3er-Tram

Einigung beim Gipfeltreffen: Enge Überwachung soll Tram im Elsass sicherer machen

Alain Girny, Präsident des Zweckverbands, und Baudirektor Hans-Peter Wessels bei der 3er-Einweihung Ende 2017.

Alain Girny, Präsident des Zweckverbands, und Baudirektor Hans-Peter Wessels bei der 3er-Einweihung Ende 2017.

Die Basler Verkehrs-Betriebe, der für den öV zuständige elsässische Zweckverbund Saint-Louis Agglomération und die französische Polizei haben sich auf einen Massnahmenkatalog geeinigt, damit das 3er-Tram ab 20 Uhr wieder zum Bahnhof Saint-Louis fahren kann.

Seit genau zwei Wochen befahren die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) den Abschnitt der 3er-Linie von der Burgfeldergrenze zum Bahnhof Saint-Louis ab 20 Uhr nicht mehr. Doch ab heute kann man wieder abends mit dem Tram über die Grenze. Grund für die Entscheidung Anfang Mai waren fünf Laserattacken zwischen Mitte April und Ende April «sowie 15 weitere sicherheitsrelevante Vorfälle seit Mitte April 2019», wie die BVB-Medienstelle am Mittwoch mitteilte. Die der bz zugetragene Zahl von 150 Zwischenfällen seit Eröffnung der Linie im Dezember 2017 wollte die Medienstelle weder kommentieren noch bestätigen.

Klar ist, dass der für den öffentlichen Verkehr verantwortliche Zweckverband Saint-Louis Agglomération (SLA), die BVB und die französische Polizei intensiv gefordert sein werden, um Zwischenfälle in Zukunft zu unterbinden. Als hauptsächlich verantwortlich dafür gilt eine Gruppe von rund zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen um den Place Mermoz, die auch im Quartier für Unruhe sorgen.

In einer gemeinsamen Medienmitteilung berichten SLA und BVB, dass sie sich bei einem Treffen von Dienstagabend auf verschiedene Massnahmen geeinigt haben, die für einen möglichst sicheren Betrieb der Tramlinie 3 bis Betriebsschluss nötig seien.

Regelmässige Treffen geplant

Weiter heisst es: «Die BVB, SLA und die involvierten Parteien sind überzeugt, dass die Sicherheit für die Fahrgäste und das Fahrpersonal mit den getroffenen Massnahmen grösstmöglich gewährleistet sein wird.» Ferner würden im Zuge der umgesetzten Massnahmen ab sofort regelmässige Treffen der Partner stattfinden, «um die Wirksamkeit der umgesetzten Massnahmen zu überprüfen.»

Um welche konkreten Massnahmen es sich handelt, will BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid nicht konkret ausführen. «Sie werden Verständnis dafür haben, dass wir diesbezüglich diskret bleiben möchten. Wir werden aber unsere eigenen Massnahmen, das Tram stündlich mit eigenem Sicherheitspersonal begleiten zu lassen, fortführen.»

Etwas auskunftsfreudiger ist die französische Seite. Stéphanie Fuchs, Kommunikationschefin des Zweckverbands, weist zwar auch darauf hin, dass man den für die Zwischenfälle verantwortlichen Personen keine Anhaltspunkte geben wolle, auf die sie sich einstellen könnten. Sie sagt aber auch: «Wir werden die gesamte Tramstrecke sehr eng überwachen.» Umsetzen werden diese Massnahme der Zweckverband, die BVB und die französische Polizei gemeinsam.

Die Entscheidung, die Abendverbindungen wieder aufzunehmen, war auf einem Treffen am Dienstagnachmittag gefällt worden. Zu den Gesprächen hatten sich Bruno Stehrenberger, Leiter Verkehr BVB, mit dem Präsidenten des Zweckverbands Alain Girny sowie Jean-Marie Zoellé, bürgerlicher Maire von Saint-Louis, getroffen. Anwesend war auch der Kommandant der französischen Polizei in Saint-Louis, Bertrand Lack, und der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels.

Wessels war schon mal da

Zu einem ersten Treffen zwischen Wessels und den verantwortlichen Elsässern war es bereits am letzten Donnerstag gekommen. Damals waren die BVB allerdings nur mit ihrem Mediensprecher ad interim Benjamin Schmid vertreten. Die Elsässer hatten die Abwesenheit von Vertretern der BVB, die über Entscheidungsbefugnisse verfügen, konstatiert und auf das nächste geplante Treffen von Dienstag vor zwei Tagen gehofft. Dann waren die BVB tatsächlich mit einer Person aus der Geschäftsleitung vertreten.

Die Stimmung zwischen den Südelsässern und Basel war in den letzten beiden Wochen auf den Tiefpunkt gesunken. Die Elsässer fühlten sich düpiert, weil sie nicht vor der Öffentlichkeit über die Einstellung des Abendverkehrs informiert worden waren.

Auffällig war die anfängliche Zurückhaltung von Wessels, der sich darauf beschränkte, die Entscheidung der BVB zu unterstützen. Seit einer Woche hat der Baudirektor den Kontakt mit den elsässischen Politikern wieder aufgenommen und so am Finden einer Lösung mitgearbeitet. Ob das reicht, dass gestörte Vertrauenverhältnis zu kitten, wird sich spätestens bei den nächsten Zwischenfällen weisen.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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