Basler Fasnacht

Eine ziemlich teure Basler Fasnacht: Millionenausfälle und anständige Bürger

Aadie Fasnacht: Viel war von ihr 2020 nicht zu sehen.

Aadie Fasnacht: Viel war von ihr 2020 nicht zu sehen.

Die Gastronomie rechnet mit Millionenausfällen wegen der Absage der Basler Fasnacht. Immerhin hatte die Polizei bis zum Nicht-Ändstraich 2020 wenig Konflikte zu lösen.

Die Basler Fasnacht 2020 wird nicht so schnell vergessen gehen – obwohl sie offiziell nicht stattgefunden hat. Von den jährlich 200'000 erwarteten Menschen, die jeweils sechs Wochen vor Ostern Basel besuchen, kam nicht einmal ein Bruchteil ans Rheinknie. Es war ja kaum Nennenswertes los. Und von den schätzungsweise rund 20'000 aktiven Fasnächtlern zog es gerade mal etwa 2000 zur einzigen diesjährigen Massierung: dem trotz Absage vollzogenen Morgestraich.

Entsprechend schätzt Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands, die wirtschaftlichen Ausfälle für die Branche auf etwa 10 Millionen Franken. In einem Essay auf dem Portal primenews.ch hielt er zwar fest, dass die Auslastung einzelner Beizen dank Solidaritätsbuchungen zumindest am Montag und Dienstag einigermassen gut war, die meisten Lokale aber letztlich doch unter den ausbleibenden Fasnachtsgästen litten.

Restaurant Schafeck im Kleinbasel

Restaurant Schafeck im Kleinbasel

Ebneter rechnete zudem die weiteren Ausfälle in den von Corona-Präventionsmassnahmen betroffenen «Super-Monaten» Februar und März hoch. In dieser Zeit werde rund ein Viertel des Jahresumsatzes von rund 800 Millionen Franken gemacht. Beziehe man die abgesagte Baselworld sowie weitere Events mit ein, sei einnahmenseitig mit Ausfällen von 25 bis 30 Prozent beziehungsweise rund 50 Millionen Franken zu rechnen. Ebneter fordert daher im gleichen Zug Unterstützungsleistungen seitens öffentlicher Hand.

Comité zieht am Montag Bilanz, Fasnächtler zeigten Respekt

Das Basler Fasnachts-Comité, das die Absage der Fasnacht mit der Basler Regierung koordiniert hatte, hält sich zurzeit aber noch zurück. Man sei noch nicht so weit, weitere Aussagen zur Ausfall-Fasnacht zu machen, wie Obfrau Pia Inderbitzin auf Anfrage sagt. Das Comité treffe sich am Montag zu einer Sondersitzung, um die Lage zu analysieren. Klar ist bereits, dass die verkauften Fasnachtsplaketten nicht rückerstattet werden. Die Cliquen sollen ihre Subventionen aus dem Erlös auch dieses Jahr erhalten. Noch keine Ausfälle, aber düstere Prognosen stellen zurzeit die Fasnachtskünstler: Sie befürchten, dass wegen des Sujet-Aufsparens vieler Vereine die Saison 2020/21 empfindlich weniger Aufträge bringen werde.

Auf dem Marktplatz parken normalerweise während der Fasnacht Waggiwage und machen Pause. Dieses Jahr blieb der Platz quasi menschenleer und frei von Räppli

Infomobil statt Waggiswage

Auf dem Marktplatz parken normalerweise während der Fasnacht Waggiwage und machen Pause. Dieses Jahr blieb der Platz quasi menschenleer und frei von Räppli

Draussen auf der Strasse blieb es während der drei Tage nicht nur klanglich, sondern auch konfliktseitig deutlich ruhiger. Die Basler Polizei markierte sehr deutlich Präsenz, verteilte stapelweise Hinweisflyer, musste aber bei weniger Konflikten eingreifen als gewöhnlich, wenn die Stadt voller Kostümierter und Alkoholisierter ist. Eine definitive Bilanz werde erst im Lauf des Donnerstags kommuniziert, sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Es sei aber grundsätzlich ruhig geblieben: «Trauer und Verständnis stehen nicht im Gegensatz zueinander.»

Morgenstreich 2020

Trotz des geltenden Massenveranstaltungsverbots des Bundes fand am Montagmorgen, 2. März 2020, in Basel um 4 Uhr ein Morgestraich statt.

  

Das Ende von sehr langen 72 Stunden

War man unterwegs, entdeckte man durchaus Spuren einer diesjährigen Fasnacht. So trafen sich am Dienstag für einmal auch in den Quartieren Familien, die ihre Kleinsten kostümiert hatten. Gesetzesverstösse oder Eskalationen wurden aber weitgehend vermieden.

«Dr Cortège goht dr Bach ab! »Vis-à-vis des Basler Münsters liess sich am Montag ein Aktiver samt Piccolo den Rhein herunter treiben.

«Dr Cortège goht dr Bach ab! »Vis-à-vis des Basler Münsters liess sich am Montag ein Aktiver samt Piccolo den Rhein herunter treiben.

Meist reichte ein Hinweis der Polizei, wie ein Video zeigte, das am Mittwoch kursierte: So hielt eine Patrouille auf dem Münsterplatz eine Gruppe pfeifender Fasnächtler an, die daraufhin ihre Piccolos wieder einpackten. Am Mittwochabend hielten sich noch die letzten Aktiven in den Beizen auf, zu einem nennenswerten Ändstraich kam es nicht. Am Schluss waren die meisten Fasnächtler nur noch froh, dass diese 72 Stunden endlich vorbei sind.

Ein Funken Kinderfasnacht

Ein Funken Kinderfasnacht am Dienstag.

  

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