Weisse Kacheln, viel Holz, hier hängen Fotos, da Kinderzeichnungen an den Wänden. Auf den Tischen stehen grosse Pelati-Dosen mit Besteck. Es duftet nach frisch gebackener Pizza. Knusprig und dampfend liegen die italienischen Spezialitäten in der Auslage, mit saftigem Rohschinken oder knackigem Gemüse belegt.

Doch noch ist das Lokal nicht geöffnet. Die Mitarbeiter wuseln durch die Gänge, fleissig wird geknetet und gebacken. Im Hintergrund trällern Al Bano und Romina Power «Felicità». In der hintersten Ecke des Lokals am Aeschengraben sitzen vier junge Männer, zwei von ihnen mit langen Haaren und Bärten, die anderen beiden nicht weniger cool.

Diese stylishen Typen, die hier so locker mit ihren Birkenstock und weissen Sneakers sitzen, sind die Köpfe hinter «Vito». Kristopher Wiegand, Francesco Ruinelli, Philippe Hersberger und Lukas Riesen heissen die vier, die mit ihren Pizzas die Basler Gastroszene aufmischen.

Angefangen hat ihre Erfolgsgeschichte mit einem abgebrochenen Studium – oder besser gesagt zwei. Kristopher Wiegand, der hier so entspannt mit aufgeknöpftem Hemd und Finken sitzt, wollte eigentlich Lehrer werden. Nach einem abgebrochenen Sport- und Deutschstudium und einem Semester Wirtschaft hatte er genug vom Hörsaal. Viel lieber kaufte er sich einen Pizza-Anhänger und einen Citroën, den er zum Crêpestand umbaute.

Auf der Suche nach dem passenden Ort, wo er seine Kreationen an die Leute bringen konnte, traf er auf Lukas Riesen und Philippe Hersberger, die damals die Hinterhof Bar gegründet und betrieben haben.

Ein Zusammentreffen mit köstlichen Folgen

Lange Rede, kurzer Sinn: Aus Pizza und Crêpes wurde eine Hot-Dog-Bude, mit der Wiegand das Partyvolk verköstigte. Im «Hinterhof» lernte er auch den gelernten Bäcker und Konditor Francesco Ruinelli kennen, der dort als Barchef tätig war. In ihm fand er den perfekten Partner, mit dem er sich in das nächste Abenteuer stürzen konnte. Wiegand wollte nämlich immer noch Pizza backen. Und das taten sie dann auch. Ab 2015 verkauften die beiden als «Pizza Bros» in der Markthalle ihre Pizzas und Würstchen – mit Erfolg.

Die zwei Jungs vom «Hinterhof» kamen kurz darauf dazu. Knapp ein Jahr später eröffnete das Quartett sein erstes Lokal an der Güterstrasse – aus den «Pizza Bros» wurde «Vito». Die Nachfrage sei von Beginn an gross gewesen.

«Nach anderthalb Jahren harter Arbeit kam das zweite Glück irgendwie zu uns, wie bei einer Familie, die unerwartet Zuwachs bekommt», sagt Wiegand. Damit meint er den neuen Standort am Aeschenplatz, der seit der Eröffnung im vergangenen Jahr genauso gut läuft. Doch was ist das Rezept für diesen Erfolg?

«Kris und Francesco waren schon in der Markthalle einfach Rock’n’Roll», erzählt Riesen. Nie wollten sie einfach nur Pizza backen. «Wir wollen unsere Gäste begeistern», sagen sie. Die stetig wachsende Community gibt ihnen Recht.

Sogar «Fanartikel» gibt es und die Nachfrage ist gross. Denn der Name «VITO» hat sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Lifestyle entwickelt. Die Hoodies und T-Shirts mit dem VITO-Print zieren nicht mehr nur die Oberkörper der Angestellten, sondern auch der Hipster dieser Stadt. Somit ist eines klar: «Hier geht es um mehr als Pizza», wie Hersberger sagt.

Doch nicht nur die unkomplizierte Atmosphäre und die herzlichen Gastgeber, auch die Pizza ist ein Publikumsmagnet. Diese kommt hier nicht in der herkömmlichen Form, sondern am Meter auf den Tisch. «Man kann sie gemeinsam geniessen», so Wiegand. Auch an hochwertigen Zutaten wird nicht gespart. Das beste Mehl aus Neapel, erstklassige Tomatensauce und dazu erhält der Teig die nötige Ruhe, um «fluffig» und leicht bekömmlich zu werden.

«Recherchen» in der Hauptstadt der Pizza

Noch vor ihrer Zeit in der Markthalle sind die «Bros» herumgereist, wo sie sich unter anderem in der Hauptstadt der Pizza «zu Recherchezwecken» die Bäuche vollgeschlagen haben. «Wir haben in Napoli an einem Tag um die acht Pizzen gegessen», sagt Wiegand schmunzelnd.

Diese Hingabe und Begeisterung, welche die Vier für das, was sie tun, aufbringen, ist nicht nur ansteckend, sondern auch ein grosser Teil ihres Erfolgs. Sie seien halt alle irgendwie wahnsinnig. «Wir sind eigentlich wie eine Pizza mit vier unterschiedlichen Zutaten», meint Hersberger. Alle lachen, während Wiegand anfügt: «Genau, eigentlich sind wir alle Pizza.»