Projekt

Eine saubere Sache: Das Wasser fliesst jetzt von Basel nach Sambia

Die beiden ehemaligen Fussballprofis Lior und Morris Etter kamen nach einer Reise in Drittweltländer auf die Idee eines Wasser-Hilfsprojekts.

Die beiden ehemaligen Fussballprofis Lior und Morris Etter kamen nach einer Reise in Drittweltländer auf die Idee eines Wasser-Hilfsprojekts.

Zwei Brüder sorgen dafür, dass die Basler Gastronomie Wasserkioske in Sambia zum Sprudeln bringt. Die Idee ist einfach: Wer in Restaurants ein Glas Hahnenwasser trinkt, spendet gleichzeitig Wasser.

Ein Glas Wasser? Hierzulande eine Selbstverständlichkeit. Ebenso, dass es sauber und ohne Krankheitserreger ist. Durch die globale Brille betrachtet, verschiebt sich dieses Bild aber rapide. Wie Caritas international im März bekannt machte, sterben täglich 10'000 Menschen an den Folgen von verunreinigtem Wasser. Auf diesen Missstand wollen zwei junge Luzerner aufmerksam machen – und ihn bekämpfen. «Wasser für Wasser» heisst die Non-Profit-Organisation, die Lior und Morris Etter gegründet haben. Ihre Idee ist so bestechend wie einfach: Wer in Restaurants ein Glas Hahnenwasser trinkt, spendet gleichzeitig Wasser – zurzeit für Sambia.

Spezielle Karaffen

Die Non-Profit-Organisation stellt den Wirten die entsprechenden Karaffen zur Verfügung, der Erlös des Hahnenwassers fliesst dafür vollumfänglich zurück an das Projekt. In der Zentralschweiz sammeln inzwischen über 100 Partnerbetriebe für die Organisation. Jetzt wollen die Brüder Lior und Morris Etter, dass auch die Basler Wasser für Sambia trinken. Der Auftakt ist gelungen: 15 Gastro-Betriebe sind beim hiesigen Start dabei. «Die Menschen in Basel sind sehr offen für unser Anliegen. Sie hören uns zu und das Interesse ist schnell geweckt», sagt Lior Etter.

Der Beginn in Luzern sei um einiges harziger verlaufen. Doch Morris Etter betont: «Wir haben Luzern viel zu verdanken. Damals sprachen wir im Konjunktiv. Heute können wir Erfolge vorweisen.» Lanciert haben die beiden Brüder das Projekt vor zwei Jahren. Der Gründung ist ein schwerer Schicksalsschlag vorausgegangen: Der mittlere Bruder von Lior und Morris Etter verstarb. Nach seinem Tod unternahmen die beiden Brüder gemeinsam eine lange Reise. Dabei wurden sie immer wieder mit der Wasserproblematik konfrontiert. «Wir trafen auf Brunnen, die mit Arsen oder anderen Giftstoffen verseucht waren», erinnert sich Morris Etter. Nach ihrer mehrmonatigen Tour waren beide nicht mehr bereit, in dieselben Strukturen zurückzukehren. Das «Wasser für Wasser»-Projekt war geboren. In der Schweiz suchten die beiden Experten auf, sprachen mit den ersten Wirten und meldeten sich für ein Nachdiplomstudium im Bereich Ressourcenmanagement an. «Mit der Ausbildung haben wir uns ein Fundament erarbeitet, denn wer will schon zwei Brüdern einfach so Geld und Vertrauen geben?» sagt Morris Etter.

Vor ihrer gemeinsamen Non-Profit-Organisation haben die Brüder verschiedene berufliche Wege eingeschlagen. Morris studierte Internationale Beziehungen und Lior spielte für den FC Luzern als Fussballprofi. Auch Morris kickte vor seinem Studium als Spitzenfussballer bei den Junioren.

«Leistungssport prägte»

«Der Leistungssport hat uns geprägt. Wir wissen, wenn wir uns intensiv mit etwas auseinandersetzen, dass wir dann weit kommen können», sagt Lior Etter. Entsprechend intensiv ist die Anfangsphase verlaufen. Eineinhalb Jahre arbeiteten sie ehrenamtlich – und zogen zu ihrem Vater, um die Mietkosten einzusparen. Seit ein paar Monaten zahlen sie sich erstmals einen «Start-up-Lohn» aus. Dieser stammt vom Vereinskonto mit Beiträgen von Gönnern und Stiftungen. Der Erlös aus den Partnerbetrieben fliesst vollumfänglich in das Projekt.

4000 Menschen erhielten dadurch in einem Slum der sambischen Hauptstadt Lusaka Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dort unterstützt die Organisation sogenannte Wasserkioske, die an die staatliche Wasserleitungen angeschlossen sind. Anschlüsse in Privathäuser sind für die meisten Menschen unerschwinglich. Daneben unterstützt «Wasser für Wasser» auch die Ausbildung von Sanitärinstallateuren in einer lokalen Berufsschule. «In diesem Job besteht in Sambia fast eine 100-prozentige Jobsicherheit und somit ein Ausweg aus der Armut. Zudem sorgen die ausgebildeten Sanitäre wiederum für bessere Infrastrukturen», sagt Morris Etter.

Neben der direkten Hilfe vor Ort, wollen die Brüder vor allem auch das Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung für die Wasserproblematik schärfen. «Die Gastronomie ist nahe an den Menschen. Eine Idee kommt dadurch schnell in den Umlauf», sagen sie. Auch Unternehmen und öffentliche Institutionen wollen die Brüder als Partner gewinnen. Die Idee ist, in sogenannten «Sinnvollen Sitzungen» nur noch Leitungswasser auszuschenken und dafür regelmässig «Wasser für Wasser» zu spenden. Zwei Basler Firmen und einige Unternehmen in der Innerschweiz machen dies bereits.

«Es ist noch viel möglich und wir werden die nächsten Jahre intensiv an unseren Ideen weiterarbeiten», sagt Lior Etter. Bern peilen die zwei Brüder als nächste «Wasser»-Stadt an. Tatendrang und Begeisterung sprudeln förmlich aus ihnen. Obwohl sie in grossen Dimensionen denken, bleiben sie doch auf dem Boden. Dabei werden sie wohl noch so manche Quelle erschliessen.

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