesundheitsversorgung ein in sich geschlossener Raum darstellt, wird das Spital weiter eine Grundversorgung anbieten. Die Dienstleistungen werden aber zurückgefahren. Laut Aebi wird es noch Sprechstunden geben und kleinere Eingriffe. Dafür werde man viel enger mit den dortigen Hausärzten und den nachgelagerten Angeboten wie Spitex und Reha zusammenarbeiten. Aebi versichert zudem, dass die noch junge Schmerzklinik am Standort Laufen bleibt.

8 Wie verbindlich sind diese Pläne?

Im Moment handelt es sich «nur» um ein gemeinsames Strategiepapier der beiden Kantonsregierungen. Offiziell sagen die beiden Regierungen, dass sie eine «vertiefte Kooperation in der Gesundheitsversorgung forcieren» und die «Gründung einer gemeinsamen Spitalgruppe prüfen». Die Wörter «forcieren« und «prüfen» tönen zwar noch nicht sehr verbindlich, das Vorhaben ist aber schon sehr klar konturiert und es ist den beiden Regierungen ernst damit. Sie haben jetzt den Verwaltungsräten der beiden Spitäler den Auftrag gegeben, bis Ende September 2016 Vorschläge für die Gestaltung der gemeinsamen Spitalgruppe und ein Konzept mit einem Businessplan für eine gemeinsame Tagesklinik auf dem Bruderholz auszuarbeiten. Umgesetzt werden soll die Umstrukturierung bis 2019/20.

9 Was ist das Ziel der ganzen Übung?

Die Regierungen nennen drei Ziele:

  • eine optimierte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung der beiden Kantone;
  • eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums im Spitalbereich;
  • eine langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in der Region.

10 Umfasst die Zusammenarbeit beider Basel im Gesundheitswesen auch die Universität Basel?

Offenbar hat die Basler Regierung dem Kanton Baselland diesbezüglich eine Bedingung gestellt. Das haben gestern Nachfragen des SRF-Regionaljournals ergeben. Sollte die Baselbieter Regierung nächste Woche anlässlich ihres Sparpakets den Universitätsvertrag kündigen, steige Basel-Stadt sofort wieder aus der Spitalkooperation aus. Eine allfällige Kündigung des Universitätsvertrags würde die beiden Halbkantone auch gesundheitspolitisch «vor eine sehr schwierige Situation» stellen, erklärte Lukas Engelberger. Und Thomas Weber doppelte nach: «Die Universität ist eine entscheidende Voraussetzung für unser Projekt einer gemeinsamen Gesundheitsversorgung. Wir brauchen eine starke medizinische Fakultät.»