Wochenkommentar

Einheitszone des TNW: Symbolischer Entscheid zugunsten der Stadtflucht

Die Einheitszone des TNW ist für die Kernstadt Basel kein Grund zur Freude.

Die Einheitszone des TNW ist für die Kernstadt Basel kein Grund zur Freude.

Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) hat diese Woche entschieden, dass das U-Abo weiterhin nur eine einzige Zone kennt - zum Nachteil für die Kernstadt Basel. Die Einheitszone erleichtert die Stadtflucht. Die Schweiz sollte es wagen, ihre Zukunft urbaner zu denken.

Der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) hat diese Woche entschieden, dass das U-Abo weiterhin nur eine Zone kennt. Man wolle, liess der TNW mitteilen, nicht «am Erfolgsmodell» rütteln. In der Tat ist das Ein-Zonen-U-Abo mit knapp 180 000 Abonnenten extrem erfolgreich. Es fragt sich nur, für wen.

Wem also nützt der Erfolg? Zweifellos dem Tarifverbund: Es ist deshalb nichts als logisch, dass der TNW nicht am U-Abo mit einer einzigen Zone rütteln will. Ein Wechsel auf ein anderes System hätte laut TNW «nur» 6 bis 8 Millionen Franken Mehreinnahmen gebracht – keine vier Prozent. Verständlich, will der TNW nichts ändern. Bloss: Nützt der Erfolg des U-Abos auch Basel?

Wer täglich an den Aeschenplatz fährt, bezahlt gleich viel, ganz egal, ob er im Bachletten oder in Buckten wohnt. Mit dem Unterschied allerdings, dass Wohnraum und Steuern in Buckten sicher günstiger sind. Das U-Abo hilft also dabei, der Stadt den Rücken zu kehren. Das kann nicht im Interesse von Basel sein.

Falsche Anreize

Nun würde ein in Zonen aufgeteiltes U-Abo sicher nicht zu einer Masseneinwanderung in Basel führen. Das Ein-Zonen-U-Abo ist aber ein Symptom für eine Politik, die aus Sicht der Stadt falsche Anreize setzt. Es ist deshalb bemerkenswert, dass in Basel keine Diskussion über den Preis der Mobilität stattgefunden hat. Auf nationaler Ebene haben sich die Gemüter kurz über die Idee erhitzt, dass ein Generalabonnement dereinst vielleicht 10 000 Franken kosten könnte – über einen Schlagzeilenaufreger hinaus ging aber auch dieser Ärger nicht. Dabei würde es sich lohnen, darüber nachzudenken, wie sich der abendliche Rückzug aufs Land bremsen liesse. Anders gesagt: Wir sollten nicht weiterhin die Mobilität aufwerten, sondern unsere Städte.

Städte in der Defensive

Die Krux in der Schweiz ist, dass ländliche Regionen die städtischen Zentren immer überstimmen können. Im Tarifverbund Nordwestschweiz haben Baselland, Aargau, Solothurn und Jura den Kanton Basel-Stadt im Griff. National werden die Städte nicht nur überstimmt, sondern richtiggehend in die Defensive gedrängt. Das hat nicht nur mit der Überzahl der ländlichen Kantone zu tun, es hat auch damit zu tun, dass Städte nicht so recht ins Bild passen, das die Schweiz von sich selber gerne pflegt.

Die Städte sollten deshalb den Aufstand proben. Es würde sich lohnen, die Zukunft der Schweiz einmal nicht in Landwirtschaftsgrün und Alpenweiss zu denken, sondern in den Neonfarben einer Stadt. Dazu gehört auch, dass die Schweiz sich getraut, stolz zu sein auf ihre Städte und ihre Errungenschaften. So gesehen war der Entscheid für das Einzonen-U-Abo nicht bloss ein betriebswirtschaftlicher Entscheid eines Tarifverbunds, sondern symbolisch ein Entscheid zugunsten der Stadtflucht. Deshalb ist der Entscheid zu bedauern: Nicht aus materiellen Gründen, sondern der Symbolik wegen.

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