Uni Basel
Eine Verdoppelung der Gebühren für ausländische Studenten könnte zum Rohrkrepierer werden

Die Uni Basel will mit einer Erhöhung der Studiengebühren Mehreinnahmen generieren. Im Raum stehen eine flächendeckende Erhöhung um 100 Franken oder die Verdoppelung der Gebühren für ausländische Studenten. Berechnungen der bz zeigen nun: Die zweite Variante könnte rasch Minder- statt Mehreinnahmen generieren.

Samuel Hufschmid
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7,5 Millionen Franken aus Bern sind an die Anzahl ausländischer Studenten gekoppelt.

7,5 Millionen Franken aus Bern sind an die Anzahl ausländischer Studenten gekoppelt.

Juri Junkov

Die bz machte gestern publik, dass die Universitätsleitung derzeit die Erhöhung der Studiengebühren prüft. Nebst einer generellen Erhöhung für alle Studenten um 100 Franken pro Semester steht auch die Verdoppelung für ausländische Studenten im Raum.

Reaktionen

«Werden heftig Tumult machen»

Die linken Jungparteien zeigen sich erbost ob der Pläne der Uni, die Studiengebühren zu erhöhen. «Es kann nicht Aufgabe der Studierenden sein, die Sparwut des Kantons Basel-Landschaft auszubaden», sagt Raffaela Hanauer, Co-Präsidentin des jungen grünen Bündnisses und Mitglied im Studierendenrat.

Zusammen mit den Jungsozialisten aus den beiden Basel wollen die jungen Grünen eine Petition an das Rektorat der Uni Basel einreichen. «Im schlimmsten Fall rufen wir gemeinsam mit den Jusos alle Studierenden zum Protest auf», sagt Hanauer. Diese hätten ebenfalls Vertreter im Studierendenrat und «werden auch dort heftig Tumult machen».

Die Juso kündigte ebenfalls an, sich «vehement» zur Wehr zu setzen. Naturgemäss anders sehen dies die bürgerlichen Jungparteien. «Die Studenten sollen grundsätzlich mehr zu den verursachten Kosten beitragen», findet Naomi Reichlin von den Baselbieter Jungfreisinnigen. Weitere Ideen müssten dringend diskutiert werden, etwa «noch höhere Studiengebühren, welche während der Studienzeit durch zinslose Darlehen beglichen werden».

Auch die junge SVP aus dem Baselbiet zeigt sich zufrieden über die von der bz publik gemachten Ideen: «Wir befürworten eine massiv grössere Kostenbeteiligung der in- und ausländischen Studierenden. Eine Anpassung der Interkantonalen Universitätsvereinbarung wäre zudem nötig.» (bro)

Diese Forderung hatten bürgerliche Parteien bereits in der Vergangenheit gestellt. Universitätssprecher Matthias Geering sagte am Donnerstag, dass die Universität die Auswirkungen der beiden Varianten «noch nicht im Detail analysiert» habe.

Recherchen der bz zeigen nun, dass diese Analyse zu einem überraschenden Ergebnis führen dürfte. Die einfache Milchbüchlein-Rechnung: Gebühren rauf, Einnahmen rauf, geht in diesem Fall nämlich nicht auf, wie auch Unisprecher Geering bestätigt.

Der Grund dafür ist, dass zehn Prozent der Bundesgelder für die Unis direkt mit der Anzahl ausländischer Studenten zusammenhängen. 2015 spülte diese Direktzahlung 7,5 Millionen Franken in die Kasse der Uni Basel, bei einem Anteil ausländischer Studenten von 16,3 Prozent. Nimmt die Anzahl ausländischer Studenten ab, sinken die Extra-Direktzahlungen proportional.

Minder- statt Mehreinnahmen

Zwei Rechenbeispiele zeigen, was dies für finanzielle Auswirkungen haben könnte: Sinkt der Anteil ausländischer Studenten bei einer Verdoppelung der Gebühren auf 10 Prozent, so führt das nicht zu den erwünschten Mehreinnahmen, sondern zu Mindereinnahmen von rund 2,2 Millionen Franken pro Jahr (Balken ganz rechts). Dies, weil der Bund statt 7,5 Millionen nur noch 4,6 Millionen Franken bezahlt.

Bereits bei einem Absinken der Studentenzahlen um vier Prozentpunkte auf 12,3 Prozent geht die Rechnung nicht auf – es entstehen Minder- statt Mehreinnahmen. Einzig wenn die Anzahl ausländischer Studenten trotz Verdoppelung der Studiengebühr relativ konstant bleibt (zweiter Balken), entstehen Mehreinnahmen in Millionenhöhe.

Mit den Berechnungen der bz konfrontiert, sagt Geering: «Zu den genauen Zahlen kann ich mich derzeit nicht äussern, aber wir kalkulieren auf eine vergleichbare Art und Weise.» Auch ihre Erhebungen hätten gezeigt, dass Anpassungen der Studiengebühren weniger starke Auswirkungen haben, als dies zu erwarten wäre. «Zudem ist auch nicht voraussehbar, wie der Markt auf Veränderungen reagiert. Also wie viele Studenten sich gegen die Uni Basel und für eine andere Uni entscheiden, wenn die Universität Basel die Gebühren erhöht.»

Fakt ist: Von allen Volluniversitäten der Schweiz hat Basel für Schweizer Studierende bereits jetzt die höchsten Studiengebühren. Für Ausländer ist lediglich die Uni Zürich teurer (1269 Franken pro Semester). Nebst Zürich verlangt nur Neuenburg höhere Gebühren für Ausländer – 790 Franken statt 515. Die günstigste Volluniversität leistet sich Genf mit 500 Franken Semestergebühren für Schweizer und Ausländer.

«Der Ausländeranteil der Uni Basel liegt schon jetzt unter jenem anderer Schweizer Universitäten. Ein Rückgang führt nicht nur zu geringeren Bundesbeiträgen, sondern schwächt auch die Internationalisierung, was für den Forschungsstandort negative Auswirkungen hat», so Geering.