Basel-Stadt ändert für das neue Jahr die Leistungsaufträge an die Spitex Basel. Neu sollen Patienten und Patientinnen einkommensabhängig für Hauswirtschafts- und Betreuungskosten aufkommen. «Der Kanton hat die Aufgabe, haushälterisch mit den Steuren umzugehen. Die stärkeren Einkommensgruppen sollen sich deshalb auch mehr an den Kosten beteiligen», so Stefan Schütz, Geschäftsführer der Spitex Basel.

Der bisherige Preis von 31 Franken pro Stunde wird aufgehoben. Ab dem 1. August 2018 werden alle Patienten und Patientinnen in Tarifstufen eingeteilt. Das Prämienverbilligungssystem des Kantons steht dabei Modell – dieses sieht 18 Gruppen vor. Für die neue Regelung bei Spitexkosten werden diese Gruppen in vier Tarifstufen unterteilt. Die niedrigste Einkommensgruppe, Personen, die Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen beziehen, bezahlt den alten Preis von 31 Franken pro Stunde.

In der zweiten Gruppe müssen 33 Franken bezahlt werden, die dritte Gruppe zahlt 35.50 Franken. Der Preis für die höchste Stufe beträgt 38 Franken. Für 2019 sollen die Preise noch höher gesetzt werden, dann soll Stufe vier neu 45 Franken pro Stunde bezahlen müssen. «Wir möchten unsere Patienten und Patientinnen langsam an das neue Tarifsystem gewöhnen.» Deshalb sei die Erhöhung in zwei Stufen eingeteilt worden, so Schütz.

Den Leistungsauftrag kann der Kanton stellen, da er jährlich einen hohen Leistungsbeitrag an die Spitex Basel bezahlt.

Im Jahr 2016 betrug der Beitrag mit fast 18 Millionen Franken beinahe 50 Prozent der Gesamteinnahmen der Spitex. Laut Schütz ist das Ziel des Kantons, älteren Personen zu ermöglichen, möglichst lange zu Hause bleiben zu können. Im Leistungsauftrag ist festgehalten: Die Spitex muss sicherstellen, dass die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen erhalten bleibt. «Wir nehmen unseren Patienten nicht die gesamte Arbeit ab. Wir geben ihnen Hilfestellung, sodass sie weiterhin alleine den Alltag meistern können», fasst Verena Bitterli, Bereichsleiterin der Spitex Basel, zusammen.

Remo Gysin ist nicht begeistert über das neue Tarifsystem. Der Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz sagt: «Ich sehe darin keinen sozialen Ansatz. Das neue System kommt den finanziell schwächeren Patienten nicht zugute.» Das System sei sehr fragwürdig und ein weiterer Beitrag zur Verteuerung des Gesundheitswesens. Falls der Mehrbetrag zu einer besseren Entlöhnung der Spitexmitarbeiterinnen und -mitarbeiter führe, habe er jedoch ein gewisses Verständnis dafür. Dies bleibt jedoch zu hinterfragen. Dass 2012 das Fallpauschalensystem eingeführt worden ist, spürt auch die Spitex Basel deutlich. «Unsere Einsätze sind viel länger als früher. Die Leute werden sehr schnell wieder aus dem Spital entlassen und brauchen intensivere Betreuung.» Dafür benötige es sehr gut ausgebildetes Personal, sagt Bitterli.

Es fehlt an Fachkräften

Der demografische Wandel wirkt sich direkt auf die Basler Spitex aus. Vor allem jetzt, da die Babyboomer in Pension gehen, herrscht Fachkräftemangel. Auch schweizweit. Bis im Jahr 2020 werden 17 000 neue Vollzeitstellen benötigt. Zudem gehen durch Pensionierung 60 000 Gesundheitsfachleute verloren, die ersetzt werden müssen.

Um gegen die Veränderungen anzusteuern, möchte der Stadtkanton die Prävention und Früherkennung nichtübertragbarer Erkrankungen verstärken. Dies ist im Spitex-Leistungsauftrag bereits festgehalten, soll aber noch intensiver werden. Die Mitarbeitenden lernen in mehrtägigen Kursen, Veränderungen oder zunehmende Einschränkungen festzustellen. Auch sollen Dienstleistungen und Infrastruktur weiter angepasst werden. Die Patientinnen und Patienten sollen vor allem ambulant behandelt werden. Die stationäre Behandlung kommt erst als letzte Option infrage.