«Menschliche Rohstoffe»

Eine überraschende Allianz: Thüring und Krummenacher haben denselben Feind

Toya Krummenacher und Joël Thüring sind sich einig: Der Name «Human Resources» ist alles andere als bürgernah. Die Mitarbeitenden als «menschliche Rohstoffe» zu bezeichnen sei abwertend. (Symbolbild)

Toya Krummenacher und Joël Thüring sind sich einig: Der Name «Human Resources» ist alles andere als bürgernah. Die Mitarbeitenden als «menschliche Rohstoffe» zu bezeichnen sei abwertend. (Symbolbild)

Die Umbenennung einer Abteilung beim Kanton Basel-Stadt führt zu einer unerwarteten Zusammenarbeit.

Zentraler Personaldienst, so lautete der Name gestern. Human Resources heisst die Abteilung im Basler Finanzdepartement seit kurzem. Toya Krummenacher, SP-Grossrätin und VPOD-Gewerkschaftssekretärin, bemerkte den klammheimlichen Namenswechsel als Erste. «Diese Namensänderung hätte man sich getrost sparen können», twitterte der VPOD zu einem Foto eines Briefes, der die Umbenennung verkündet. SVP-Grossrat Joël Thüring fragte sich: «Das ist ein Witz, oder?»

Einige Tweets später schmieden Krummenacher und Thüring bereits eine überraschende Allianz. Gemeinsam wollen sie einen Vorstoss zum Namenswechsel im Grossen Rat einreichen. Thüring sagt auf Anfrage: «Ich schreibe gerade den Entwurf.» Er finde die Umbenennung unnötig, da Anglizismen sowieso aus der Mode seien. Zudem sei der Name «Human Resources» alles andere als bürgernah. «Das ist einfach das falsche Signal des Kantons», so Thüring.

Die menschlichen Rohstoffe

Krummenacher pflichtet ihm bei: «Wieso muss der Name englisch sein? Wir haben in Basel auch keine ‹Firefighters›, sondern eine Berufsfeuerwehr.» Zudem würden die Mitarbeitenden es abwertend empfinden, als «menschliche Rohstoffe» bezeichnet zu werden. In der Privatwirtschaft würden etwa vermehrt wieder deutsche Begriffe genutzt.

Während sich die SP-Politikerin und der SVP-Grossrat auf Twitter schnell einig wurden, mischt sich Jérôme Thiriet, Grossrat beim Grünen Bündnis, in die Diskussion ein. Er schreibt: «Meine Erfahrung ist, dass es den Leuten wurst ist, wie die Abteilung heisst, solange sie gute Arbeit macht und der Lohn rechtzeitig kommt.» Ob er Velokurier, Fahrradkurier oder «Bike Messenger» heisse, habe keinen Einfluss auf den Erfolg seiner Kurierzentrale in Basel. «Vor 15 Jahren stand tatsächlich schon mal ‹Beamer Universal Messenger Services› auf allen Schildern», twittert Thiriet.

Dass die Umbenennung des Zentralen Personaldiensts zu Aufruhr in den sozialen Medien sorgte, erfuhr auch Sven Michal. Der Sprecher des Finanzdepartements erklärt: «Wir wollten einen moderneren Namen für unsere Abteilung. In den meisten Unternehmen spricht man von Human Resources.» Darum prangt nun ein neues Schild an der Bürotür. «Übrigens: Gekostet hat der Namenswechsel fast nichts», fügt Michal an. Das Büromaterial mit dem alten Namen drauf werde einfach aufgebraucht.

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