Als wollen «d Naarebaschi» an das letzte Jahr erinnern, als die Nummer zwei unter den Vorfasnachts-Anlässen aus finanziellen Gründen ausfiel, lassen sie das Märschli stilvoll in Moll ausklingen. Dann ist die Bühne aber frei für das «neue, alte Charivari», wie es Produzent Erik Julliard nennt.

Nach mehr als zwei kurzweiligen Stunden steht fest: Das Premierenpublikum hat gerade deshalb eine denkwürdige Rückkehr erlebt, weil nach Ausflügen ins Experimentelle die neue Charivari-Crew wieder ein eher klassisches, aber perfektioniertes Programm auf die enge Bühne zaubert. Makellos sind sogar die imposanten «Schotte», was für eine Gugge leider längst kein Makel mehr ist.

Neben den «Schotte» und den «Naarebaschi» setzt das Charivari noch auf drei weitere Erfolgsgaranten: Ein wechselnder Bangg im ersten (der Seibi-Stoossebangg wars an der Premiere) und der «Schwoobekäfer» mit einem starken Intro im zweiten Teil; sodann wirbelt Julliards Top Secret in gewohnter Perfektion. Die Spitzen-Tambouren beweisen neben ihrer Virtuosität bei der ersten Nummer als vermummte Einbrecher auf dem Estrich auch ungeahnten Einfallsreichtum, ehe sie mit tönenden Rohren das Charivari-Märschli melodiös spielend, die Bühne räumen.

Bangg-Medley feiert Weltpremiere

In den Schatten gestellt wird der Abgang der Nachtdiebe im Musikalischen nur noch von der Weltpremiere der «Naarebaschi»-Pfyfer, die in einem Medley aus der Feder von Michael Robertson Melodien und Kostüme bekannter Schnitzelbänggler aufleben lassen. Fein die Idee, noch feiner die Komposition. Nie reagierte ein Basler Publikum emotionaler auf einen musikalischen Beitrag.

Die Schnitzelbangg-Legenden hören danach als Statisten dem «Seibi-Bangg» zu und unterstreichen mit diesem Detail, dass sich das Charivari 2011 nicht als Abfolge von Nummern, sondern eher als Einheit sieht. Die Klammer dazu bot der Estrich, auf dem Salomé Jantz und David Bröckelmann als Geschwisterpaar ihren spitzig-spritzigen Prolog halten, und auf dem der Abend auch endet. Überhaupt: Im Wortteil wird auf Brachialhumor verzichtet. Die Grenzen des guten Geschmacks werden höchstens geritzt, obwohl Themen wie Emanzipation und Ausländer viel Platz erhalten. Die Helvetia, die sich am Rhein Gedanken spinnt, sorgt für das poetische, kritische Element.

Viel dreht sich im Wortteil um David Bröckelmann, den Binninger Kabarettisten. Zu viel. Mit der Idee, eine Telebasel-Talkrunde mit Kurt Aeschbacher nachzuspielen und am Ende sogar noch Matthias Hüppi Hakan Yakin interviewen zu lassen, wagt das Charivari für die Paraderollen des begnadeten Parodisten einen zu breiten Spagat zwischen Fasnacht und Fernseh-Gaudi. Das Premierepublikum amüsierte es köstlich, könnten sich die Macher trösten, wenn sie es sich einfach machen wollen.