Sieben Jahre lang musste man warten, am Mittwoch wurde sie auf 27 Seiten präsentiert: Die Museumsstrategie des Kantons Basel-Stadt. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und Sonja Kuhn, Interimsleiterin der Abteilung Kultur, haben das Versäumnis ihrer Vorgänger, Guy Morin und Philippe Bischof, nachgeholt. Deren Entwurf war im vergangenen Jahr vom Regierungsrat abgelehnt worden. Es sah unter anderem eine Superdirektion vor, die über den fünf kantonalen Museen gestanden wäre.

Das sind die wichtigsten Punkte der Basler Museumsstrategie

    

Dazu kommt es nicht, wie die Strategie zeigt, die der Regierungsrat am Dienstag durchgewunken hat. Die fünf staatlichen Häuser – Kunstmuseum, Antikenmuseum, Historisches Museum, Naturhistorisches Museum und Museum der Kulturen – sollen selbstständig agieren können. Aber sie bleiben weiterhin Staatsbetriebe. «Weil sie eng mit der Identität der Stadt verwoben sind», wie Elisabeth Ackermann sagt, «und weil ihre Sammlungen enorme Werte beherbergen und ein Vermögen des Gemeinwesens darstellen.»

Um künftig einen Schuldenberg, wie ihn die Direktorin des Historischen Museums Marie-Paule Jungblut anhäufte, zu verhindern, sollen die Museen dreimal jährlich an die Abteilung Kultur berichten, Hochrechnungen präsentieren aber auch Personalfragen diskutieren. Man erhofft sich so ein Frühwarnsystem, wenn ein Museum sein Budget nicht einhalten, seinen Auftrag nicht erfüllen kann. Auch sollen Aufgaben und Kompetenzen klarer aufgeteilt werden, als dies bisher der Fall war. Das betrifft die Kommissionen des Grossen Rats aber auch jene der Museen, deren Zuständigkeiten bislang nicht immer formal festgelegt waren.

Mehr Flexibilität für Museen

Durch das Controlling werden die Museen zwar enger mit der Abteilung Kultur zusammenarbeiten. Was die inhaltlichen Schwerpunkte angeht, so möchte man ihnen jedoch mehr Freiheiten lassen. Bisher mussten die Museen mit Jahresbudgets arbeiten, eingesparte Beträge konnten sie nur zweckgebunden einsetzen. Neu sollen sie über einen Zeitraum von vier Jahren Planungssicherheit erhalten: Die fünf Museen erhalten ein Globalbudget, mit dem sie ihre Schwerpunkte setzen und die Mittel dort einsetzen können, wo sie es für nötig halten.

In einem Jahr für eine ganz besondere Ausstellung mehr, in einem anderen weniger. Damit erhalten die Museen mehr Flexibilität aber auch Eigenverantwortung: Bei einem Defizit haben sie die Konsequenzen klar selber zu tragen. Die Einführung des Globalbudgets verlangt eine Anpassung des Museumsgesetzes, muss also noch vom Parlament verabschiedet werden.

Mit diesen Massnahmen sind aber die strukturellen Defizite nicht überwunden, mit denen das Kunstmuseum und das Historische Museum zu kämpfen haben, wie in den vergangenen Monaten bekannt wurde. In beiden Häusern sollen Betriebsanalysen in den nächsten Monaten zeigen, warum die Leistungsaufträge mit den vorhandenen Mitteln nicht erfüllt werden können respektive welche Möglichkeiten für eine Erhöhung der Eigenfinanzierung vorhanden sind. Dafür werden Raummieten, Technik-, Personal- und Sicherheitskosten durchleuchtet. Auch die anderen drei Museen werden bis 2020 analysiert. Warum dauert das so lange? Weil Mittel und Personal fehlen, sagt Ackermann.

Elisabeth Ackermann zu finanziellen Problemen der Basler Museen

   

Neubau im St. Johann geplant

Die Strategie hält auch an der Absicht fest, das Naturhistorische Museum aus dem sanierungsbedürftigen Berri-Bau in einen Neubau beim Bahnhof St. Johann zu verlagern, zusammen mit dem Staatsarchiv. Das Bauprojekt soll dem Grossen Rat im Sommer 2018 vorgelegt werden. Der Berri-Bau soll nach seiner Sanierung weiterhin als Museum genutzt werden, ob für das Antikenmuseum oder das Historische Museum, ist allerdings noch völlig offen, da eine entsprechende Nachnutzungsstudie aussteht.

Was die privaten Museen angeht, so konzentriert sich die Regierung auf alle bisherigen unterstützten Museen, inklusive Augusta Raurica im Kanton Baselland, mit einer Ausnahme: Das Sportmuseum (siehe Kasten) passt nicht mehr ins Konzept. Dieses fokussiert sich auf Kunst-, Architektur- und historisch gewachsene Museen. Visionen oder übergeordnete Kooperationsmöglichkeiten mit privaten Museen werden in der Strategie nicht thematisiert, auch sind einige wie das Museum Tinguely gar nicht erst erwähnt.

Elisabeth Ackermann will die Museumsdirektoren an der langen Leine lassen

    

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Die Pressekonferenz zum Nachlesen: