Das Ende für die XXL-Filiale des Interdiscounts am Basler Marktplatz bringt die Zukunft der Innenstadt-Geschäfte auf den Punkt. Die Ladenfläche sei zu gross, teilte Coop mit, das Geschäft will sich auf eine kleinere Ladenfläche konzentrieren. Dazu soll der Online-Shop gestärkt werden. Es ist wohl wieder dieses Internet, das sich auf den realen Raum auswirkt: Der Kunde geht im Laden die Ware beschauen und kauft dann online ein. Ob nun tatsächlich ein Hotel in die Liegenschaft kommt, wie Basler Medien bereits berichteten, ist noch offen. Coop kann dahingehend vor heute Montag nichts bestätigen.

Es wäre ein logischer Schritt. Es sind nicht die Ladenflächen selbst, die in der Innenstadt nicht mehr begehrt wären. So berichtet Pro-Innerstadt-Chef Matthias F. Böhm regelmässig von einer sehr grossen Nachfrage nach Ladenflächen in Basel. Was allerdings kaum mehr gefragt ist, sind grosse Einkaufstempel, also Warenhäuser, wie sie sich im 20. Jahrhundert entwickelt hatten. Ein Beispiel: Die ehemalige ausladende, aber auch verwinkelte Ladenfläche, die an der Falknerstrasse zuletzt vom Buchhändler Orell Füssli betrieben worden war, wird derzeit in den Ursprungszustand zurückgebaut. Denn es handelt sich dabei nicht um eine, sondern um drei Liegenschaften, deren Wände vor Jahrzehnten entfernt worden waren, um ein geräumiges Einkaufshaus zu schaffen. Die Zeiten der Tempel sind aber vorbei. Deshalb werden aus drei zusammengewachsenen Häusern wieder drei einzelne Häuser. Das gibt insgesamt zwar kleinere Ladenflächen, aber mehr Läden.

«Blue Tomato» kommt nach Basel

Den Trend bestätigt auch der Bezug der Kleiderboutique Zooloose, ebenfalls an der Falknerstrasse. Dort, wo früher ein Blumenladen war, befindet sich heute ein übersichtlicher Shop. Und gleich daneben ist an den Schaufenstern der ehemaligen Papeterie-Abteilung von Orell Füssli bereits der nächste Mieter angeschrieben: Die österreichische Skater- und Lifestyle-Kette «Blue Tomato» preist sich zwischen Gerüsten und Mulden an, während im Inneren noch die Bauarbeiten laufen. Auch diese Kette hat beste Erfahrung in Sachen Umsatzsteigerung auf Boutiquen-Fläche. Erst im Sommer eröffnete die Kette in der Westschweiz eine weitere Filiale, jetzt kommt Basel zum Zug.

«Lädele» statt Shopping-Wahn

Dem Trend hin zur Verkleinerung sind auch die hohen Kosten für Ladenflächen in der Innenstadt nicht abträglich. Solange jemand bereit ist, einen Preis von rund 10 000 Franken Ladenmiete in der Basler Innenstadt zu bezahlen, so lange werden die Preise astronomisch hoch bleiben. So teuer ist etwa die Miete für die Filiale der konkursiten Confiserie Beschle beim Barfüsserplatz, wie die bz berichtete.

Was zu diesem Zeitpunkt unklar war: Mietverträge für eine Nachfolge waren damals bereits in Verhandlung, wie verschiedene Quellen nun bestätigen. Die Liegenschaft stand vor allem wegen des laufenden Konkursverfahrens leer.
So ist das Lädelisterben vor allem ein Lädeliwandel. In der Region haben bereits mehrere Geschäfte auf das Modell «Showroom» umgestellt, wo die Artikel zwar noch zur Schau gestellt werden, der Kunde aber eine Bestätigung im Internet tätigen muss. Entweder direkt im Laden beim Personal oder dann zu Hause.

Interdiscount machts nun ähnlich: Sobald der Laden am Marktplatz im Februar 2019 seine Türen schliesst, eröffnet das Geschäft eine kleinere Filiale in der Freien Strasse. Auch in Basel, auch in der Innenstadt, sogar nur wenige hundert Meter vom bisherigen Standort, aber eben: kleiner. So sagte etwa Monika Sachs, Mediensprecherin der zu Coop gehörenden Kette, schon am Donnerstag gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von SRF, dass der Trend hin zu kleineren Geschäften mit einer speziellen Auswahl gehe. Womit die Richtung der von Pro-Innerstadt-Chef Böhm stets so gern beschworenen «Einkaufserlebniswelt Innenstadt» vorgegeben wird: Aussterben wird sie nicht. Aber gemessen am Gewohnten ziemlich anders.