Basler Geschichte(n)

Eine Stadt feiert sich selber: 2000 Jahre Basel anno 1957

Eine gewaltige Show der Selbstliebe: Die Publikation zur Basler Jubiläumsfeier 1957.

Eine gewaltige Show der Selbstliebe: Die Publikation zur Basler Jubiläumsfeier 1957.

Basler Geschichte(n), Teil 7 – Das Fest zum 2000-Jahr-Jubiläum

Man stelle sich das heute vor: Da bereitet ein Komitee über viele Monate ein grosses Fest vor und mobilisiert die verschiedensten Kräfte, und doch wird der regierungsrätliche «Ratschlag betreffend die Gewährung von Krediten für die Durchführung der Feierlichkeiten und Aktionen ‹2000 Jahre Basel›» dem Grossen Rat keine vier Monate vor dem Fest vorgelegt.

Da im Vorfeld Fachstimmen zu hören waren, dass Basel im Jahr 1957 keinen runden Geburtstag feiern könne, hielt die Regierung einleitend fest: Es dürfe «als wissenschaftlich erhärtet betrachtet werden, dass die Gründung Basels in geografisch weiterem Sinne vor 2000 Jahren erfolgt ist». Darum sei der richtige Zeitpunkt für ein «Fest des Basler Volkes» gekommen. Gleicher Meinung war dann auch das Parlament und bewilligte für die Feierlichkeiten knapp 108 000 Franken samt einer Defizitgarantie von 150 000 Franken.

Die Stadt zog alle Register

Nach dem Motto «Man soll die Feste feiern, wie sie fallen» zog Basel alle denkbaren Register. Eingebettet zwischen einem Ballon-Wettfahren und einem Freundschaftsspiel Basel–Roma (3:3) häuften sich die Festivitäten in der zweiten Augusthälfte. Wenig überraschend ist ein Festbeginn mit dem Aufgebot der «Grosskopferten»: In einer Festsitzung gab es Festreden von Politikern und eine Geschichtslektion von Rudolf Laur-Belart, Professor für Ur- und Frühgeschichte. Symbolkraft hatte die Gründung der Stiftung Jugendhaus der GGG.

Tags darauf reisten frühmorgens rund 800 Ehrengäste nach Augst, wo im römischen Theater u. a. der Bürgermeister von Gaeta der Stiftung «Pro Augusta Raurica» einen Abguss der Grabplatte von Lucius Munatius Plancus überreichte. Nach diesem von den Landschäftlern finanzierten Auftakt auf Baselbieter Boden reiste die Festgemeinde ab Birsfelden mit Ausflugsbooten zur Schifflände. In dem später erschienenen Erinnerungsbüchlein zeigen Fotos den Rhein voller Schiffe und am Ufer und auf den Brücken ein Publikum, das der «dunkelgekleideten Männergesellschaft» (alt Nationalrat Felix Moeschlin) zuwinkte.

Der Münsterhügel als Festplatz

Nach dem Bankett im Stadtcasino formierten sich die Gäste zu einem Festumzug. An den dichten Zuschauerreihen zogen Kantonsregierungen in corpore, Bundesräte, General Guisan (auf einer Chaise), aber auch Trachtenleute und Zunftmitglieder via Marktplatz und Freie Strasse zum Münsterplatz. Bei der Uraufführung von «Der Basler Stadtspiegel», verfasst vom späteren Dialektpapst Rudolf Suter, wirkten viele damals bekannte Schauspieler mit – von den jungen Blanche Aubry und Helmut Förnbacher bis zu den arrivierten Alfred Rasser und Ruedi Walter. Auch fasnächtliche Klänge fehlten nicht mit Neukompositionen des «Drummelidoggters» Fritz Berger.

Nach einem Empfang am Samstagvormittag für 400 Auslandbasler wurde am Abend und die ganze Nacht hindurch das Areal des einstigen römischen Kastells zu einem riesigen Festareal. Die Zugänge markierten originell bemalte Triumphbogen und in den zahlreichen «Burgschenken» tranken viele Festbesuchende aus Tonbechern. Nach einer groben Schätzung der «National-Zeitung» waren in dieser Samstagsnacht gegen 150'000 Besucherinnen auf den Münsterhügel geströmt. Etwas vorsichtiger war die «Basler Nachrichten», die von 100'000 schrieb und sicher nicht zu Unrecht titelte: «Ein Basler Volksfest wie nie zuvor».

Wenn man sich etwas in die damalige Berichterstattung und in die Fotos vertieft, dann hat man tatsächlich den Eindruck, dass mit diesem «Fest des Basler Volkes» ein neuer Massstab Basler Festkultur gesetzt wurde, die seither immer wieder gelebt wird.

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* Der Autor ist Kulturwissenschaftler und ehemaliger Vizedirektor am Museum der Kulturen Basel. Die «Basler Geschichte(n)» ist nachlesbar auf: www.stadtgeschichtebasel.ch

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