Anti-Atom
Eine rote Zone um Sarkozy im AKW Fessenheim

Die Anti-Atom-Aktivisten kommen Sarkozy im AKW nicht näher. Die Polizei hat eine «zone rouge» erlassen, ein Sperrgebiet um das Atomkraftwerk Fessenheim während des Besuches des Französischen Präsidenten. Demostranten müssen draussen bleiben.

Boris Burkhardt
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Die Police Nationale musste gezwungenermassen mit aufs Bild – und nahms mit Humor. Boris Burkhardt

Die Police Nationale musste gezwungenermassen mit aufs Bild – und nahms mit Humor. Boris Burkhardt

Auf der Mitte der Rheinbrücke zwischen dem badischen Hartheim und dem verschwisterten Fessenheim stossen die rund 25 badisch-elsässischen Aktivisten vom Bündnis «AKW Fessenheim stilllegen. Jetzt!» mit ihren Transparenten, Flaggen und Atomfasstrommeln auf die Barrikade der französischen Police Nationale. Von den lauten «Jetzt abschalten»-Rufen der Demonstranten lassen sich die 13 kasernierten Polizisten jedoch nicht beirren.

Die rote «Sarkozy-Zone»

In die «zone rouge» dürfe niemand passieren, erklärt einer der Polizisten. Mit der «Roten Zone» meint er aber nicht etwa das Gefahrengebiet rund um das Atomkraftwerk auf der anderen Rheinseite, sondern das Sperrgebiet während des dortigen Besuchs des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Die Demonstranten bringen in Sprechchören und Einzelvorträgen, auf Deutsch und Französisch ihre Argumente vor. Die Polizisten bleiben trotz ihrer martialischen Aufmachung mit Schutzschild und Helm lässig. Nur einmal liegt für kurze Zeit Aggression in der Luft, als der Befehlshabende entscheidet, dass die Demonstranten einen Meter zu weit vorne stehen. Wo die Staatsgrenze genau verläuft, wissen die Polizisten laut eigener Aussage aber auch nicht.

«AKW Fessenheim nicht sicher»

Auch der Trinationale Atomschutzverband (Tras) nutzte den Besuch Sarkozys in Fessenheim für eine Protestnote. Zusammen mit anderen Verbänden, die nach eigener Aussage mehr als 1,6 Millionen Einwohner im Dreiländereck repräsentieren, schrieb dem Präsidenten.

Alle Sicherheitsvorkehrungen könnten das 30 Jahre alte AKW nicht vor einem Erdbeben schützen. Bei einer Havarie könnte der Rhein ganz Nordeuropa verseuchen. In einer eigenen Mitteilung weist Tras ausserdem auf den mangelnden Schutz gegen terroristische Angriffe hin. (BOB)

Welchen Nutzen hat es, auf einer eisigen Brücke 13 Polizisten, die sie wahrscheinlich gar nicht verstehen, die Argumente gegen Fessenheim vorzutragen? Manuela Frank, Mitorganisatorin des Aktionsbündnisses, entgegnet, dass man ja eigentlich über die Brücke zum AKW wollte. Dort und im Ort Fessenheim habe man 2011 alle vier Wochen Aktionen gestartet. Der Elsässer Aktivist Didier Nocos, freut sich, dass «die Leute langsam aufwachen im Elsass». Die Atomlobby sei zwar immer noch stark, aber er spüre eine Veränderung: Laut Umfragen seien 70 Prozent der Franzosen inzwischen gegen die Atomkraft.

Kein Durchkommen auf der Brücke

Langsam scheinen die Demonstranten einzusehen, dass es auf dieser Brücke kein Durchkommen geben wird. Auch die französischen Polizisten entspannen sich. Auf dem abschliessenden Gruppenfoto, bei dem sie gezwungenermassen die letzte Reihe bilden, müssen die meisten sogar lachen. Die Demonstranten beschliessen, sich mit den französischen Gruppierungen zu treffen, die im nördlich von Fessenheim gelegenen Heiteren den französischen Präsidentenberater für Nachhaltigkeit, Boris Ravignon, zum Gespräch treffen. Der steigt gerade begleitet von Buh-Rufen ins Auto, als die Hartheimer Aktivisten am Rathaus ankommen. Aline Baumann vom elsässischen Bündnis «Stop Fessenheim» ist enttäuscht: Ravignon habe wie immer betont, dass die Regierung alles tun werde, damit Atomenergie sicher bleibe.

Im gesperrten Ortszentrum von Fessenheim warten ein Dutzend Gendarmen und eine Handvoll Gaffer auf Sarkozy. Ein Gendarm nimmt dem einzigen Aktivisten vor Ort das Anti-Atomkraft-Transparent weg. Ein Bewohner aus dem Nachbarort will den Präsidententross auf Video aufnehmen. Er sei sehr dafür, dass Fessenheim am Netz bleibe, «wie alle hier», sagt er – aber er sei gegen Sarkozy. Nach einer halben Stunde kommt der Président endlich angefahren, winkt kurz aus dem Fenster; die Gaffer klatschen. Dann ist der ganze Spuk vorbei. Der Aktivist bekommt sein Transparent wieder.