Wer nach der obligatorischen Schulzeit keinen Abschluss in der Tasche hat, der hat ein Problem. Ohne gültiges Abschlusszeugnis ist es schwierig bis unmöglich, eine Lehrstelle zu finden. Und ohne eine Ausbildung wird es längerfristig in der Berufswelt schwierig. Seit 2003 gibt es darum in beiden Basel die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres einen anerkannten Volksschulabschluss nachzuholen. «Link zum Beruf» heisst der Lehrgang für junge Erwachsene, wobei jung nicht so genau definiert ist: Die Absolventen sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. «Ursprünglich wurde das Angebot für junge Ausländer geschaffen», sagt «Link zum Beruf»-Leiterin Edith Honegger. Also für junge Menschen, die erst nach der obligatorischen Schulzeit in die Schweiz kommen.

Erstaunlicherweise sind es längst nicht nur Migranten ohne Abschluss, die nun ein Jahr lang an zwei Tagen Mathematik, Deutsch, Französisch und viele weitere Fächer büffeln. Rund die Hälfte sind Schweizer oder wuchsen in der Schweiz auf. Es gibt unzählige Gründe, warum sie als Teenager den Schulabschluss verpassen. «Oftmals haben sie als Jugendliche problematische Biografien», sagt Honegger. Damit meint sie Heimkarrieren, Frauen, die sehr jung schwanger wurden, Mobbing in der Schule, Drogenprobleme, ein Todesfall in der Familie sowie psychische oder körperliche Krankheiten. Die Liste der Probleme, welche die Schule für junge Menschen zur Nebensache werden lassen, liesse sich beliebig fortsetzen.

Die Statistik versagt

Eine zuverlässige Angabe, wie viele Schweizerinnen und Schweizer ohne Volksschulabschluss nach neun Jahren oder früher die Schule verlassen, ist allerdings nicht verfügbar. Die Zahl ist schwierig zu erheben: Viele treten vor Ende der obligatorischen Schulzeit aus der Schule aus, weil sie zum Beispiel den Kanton wechseln, andere setzen aus und kommen wieder retour. Ein Indikator, dass es mehr sind als nur Einzelfälle, die kein Abschlusszeugnis in der Tasche haben.

Das erklärte Ziel des Bundes und der Kantone ist, dass 95 Prozent der Bevölkerung bis zum 25. Altersjahr eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II erreichen. Also eine Berufslehre, die Matur oder eine andere Mittelschule absolvieren, was einen Volksschulabschluss voraussetzt. Erreicht ist dieses Ziel nicht. Nach nicht mehr ganz aktuellen Zahlen sind es zwischen 89 und 93 Prozent; spezifische Zahlen für den Kanton Basel-Stadt waren auch hier nicht kurzfristig verfügbar.

Für sich spricht jedoch die Zahl der Anmeldungen für «Link zum Beruf». Im letzten Jahr waren es über 90. «Wir hätten locker mehr nehmen können als 32», sagt Honegger. Die Absolventen sind in zwei Klassen aufgeteilt, eine entspricht dem Leistungsniveau A (Allgemeine Anforderungen) der Sekundarstufe, die zweite dem Leistungsniveau E (Erweiterte Anforderungen). «Für viele ist es das erste Mal, dass sie gerne zur Schule gehen», sagt Honegger. Trotz der grossen Motivation gibt es pro Jahr und Klasse einige wenige Fälle, die früher aufhören.

Die Ausbildung kostet rund 1400 Franken. Der zeitliche Aufwand hält sich ebenfalls in Grenzen: Schule an zwei Tagen, dazu kommen rund sechs Stunden Hausaufgaben. Theoretisch wäre es möglich, nebenbei 60 Prozent zu arbeiten. «Viele sind allerdings nicht berufstätig nebenher», sagt Honegger. Etliche der Absolvierenden beziehen Sozialhilfe. «Das Ziel ist es, dass die den Einstieg in die Arbeitswelt schaffen», sagt Honegger. Um dies zu erleichtern, erhalten die späten Schülerinnen und Schüler ein Coaching für die Lehrstellensuche. Eine Lehrstelle zu finden, fällt allerdings gerade den älteren Absolvierenden schwer. «Viele Lehrbetriebe finden, sie seien zu alt», erklärt Honegger.

Dies sei nur ein Grund, sagt Reto Baumgartner, zuständig für die Berufsbildung beim Basler Gewerbeverband: «Es gibt tatsächlich Firmen, die quasi das Altersgefüge bei den jungen Lehrlingen nicht durcheinanderbringen wollen.» Die grössere Hürde bei der Personalauswahl seien die häufig schwierigen, mehrfach gebrochenen Lebensläufe der älteren Lehrstellensuchenden. «Das ruft Skepsis hervor.» Was aus seiner Sicht schade ist: «Es braucht Betriebe, die diesen Leuten eine Chance geben.» Gerade jetzt, in einer Zeit, in der viele Lehrstellen nicht besetzt werden könnten.