Welches Produkt steht bei den Schweizer Einkauftouristen ganz oben auf dem Zettel? «Definitiv Fleisch», sagt Dieter Hieber vom bekannten Lörracher Grossmarkt Hieber. Nur bei wenigen Produkten sind die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland so gross wie bei Filets, Würsten und Poulet. Profitieren tut aber nicht nur der Schweizer Konsument.

Auch beim deutschen Metzger ist die kaufkräftige Kundschaft von jenseits der Grenze höchst willkommen. Beiden verderben die neuen Zollbestimmungen des Bundesrats jedoch den Appetit: Ab 1. Juli darf man pro Person nur noch ein Kilo Fleisch zollfrei über die Grenze nehmen – egal welcher Art. Darüber wirds teuer: Jedes zusätzliche Kilo muss mit 17 Franken versteuert werden. Bisher waren 500 Gramm Frischfleisch und bis zu dreieinhalb Kilo verarbeitetes Fleisch erlaubt.

Erlassen wurde diese Bestimmung für Fleisch – und eine ganze Reihe weiterer beliebter Produkte – vergangene Woche. Mittlerweile hat es sich in Deutschland rumgesprochen – und sorgen für Verunsicherung. Patrick Gantenbein, Sprecher der Grenzwachtregion Basel, sagt: «Wir hatten Telefonanrufe von Metzgern aus Deutschland. Diese wollten eine Bestätigung der neuen Vorschriften im Bereich Fleisch.» Und Dieter Hieber kommentiert: «Die neue Zollobergrenze für Fleisch wird sich für uns negativ auswirken.»

Ziel: Die Bauern schützen

Ziel sei eine Vereinfachung der komplizierten Regelungen gewesen, schreibt die Eidgenössische Zollverwaltung. Aber nicht alleine: Wenn man nur noch ein Kilo Fleisch in die Schweiz importieren darf, wird das Einkaufen im Ausland deutlich unattraktiver. Damit werden die Schweizer Produzenten geschützt. So ist Fleisch von Wildtieren nämlich explizit von der 1-Kilo-Regel ausgenommen, weil «agrarpolitisch kein Schutzbedarf» besteht, wie es bei der Zollverwaltung heisst.

Sprich: Schweizer Bauern produzieren kein Wild. Sie haben deshalb auch keine Einbussen wegen ausländischer Konkurrenz. Einbussen haben dafür die deutschen Metzger und Supermärkte. Joachim Lederer, Inhaber der Metzgerei Adler in Weil und Obermeister des Metzgerverbands Landkreis in Lörrach, macht sich um sich selbst zwar weniger Sorgen: «Unsere Kunden aus der Schweiz kommen ein bis zwei Mal. Dafür reicht ein Kilo.» Die Supermärkte werde es aber hart treffen, ist er überzeugt.

Schmuggel könnte zunehmen

Laut Grenzwacht-Sprecher Patrick Gantenbein sei Fleisch schon heute beliebtes Schmuggelgut. Es gebe Leute, die ihr Frischfleisch «pseudo-marinieren», damit dieses als verarbeitetes Fleisch durchgeht. Das wird ab Juli nicht mehr möglich sein. «Es ist schwierig, eine Prognose zu stellen. Wir warten einmal den Monat Juli ab», antwortet er auf die Frage, ob die Grenzwache noch mehr Fleisch-Schmuggel befürchte. Die Anreize, das Fleisch unverzollt über die Grenzen zu bringen, sind bei den happigen Preisunterschieden jedenfalls vorhanden. Allerdings zahlt man auch eine schmerzhafte Busse, wenn man erwischt wird – zusätzlich zum nachverzollten Fleisch à 17 Franken pro Kilo.

Eine Umfrage der bz zeigte am Mittwoch: Nicht allen Metzgern im grenznahen Ausland waren die neuen Bestimmungen bewusst. Wissen es wenigstens die Konsumenten? Die Grenzwache will vor den Sommerferien nochmal informieren. Und auch Dieter Hieber kündigt an: «Wir werden Hinweise aufstellen.» Denn beim Schmuggeln erwischt zu werden, vermiest auch dem grössten Fleischliebhaber das Grillfest.