Die Fusion, Wiedervereinigung oder Neuvereinigung der Basler (Halb-)Kantone ist in aller Munde. Von den Wirtschaftsverbänden bis ins linksgrüne Lager wird die Idee begrüsst und fast schon bejubelt. Die Kuschelrockstimmung ist aber trügerisch. Einig ist man sich nur darüber, dass etwas geschehen muss. Was geschehen soll im vereinigten Basel, ist aber bei Weitem nicht klar. Eine der vielen aufreibenden Fragen wird die Hauptstadt-Frage sein. Naheliegend ist die Antwort: entweder Basel oder Liestal. Doch muss das wirklich sein?

Wir Basler (beider Basel) sind nicht die ersten, die mit solchen Problemen konfrontiert werden. Bei der Neugliederung eines Territoriums spielen Neid, Missgunst oder auch nur gekränkte Gefühle immer wieder eine Rolle. Auch im Falle eines vereinigten Basels wäre die Wahl für eine der beiden Städte und somit gegen die andere ein Zankapfel, der wichtigere Fragen blockieren könnte.

Eine neue Stadt?

Warum also keine Planhauptstadt? Neben den neu zu schaffenden Bezirken muss ein «District of Columbia» oder «Distrito Federal (in casu Cantonal)» geschaffen werden. Ein Stück des neuen Kantons Basel, das niemandem «gehört», ausser dem Kanton und in welchem nur die Verwaltung und Dienstleister untergebracht sind. Im «Distrito Cantonal DC» wird nicht gelebt und entsprechend auch nicht gewählt. Kein Basler (beider Basel) ist Hauptstadtbewohner und damit bessergestellt.

Mein Fleck für unsere Hauptstadt (nennen wir sie Unitas DC) wäre ein etwa ein Kilometer langer Streifen am Rheinufer zwischen Muttenz, Pratteln und Augst, das Territorium zwischen der Autobahnausfahrt Ikea und dem Rhein, bis zum Office World im Osten (teilweise im Planungsgebiet Salina-Raurica). Hier würden moderne, funktionale Hochhäuser Verwaltung, Regierung, Parlament und Gerichte beherbergen. Daneben bestünde Platz für Post, Banken, private Firmen, Restaurants und weitere Dienstleistungen. Mit den Mietzinseinnahmen aus Unitas könnte der Kanton die laufenden Kosten der Hauptstadt tragen. Unitas DC würde weder einer Gemeinde noch einem Bezirk angehören.

Ein Himmelfahrtskommando?

Die ersten, die von dieser Idee hörten, fanden sie ein Himmelfahrtskommando, weil man sich damit in Liestal und Basel Feinde, aber nirgends Freunde macht. Müssen denn neue Ideen immer offene Türen einrennen? Denken wir die Idee doch weiter. Mit Unitas DC haben wir eine architektonisch attraktive, unabhängige und kostenlose Hauptstadt, mit der niemand per se Gefühle und Geschichten verbindet. Via

S-Bahn ist sie innert Minuten vom Oberland-, Unterland-, Rheinknie- und Westbezirk erreichbar. Die Autobahnzubringer Pratteln und Augst bestehen, die 3er-Linie vom Hardwald via Schweizerhalle nach Unitas DC zu verlängern, wäre ein Kinderspiel. Mit zwei zusätzlichen Tramhaltestellen wäre auch dem Werkplatz Schweizerhalle gedient.

Wertvoller Raum wird beamtenfrei

In den Innenstädten von Basel und Liestal wird viel wertvollster Wohnraum beamtenfrei und nutzbar für Familien und andere Mieter oder Käufer. Unitas DC liegt nah an der Grenze zwischen dem Unterland- und dem Oberlandbezirk und könnte sogar noch eine Schiffsverbindung in die Basler Innenstadt (zur Schifflände) mit einer Reisezeit von unter 20 Minuten erhalten.

Eine neue Hauptstadt wäre ein starkes Zeichen. Niemand will zurück in die Zeit von vor 1833. Es ist eine Fusion zweier gleichberechtigter Partner mit einer neuen Vision, neuen Perspektiven und einer Vorreiterrolle in der Schweiz. Eine «Bezirksfreie Zone», der «Distrito Cantonal», ist eine Chance, Rivalitäten und Zwietracht von Anbeginn zu vermeiden. Das ist wichtig, denn es gibt genug Probleme, die wir zusammen lösen müssen, da brauchen wir nicht jene zu unterstreichen, die auf jeden Fall nur Sieger und Besiegte hinterlassen.