Es rüttelt und schüttelt im Cockpit. Ich bewege den Steuerknüppel behutsam um 10 Grad nach rechts, spüre Widerstand. Ein fieses Gewitter entlädt sich über der Region, wenige Minuten vor der Landung des A320 am Euro-Airport.

In Mallorca war noch traumhaftes Wetter, und jetzt diese mühsamen Turbulenzen. Die Maschine sackt plötzlich ab, die Häuser der Vororte bedrohlich nah. Das Variometer zeigt, dass wir 1500 Fuss pro Minute sinken – zu viel: «Du musst mehr Schub geben, sonst crashen wir in diesen Hügel da vorne», sagt Andrew Jancer, mein Co-Pilot, und zeigt auf den mittleren Bildschirm.

Er ist einer von acht Aviatik-Freaks, die heute die offizielle Eröffnung ihres Babys, von «Flyfsx», feiern. Viele von ihnen sind oder waren in der Aviatikbranche tätig.

Drei Flugsimulatoren befinden sich in den Räumlichkeiten von «Flyfsx» in Riehen, alle mit einer beweglichen Plattform. «Das findet man in der Schweiz selten. Die meisten sind statisch, das macht das Erlebnis weniger echt», sagt Geschäftsführer Hanspeter Thäler, Inhaber der Binarycube GmbH. Eine Produktsparte ist «Flyfsx».

Abgesehen von der Beweglichkeit, mit der man sich tatsächlich in einem Flugzeug wähnt, weil die Kräfte auf einen einwirken, sind die Simulatoren mit allen wichtigen Fluginstrumenten ausgestattet - und mit ihnen kann man 30'000 Flughäfen in aller Welt ansteuern, mit nahezu allen Flugzeugtypen, sei es mit dem A380, einer Beechcraft, oder einem Piper-Kleinflugzeug.

Sogar Moritz Suter, ehemaliger Flugunternehmer, habe die Simulatoren schon ausprobiert, berichtet Jancer nicht ohne Stolz. Und ja, er könne es noch, das Fliegen.

Die Flugsimulatoren eignen sich längst nicht nur für jene, die von Riehen aus um die Welt jetten und das Gefühl vom Fliegen aus dem Cockpit erleben wollen. Sondern auch für jene, die ihre Flugangst überwinden wollen. Jancer sagt: «Angst entsteht oft durch Unkenntnis. Im Flugsimulator lernt man viele Vorgänge verstehen, etwa, wie das Triebwerk funktioniert. Wir hatten bereits einige entsprechende Kunden, die danach in die Ferien flogen», sagt Jancer, mein Co-Pilot.

Kompletter Eigenbau

Ein weiteres interessantes Geschäftsfeld orten Thäler und sein Team bei der Durchführung von Firmenevents. In der Vorweihnachtszeit habe man diverse solche Anlässe durchgeführt, so Thäler.

Ausserdem bietet er Stress-, Kommunikations- und Team-Management-Kurse an – im Flugsimulator. «Im Cockpit kann es zu Stresssituationen kommen. Da müssen die Anweisungen klar, die Kommunikation einwandfrei ablaufen. Nach dem Flug wird dies analysiert und Fehler werden ausgelotet, sodass die Mitarbeiter dies im Job-Alltag umsetzen können. Im Sinne von: Miteinander anstatt gegeneinander arbeiten.»

Die Resonanz auf das Angebot sei sehr gut, «wir sind zufrieden. Wenn es so weiter läuft, ziehen wir in Betracht, in Zürich ein zweites Standbein aufzubauen», sagt Thäler. Begonnen hatte indes alles aus privater Motivation.

Vor acht Jahren stellten Jancer und Thäler einen Monitor auf den Schreibtisch, stellten einen Computer unten dazu und bauten ihren Flugsimulator, «aus der Flugbegeisterung heraus. Wir können zwar beide auch im wirklichen Leben fliegen, aber das ist sehr teuer und kannst Du nicht jeden Tag machen», so Thäler.

Komponenten aus aller Welt

Der erste Simulator wurde immer mehr ausgebaut, die Komponenten dafür kauften sie in aller Welt zusammen. So stammt die bewegliche Plattform aus Australien oder die Monitore aus Deutschland. Technische Unterstützung erhielten die beiden per Zeitungsinserat von Marcel Gass, der in der Gebäudetechnik tätig ist.

Jancer sagt: «Es hat auf Anhieb funktioniert – und der Simulator war bei Freunden und Familie sofort beliebt.» Daraus sei die Idee entstanden, den Flugsimulator für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch aus dem Grund, weil die Kosten ein bisschen aus dem Ruder liefen: «Mittlerweile haben wir drei davon, jeder einzelne kostete rund 85'000 Franken - und mindestens 1000 Arbeitsstunden. Das ist kompletter Eigenbau,» sagt Thäler.

Die Landebahn kommt immer näher, der Altimeter sinkt rasant, auf der Piste blinken drei rote Lichter; kein gutes Zeichen. Ein Höhenflug fühlt sich anders an, ich bin im Stress. Andrew Jancer greift ein, fährt das Fahrwerk aus, setzt die Klappen und grinst mich an: «Beim ersten Mal ist das normal. Und das ist auch der Job des Co-Piloten, darauf zu achten, ob wir zu schnell sind oder nicht. Mit den Klappen reduziere ich die Geschwindigkeit.»

Nach der Landung spüre ich Erleichterung. Und auch ein bisschen Stolz – mein erster Flug als Pilotin! Ich kann die Freaks verstehen: ein tolles Erlebnis, das ich möglichst bald wiederholen möchte. Jancer hat recht, wenn er sagt: «Die Dinger machen süchtig.»