Claude Wyler, Vizepräsident des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen (NQVG), macht sich Sorgen. «Wir erhalten zu wenig Informationen, kommen an die Planungen nicht ran und können die Anliegen des Quartiers nur ungenügend einbringen. Von den SBB heisst es nur, es wird schon gut.»

Der Quartierverein hat sich deshalb entschlossen, Einspruch gegen drei Baubegehren der SBB zu erheben. Bei den Vorhaben handelt es sich um das Meret-Oppenheim-Hochhaus, die Umgestaltung des Meret-Oppenheim-Platzes und das neue Logistikzentrum – alle ganz in der Nähe der bestehenden Passerelle auf der Gundeldinger Seite des Bahnhofs.

Wyler kritisiert vor allem, dass der Ausgang der neuen unterirdischen Querung, die den Meret-Oppenheim-Platz mit dem Durchgang beim Elsässer Tor und dem Westflügel des Basler Bahnhofs SBB verbinden soll, zu eng wird. In seiner Medienmitteilung geht der NQVG von einer Breite von acht Metern aus. «So wird der Eingang ins Gundeli zum Sackbahnhof und funktioniert nicht als Durchgang», argumentiert Wyler. Neben der Querung entsteht ein Logistikzentrum, Wyler befürchtet, dass es schnell geplant und umgesetzt wird. «Das wird nicht umgebaut, wenn der Zugang zur Querung sich als zu schmal erweist.» Ein wirklicher Durchgang müsse 15 oder 16 Meter breit sein.

Veloabstellplätze fehlen

Weiter kritisiert der Quartierverein, dass mit den drei Vorhaben keine neuen, öffentlich zugänglichen Veloabstellplätze geschaffen werden, obwohl 1700 Plätze fehlen. Ausserdem müsse die Umgestaltung des Platzes den Bezug zum Quartier zeigen. Wyler wie NQVG-Präsidentin Beatrice Isler betonen, dass sich die Einsprachen nicht gegen die Projekte als solches wenden, da eine Entwicklung des Südausgangs des Bahnhofs wichtig und positiv sei.

Ein wichtiger Grund für die Einsprachen ist die bisweilen ungeschickte Informationspolitik der SBB, die auch daher rührt, dass es mit den SBB Immobilien, SBB Infrastruktur und SBB Personenverkehr drei Geschäftsbereiche gibt, die nicht immer voneinander wissen, was die andere Seite gerade plant und vorhat. So waren die SBB Immobilien bei einer Informationsveranstaltung zum Meret-Oppenheim-Hochhaus Mitte Dezember nicht in der Lage, Fragen zur unterirdischen Querung zu beantworten, die viele Quartierbewohner interessierten.

Selbst zum Immobilienprojekt gaben die SBB sich bedeckt: «Auf die Frage, wie teuer eine 3,5-Zimmer-Wohnung im neuen Hochhaus wird, hat der Gesamtprojektleiter nur zu sagen gewusst, dass es teurer als ein Studio sei«, ärgert sich Beatrice Isler noch heute.

Insgesamt drei Einsprachen

Zuständig für die Prüfung der Einsprache ist Luzia Wigger, im Bau- und Gastgewerbeinspektorat Leiterin Baubewilligungen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, darf sie sich dazu nicht äussern, teilt aber zumindest mit, dass Einsprachen von zwei Verbänden und einer Privatperson eingegangen sind. Wer der andere Verband ist, sagt sie nicht.

Claude Wyler rechnet mit einer Antwort in ein bis zwei Monaten. Ob der NQVG einspracheberechtigt ist, sei Interpretationsfrage. «Es heisst, eine Mehrheit der Mitglieder muss im Einzugsgebiet wohnen. In Normalfall wird das Anliegen aber geprüft und aufgenommen.»

Kritisch äussert sich der Verein auch zur Rolle des Kantons. «Von einer allfälligen Interessenvertretung der Stadt für das Quartier Gundeldingen ist in den vorliegenden Plänen wenig bis nichts spürbar.» Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, kommentiert das so: «Auch wir erwarten von den SBB einen engeren Einbezug der Quartierbevölkerung, insbesondere in die Gestaltung des Meret-Oppenheim-Platzes. Die Einsprache des NQV Gundeli ist eine mögliche Form, dies einzufordern.»

SBB-Mediensprecherin Lea Meyer bedauert, dass sich einige Quartierbewohner bei der Info-Veranstaltung zu wenig informiert fühlten, es sei damals allerdings primär um das Hochhaus gegangen. «Wir sind momentan in einer sehr frühen Planungsphase zur neuen Unterführung. Deshalb konnte diese noch nicht realitätsgetreu im Modell des Hochhauses eingezeichnet werden. Selbstverständlich gehen die SBB keine Kompromisse bei der Breite der Unterführung ein: Sie wird langfristig den erwarteten Publikumsströmen entsprechend genügend breit für die Pendler am Basler Bahnhof sein.» Der Zugang werde deutlich breiter als acht Meter.

Die Velostationen würden im Rahmen eines Konzepts mit dem Kanton abgestimmt. «Übergangsmässig werden die Veloabstellplätze unter der Passerelle während der Bauzeit auf den Meret-Oppenheim-Platz verlegt, somit gehen während der Bauzeit keine Veloabstellplätze verloren», teilt Lea Meyer weiter mit.