Die ersten Erfahrungen waren nicht gerade positiv. In schöner Regelmässigkeit blieb das neue 8er-Tram, das ab 14. Dezember Basel mit Weil am Rhein verbinden wird, in der ersten Woche der Testfahrten im Stau beim Grenzübergang Hiltalingerstrasse hängen. Betriebsleiter Thomas Ruff führte dies gegenüber der «Badischen Zeitung» auf Autofahrer zurück, die die Tramgleise im Kreisel beim Rheincenter oder die Fahrspur vor dem Zoll beim Abstempeln der grünen Zettel zur Mehrwertsteuererstattung blockierten.

Schon heute herrscht am Grenzübergang zu Zeiten mit vielen Einkaufstouristen wie am Freitagabend oder am Samstag das grosse Durcheinander. Die Fahrzeuge stauen sich bis zum Kreisel oder sogar bis in die Hauptstrasse zurück. Dort teilen sich Autos und Tram in Richtung Basel auf mehreren Hundert Metern eine Fahrspur. Als zusätzliches Problem erweist sich hier am Samstag, dass viele Schweizer Kunden ihre Päckli und Briefe vom Lieferadress-Service Burg in Weil Friedlingen abholen und die Strasse mit ihren Fahrzeugen verstopfen.

Verantwortlich sind Autofahrer

Rudolf Koger, in Weil Gesamtprojektleiter für die 8er-Tramverlängerung, sind die Probleme bekannt. Er verweist darauf, dass die ersten Probefahrten ab Ende September zu einem Zeitpunkt stattfanden, als der Verkehr über den Zollübergang Otterbach wegen Bauarbeiten behindert war. Chaos gibt es am Übergang Hiltalingerstrasse allerdings auch ohne diese und ohne Tramverkehr.

Koger macht vor allem die Autofahrer für die Probleme verantwortlich. «Sie halten sich nicht an die Verkehrsregeln und fahren, auch wenn kein Platz ist, in den Kreisel ein.» Er kündigt intensive Gespräche mit der Polizei und «verkehrserzieherische Massnahmen» an. Schwierigkeiten gibt es auch beim Ein- und Ausparkieren in die zwölf Parkplätze vor dem Zoll. Um hier wieder wegzukommen, muss man rückwärts herausfahren. «Ein grosses Problem sind auch die Autofahrer, die ihre Mitfahrer aussteigen lassen, damit diese die grünen Zettel abstempeln lassen gehen. Manche Spezialisten bleiben mit ihrem Fahrzeug einfach stehen und blockieren die Fahrbahn», ärgert sich Koger.

Da die Parkplätze direkt vor dem Zoll oft leer bleiben, soll ein neues elektronisches Leitsystem ihre Verfügbarkeit anzeigen. Ferner ist geplant, neben den Parkplätzen eine gesonderte Fahrspur zu markieren. Kritik an der neuen Zollanlage ist Koger gewöhnt. «Wir haben sie vor zweieinhalb bis drei Jahren intensiv geplant. Eine Lösung wie beim Zoll Otterbach war aus Platzgründen nicht möglich.» Am Otterbach können die Autofahrer nach dem Abstempeln der grünen Zettel vorwärts wieder ausparkieren und die Spur Richtung Schweizer Zoll bleibt so frei.

Fluch des niedrigen Eurokurses

Dejan Despotovic, Projektleiter des Basler Abschnitts, verweist auf den «Fluch», weshalb er sich immer wieder für die Tramverlängerung rechtfertigen müsse. «Als das Projekt 2006/2007 beschlossen wurde, lag der Eurokurs noch bei 1.60 oder 1.70 Schweizer Franken und die Verkehrsflüsse waren ganz anders.» Tatsächlich haben Einkaufstourismus und Verkehr durch den niedrigen Eurokurs mittlerweile massiv zugenommen. «In einem Jahr kann das schon wieder anders aussehen», argumentiert Despotovic.

Ausserdem plädiert er für Geduld. «Noch funktionieren nicht alle Ampeln und wir befinden uns in der Feinabstimmung. Wir hoffen auch, dass ein Teil der Leute vom Auto auf das Tram umsteigen wird.» Überhaupt werde man die Situation weiter beobachten. «Noch gibt es keine Anzeichen, dass es schiefgelaufen ist.»

Schweizer Zoll und Grenzwache sehen nur begrenzt Möglichkeiten, gegen die Staus vorzugehen. Der Idee einer schnelleren Abfertigung auf zwei Spuren, die die «Badische Zeitung» ins Gespräch gebracht hatte, erteilt Mediensprecher Patrick Gantenbein eine Absage: «Der Grund, warum wir den Einreiseverkehr nur über eine Fahrspur abwickeln, liegt darin, dass die Ein- und Ausfahrt bei den Parkfeldern, welche uns für die Grenz- und Zollkontrolle dienen, nur so ohne Störung des rollenden Verkehrs möglich ist. Es handelt sich also um die Frage der Verkehrssicherheit auf dem Schweizer Amtsplatz.»

Platz ist knapp

Auch seien die Platzverhältnisse im Bereich der Einreise in die Schweiz knapp bemessen. «Wir sind jedoch flexibel, da wir keine festgebauten Verkehrsführung im Schweizer Sektor des Grenzübergangs haben, sodass wir in einem beschränkten Rahmen weitere Varianten der Platzorganisation in unserem Zuständigkeitsbereich prüfen können», so Gantenbein.

Vom Hauptzollamt Lörrach war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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