«Lockdown light» in Basel

«Einfach nur lächerlich»: Wirt des Bergrestaurants Sissacherfluh ärgert sich über Basler Wirteverband

Gleich am ersten Tag des Basler Teil-Lockdowns wichen die Städter in Scharen in die (noch) geöffneten Beizen im Landkanton aus. Vor diesem Gastro-Corona-Tourismus hatte der Basler Wirteverband gewarnt. Doch die angeblichen Profiteure verteidigen sich.

100 Schritte sind es von der Stadtgrenze bis zum «Pia’zza» in Binningen. Im Café an der Hauptstrasse waren am Montag schon am Vormittag alle Gipfeli weg. «Seit 7 Uhr haben wir Fullhouse», sagt die Bedienung zur bz. «Es ist unglaublich.» Ähnlich erging es dem «Mesana» in Birsfelden. «Wir haben wirklich viele Gäste für einen Montag», sagt eine Angestellte am Telefon. Auch sie weiss: Es war kein normaler Montag. Sondern der erste Tag, an dem in Basel-Stadt der dreiwöchige Teil-Lockdown in Kraft trat, der auch für Restaurationsbetriebe gilt.

Mit den Schilderungen aus den beiden Cafés scheinen sich die Befürchtungen des Basler Wirteverbands zu bewahrheiten. Dieser behauptete in einem Facebook-Post vom Sonntag, die Kollegen im Baselbiet würden bereits eine «massive Zunahme» von Reservationen für die nächsten drei Wochen verzeichnen. Dies sei von verschiedenen Seiten berichtet worden.

«Wir können schliesslich nichts dafür, dass Basel-Stadt die Schraube angezogen hat»

Falls Gastro Baselland noch nicht wisse, wer nächstes Jahr zum Ehrenmitglied ernannt werden solle: «Jetzt fallen Euch bestimmt einige prominente Namen ein.» Gemeint ist der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, der den Baselbietern nun einen, so impliziert es zumindest der Verband, Wahnsinnsumsatz bescheren wird, weil die Basler Beizen geschlossen bleiben.

Man könne im Baselbiet ja nichts dafür, dass die Stadt die Schraube angezogen hat, so der Wirt des Restaurants Sissacherfluh.

Man könne im Baselbiet ja nichts dafür, dass die Stadt die Schraube angezogen hat, so der Wirt des Restaurants Sissacherfluh.

Bei Alain Goepfert, dem Wirt des Bergrestaurants Sissacherfluh, kommt diese Polemik nicht gut an. «Bei allem Respekt, den ich gegenüber dem Wirteverband Basel-Stadt für dessen gute Arbeit habe: Erstens stimmen diese Aussagen nicht – ich verzeichne keine neuen Reservationen von Städtern –, und zweitens ist das einfach nur lächerlich, die Baselbieter nun als Profiteure hinzustellen. Wir können schliesslich nichts dafür, dass Basel-Stadt die Schraube angezogen hat», poltert er.

Gastro Baselland: Ansturm hält sich noch in Grenzen

Laut Fabienne Ballmer, Co-Präsidentin von Gastro Baselland, hält sich der Ansturm auf Baselbieter Beizen tatsächlich noch in Grenzen. Sie sagt: «Von einer massiven Zunahme, wie es der Wirteverband schreibt, kann bis jetzt keine Rede sein. Aber es gibt schon Wirte, die mehr Reservationen verzeichnen.»

Es sei aber noch zu früh, um abschliessend einzuschätzen, wie sich der Mini-Lockdown in Basel aufs Land auswirken werde. Ballmer betont zudem: «Das Baselbiet ist bereits vor den neuen Massnahmen von vielen Baslern besucht worden, weil Ausflüge in die Natur in diesen Zeiten beliebt sind.»

Beizen im Baselbiet sind wegen strengen Regeln jetzt schon voll

Besonders störend für Goepfert von der «Sissacherfluh»: «Mit seinen Aussagen befeuert der Wirteverband eine Konkurrenzsituation, die es so gar nicht gibt. Man kann die Basler nicht mit der Baselbieter Beizenszene vergleichen.»  Der Druck, der aus dieser Richtung käme, sei nicht in Ordnung, weil er provoziere, dass nun auch die Baselbieter Regierung, die bis dato sehr sachlich gehandelt habe, über ähnlich rigorose Schritte nachdenken könnte. Dies würde aber keinen Sinn machen: «Auf dem Land gibt es keine Ausgangsmeile wie die ‹Steine› in Basel und deshalb auch keine Massierungen – im Gegenteil, die Leute verteilen sich auf die zahlreichen kleinen Dörfer mit viel Umschwung.»

Zudem, so Goepfert weiter, hätten die meisten Beizen im Baselbiet wegen der strengen Massnahmen schon jetzt keinen Platz mehr: «Wer früher 50 Gäste begrüssen konnte, kann mit den aktuellen Regeln noch ungefähr deren 20 bewirten.» Ein gewinnbringendes Geschäft sei das nicht – von profitieren also «keine Spur». 

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